Lebensmittelindustrie

Arlas Europa-Chef: Das ist die Zukunft der Milch

Foto: Arla Foods

Biotrend, Nachhaltigkeit und Märkte in Asien: Arla-Europa-Chef Peter Giørtz-Carlsen sieht die Zukunft der Milchbranche in Innovationen.

Berlin.  Mit dem Namen Arla verbinden nur wenige Deutsche etwas. Die größte europäische Molkereigenossenschaft ist hierzulande eher über ihre Marken wie Buko und Kaergarden bekannt. Arla-Europa-Chef Peter Giørtz-Carlsen erklärt, warum die Butterpreise schwanken, Nachhaltigkeit großes Marktpotenzial für die Landwirte birgt und die Bioprodukte wachsen.

Herr Giørtz-Carlsen, warum schwankte der Butterpreis im vergangenen Jahr so stark? 99 Cent zum Jahresbeginn, 1,99 Euro Ende des Sommers, 1,59 Euro am Jahresende ...

Peter Giørtz-Carlsen: Milch ist inzwischen ein globales Produkt. Der Preis schwankt mit Angebot und Nachfrage. Die weltweite Nachfrage steigt stabil. Das Angebot schwankt aber. Als die Quoten in der EU abgeschafft wurden, kam sehr viel Milch auf den Markt, das drückte den Preis. Dann stiegen einige Bauern aus und die Produktion großer Exportländer wie Neuseeland und Australien fiel wetterbedingt geringer aus, sodass die Milchmenge zurückging und der Preis entsprechend stieg.

Wie wichtig ist der Weltmarkt für Arla?

Giørtz-Carlsen: Wir haben ein großes Geschäft außerhalb der Europäischen Union. Aber nicht nur Arla, die gesamte Industrie arbeitet immer stärker weltweit, da auch die globale Nachfrage steigt. Das ist wie bei Kaffee: Der wächst zum Beispiel sehr gut in einem Gebiet in Afrika, wird aber weltweit verkauft. Und die Voraussetzungen für die Milchproduktion sind besonders gut in der nördlichen Hemisphäre. Zudem sind wir in Ländern wie Deutschland, Dänemark und Großbritannien sehr effizient.

Welche Märkte wachsen am schnellsten?

Giørtz-Carlsen: Große Nachfrage gibt es in Asien und einigen Schwellenländern. Diese Märkte kommen aber von einem niedrigeren Niveau als etwa Europa. Europa ist dagegen ein reifer Markt, recht gut entwickelt; mit mehr Auswahl, weil es viel mehr Innovation gibt.

Und die Chinesen?

Giørtz-Carlsen: China ist ein stark wachsender Markt. Mit einer sehr großen Bevölkerungszahl, und einer hohen Nachfrage nach westlichen Produkten. Im vergangenen Jahr konnten wir unsere Verkaufszahlen in China verdoppeln. Die Produkte für den chinesischen Markt stammen zu einem großen Teil aus unserem Milchwerk in der Eifel.

Sie sind vor allem in Europa tätig. Inwiefern unterscheiden sich die einzelnen Länder?

Giørtz-Carlsen: Ich sehe mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Gesundheit und Nachhaltigkeit sind überall Trend. Auch der Wettbewerb ist überall intensiv. Und wir sehen, dass unsere Produkte immer häufiger über Grenzen reisen. Etwa Arla Skyr: Wir stellen es in Upahl in Mecklenburg-Vorpommern her, verkaufen es aber in vielen Ländern Europas. Natürlich gibt es auch Unterschiede: Deutschland ist mit seinem großen Discountsektor und einem preisbewussten Einkaufsverhalten anders als andere Märkte.

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Viele Kunden in Deutschland wünschen sich Milch von Kühen, die nicht mit genverändertem Futter gefüttert wurden. Wie gehen Sie damit um?

