Videoplattform

Netflix ist jetzt genau so viel wert wie Daimler und BASF

Netflix ist an der Börse etwa 100 Milliarden Dollar wert.

Netflix ist an der Börse etwa 100 Milliarden Dollar wert.

Foto: Mike Blake / REUTERS

Netflix hat seinen Gewinn im vierten Quartal verdreifacht. Ohne Kevin Spacey wäre das Ergebnis sogar noch besser gewesen.

Hamburg.  Es sind schwindelerregende Höhen, in denen sich die Aktie der Online-Video-Plattform Netflix bewegt. An der Börse ist das Unternehmen derzeit etwa 100 Milliarden Dollar wert. Damit ist es auf Augenhöhe mit Dax-Titeln wie Daimler und BASF.

Auch etablierten Größen der Medienbranche kommt der einstige DVD-Versand aus dem kalifornischen Los Gatos erstaunlich nah – etwa dem Medienkonzern Disney. Ihm gehören eines der größten Hollywoodstudios, TV-Sender wie das US-Network ABC sowie diverse Vergnügungsparks.

Netflix wächst und wächst

Gerade erst hat er mit 21st Century Fox einen seiner größten Wettbewerber übernommen. Disneys Umsatz war mit gut 55 Milliarden Dollar 2017 fast fünfmal so hoch wie der von Netflix. Und doch ist der traditionsreiche Micky-Maus-Konzern an der Börse gerade mal 67 Milliarden Dollar mehr wert als der Streaming-Dienst.

Dass die Anleger in Scharen in Netflix investieren, liegt an dem enormen Wachstum der Firma. Im vierten Quartal 2017 verdreifachte sie ihren Gewinn beinah auf 186 Millionen Dollar. Diese Kennzahl wäre noch höher ausgefallen, hätten die Kalifornier nicht 39 Millionen Dollar auf Inhalte abschreiben müssen, die sie nicht veröffentlichen werden.

Größte Online-Video-Plattform der Welt

Offenbar handelt es sich dabei um Szenen der sechsten Staffel von „House of Cards“, in denen Kevin Spacey mitspielte. Da dem Schauspieler sexuelle Belästigung zur Last gelegt wird, strich Netflix seine Rolle kurzerhand aus dem Drehbuch .

Mit 118 Millionen Abonnenten in 190 Ländern der Erde ist das Unternehmen die größte Online-Video-Plattform der Welt. Allein im vergangenen Quartal erhöhte sich ihre Zahl um 8,3 Millionen. 6,4 Millionen der Neu-Abonnenten leben außerhalb des US-amerikanischen Heimatmarkts.

Höhere Abopreise in den USA

Auch das Umsatzwachstum war im vierten Quartal beachtlich: Die Erlöse legten um 32,6 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zu. Trifft die Prognose der Online-Plattform zu, wird sich dieses Wachstum im laufenden Quartal noch beschleunigen: Netflix rechnet für das erste Quartal 2018 mit um 39,8 Prozent höheren Erlösen, die dann bei 3,7 Milliarden Dollar liegen sollen.

Ermöglichen könnte das noch rasantere Wachstumstempo die Preiserhöhung, die das Unternehmen für den US-Markt angekündigt hat. In Deutschland liegt derzeit der günstigste Preis eines Netflix-Abos bei 7,99 Euro. Wohl auch vor dem Hintergrund höherer Preise rechnet der Dienst mit etwas weniger neuen Abonnenten als im vierten Quartal 2017. Ihre Zahl soll in den ersten drei Monaten 2018 bei 6,4 Millionen liegen.

Amazon Video in Deutschland Marktführer

Wachstumspotenzial hat die Plattform nach wie vor im Ausland. Insbesondere den wichtigen deutschen Markt haben die Amerikaner noch längst nicht ausgeschöpft. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sind sie hierzulande nicht Marktführer.

"Dark": Das ist die erste deutsche Netflix-Serie

Offizielle Zahlen zu den in Deutschland angebotenen Online-Video-Plattformen gibt es zwar nicht. Doch nach Angaben aus Branchenkreisen ist zwischen Flensburg und Garmisch Amazon Video mit knapp drei Millionen Nutzern das Maß aller Dinge. Netflix liegt mit gut zwei Millionen Abonnenten nur auf dem zweiten Platz. Mit „Dark“ hat die Plattform erst kürzlich ihre erste deutsche Serie gestartet .

Apple arbeitet an einer Plattform

Dass bei Netflix weiterhin alle Zeichen auf Wachstum stehen, verdeutlichen auch die Investitionen, die das Unternehmen für das laufende Jahr ankündigte. Allein 2018 will der Dienst zwei Milliarden Dollar für Marketing ausgeben. Im selben Zeitraum will er acht Milliarden Euro in neue Programme stecken.

Das liegt auch an der Konkurrenz: Apple arbeitet an einer Plattform. Und Disney hat für 2019 den Start eigener Streaming-Dienste geplant. Netflix wurden bereits Programmzulieferungen gekündigt.