Berlin

Rekordinvestitionen in Deutschlands Start-ups

Berlin. Als einen „großartigen Tag in der Firmengeschichte“ wird Dominik Richter den 2. November 2017 später beschreiben. Der Tag, an dem Hello Fresh, der von ihm mitgegründete Anbieter von Kochboxen, an die Börse ging und auf einen Schlag 268 Millionen Euro einsammeln konnte. Bis heute hält sich der Aktienkurs, abgesehen von leichten Schwankungen, wacker. Hello Fresh schaffte so die zweitgrößte Finanzierungsrunde eines Start-ups in Deutschland im vergangenen Jahr.

Die Stimmung unter Jungunternehmern in Deutschland könnte nicht besser sein. Sie haben 2017 so viel Risikokapital eingesammelt wie nie zuvor, das geht aus dem Start-up-Monitor der Unternehmensberatung EY hervor. Es berücksichtigt Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt. 4,3 Milliarden Euro steckten Investoren in die Unternehmen – ein Anstieg von 88 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2,3 Milliarden Euro). Der Zuwachs hat auch mit zwei Börsengängen zu tun, bei denen Firmen naturgemäß viel Geld einsammeln. Neben Hello Fresh startete auch der Bringdienstvermittler Delivery Hero (Lieferheld, pizza.de, Foodora) an der Börse. Die Analyse zeigt auch: Berlin konnte den Titel „Deutschlands Start-up-Hauptstadt“ verteidigen und seinen Vorsprung ausbauen. Knapp drei Milliarden Euro – fast dreimal so viel wie 2016 – wurden in Berliner Firmen investiert. Es folgen Bayern (407 Millionen Euro) und Hamburg (230 Millionen Euro).

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW, beobachtet unter Risikokapitalgebern steigendes Vertrauen in die jungen Firmen. Zusätzlich komme den jungen Firmen die robuste Konjunktur und die Niedrigzinsphase zugute. „Es gibt viel Liquidität im Markt, und Anlagemöglichkeiten mit Rendite sind willkommen“, sagte er dieser Zeitung. Dass nun zwei junge Unternehmen in einem Jahr den Börsengang schafften, ist dennoch ungewöhnlich. EY-Experte Peter Lennartz sieht darin eine gewisse „Reife“, die die deutsche Start-up-Szene mittlerweile erreicht habe. „Vor etwa fünf bis zehn Jahren kamen noch nicht viele Start-ups dafür infrage.“