Giørtz-Carlsen: In Schweden stammt unsere Milch bereits ausschließlich von Kühen, die kein gentechnisch verändertes Futter erhalten. Auch in Deutschland haben wir inzwischen in großem Umfang umgestellt. Das Thema zeigt exemplarisch, dass die neue Generation von Verbrauchern sensibler beim Thema Nahrungsmittelproduktion ist und mehr über Essen sowie die Folgen der Produktion wissen will. Nachhaltigkeit ist deshalb ein sehr großer Trend. Da wollen wir führend sein und Industriestandards setzen.

Verträgt sich der Wunsch nach Nachhaltigkeit mit industrieller Milchproduktion?

Giørtz-Carlsen: Das passt sehr gut. Vieles, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat, ist tatsächlich gutes Management auf dem Hof. Und Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir auch höherpreisige Produkte anbieten können. Denn die Verbraucher sind bereit, mehr für nachhaltige Produkte zu bezahlen. Das betrifft etwa das Tierwohl, ein Thema der Grünen Woche. Das hat großes Potenzial für unsere Industrie.

Beim Tierwohl geht es aber auch um die Folgen der Massentierhaltung. Wie groß sind ihre Höfe?

Giørtz-Carlsen: Das ist je nach Markt unterschiedlich. In Deutschland haben wir 2350 Landwirte, die Mitglied unserer Genossenschaft sind und uns beliefern. Die Größe der Arla-Höfe variiert, von 60 bis 80 Tieren bis zu mehreren Hundert. In Dänemark ist die durchschnittliche Herde deutlich größer als in Deutschland. Wichtig ist, dass alle unsere Landwirte nach unserem Qualitätsprogramm Arlagarden arbeiten, das verbindliche Standards festlegt.

In Deutschland wird sehr viel Wert auf Bioernährung gelegt. Hält der Trend an?

Giørtz-Carlsen: In Deutschland kamen im vergangenen Jahr acht Prozent unseres gesamten Umsatzes aus dem Bereich Bio. Ich sehe dort weiter großes Wachstumspotenzial. Zudem beobachten wir bei Flexitariern, also Vegetariern, die ab und an Fleisch essen, einen Trend. Da spielen Milchprodukte eine große Rolle. Wichtig ist, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Daher investieren wir stark in Innovationen und haben 2017 ein Innovationszentrum für 38 Millionen Euro in Dänemark eröffnet.

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Können Sie das Modell Arla erklären?

Giørtz-Carlsen: Wir sind eine Genossenschaft. Das heißt: Arla gehört unseren Landwirten. Und das Unternehmen gibt ihnen die Möglichkeit, ihre Milch auch international zu vermarkten und so am weltweiten Geschäft teilzuhaben. Die Landwirte können sich darauf konzen­trieren, ihren Hof zu entwickeln und die Milchproduktion zu optimieren. Wir sind verpflichtet, alle Milch von ihnen abzunehmen, egal, wie viel sie produzieren. Und unser Ziel ist es, ihnen den höchstmöglichen Milchpreis zu zahlen.

Unterscheidet sich der Preis, den Arla den Landwirten zahlt, nach Region?

Giørtz-Carlsen: Wir haben einen einheitlichen Milchpreis in Europa. Dies entspricht unserem genossenschaftlichen Solidaritätsprinzip.

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• Von Dänemark aus in die Welt

Arla Foods ist mit 9,6 Milliarden Euro Umsatz 2016 eines der größten Molkerei-Unternehmen weltweit und die größte Molkereigenossenschaft Europas. Sitz Viby bei Aarhus in Dänemark. In Deutschland setzte Arla 2016 rund 1,3 Milliarden Euro um. Produkte sind unter anderem Buko, Kaergarden und Skyr. Arla ist der größte Anbieter von Biomilch weltweit und liefert auch Milchprodukte für die US-Kaffeekette Starbucks.

Das Unternehmen ist eine europäische Genossenschaft, die derzeit rund 11.200 Landwirten aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Luxemburg, den Niederlanden und Schweden gehört. In Deutschland sind 2350 Landwirte Eigentümer. Arla verkauft in 120 Ländern weltweit und beschäftigt 19.000 Mitarbeiter, davon 2000 in Deutschland.