Dax-Vorstände

Das sind die einflussreichsten Managerinnen Deutschlands

Jacqueline Hunt arbeitete zunächst für Firmen in Südafrika, den USA und Europa, bevor sie in den Vorstand der Allianz wechselte.

Foto: imago stock / imago/argum

Jacqueline Hunt arbeitete zunächst für Firmen in Südafrika, den USA und Europa, bevor sie in den Vorstand der Allianz wechselte. Foto: imago stock / imago/argum

Eine Liste des „Manager Magazins“ zeigt: Immer mehr Frauen sitzen in Deutschland in Dax-Vorständen. Doch es gibt Ausnahmen.

Berlin.  Es waren Momente, wie man sie in Deutschland nur selten erlebt: Als Siemens im Dezember ankündigte, weltweit Tausende Stellen zu streichen, war es eine Frau, die vor die Pressefotografen und Kameras trat und die Entscheidung des Managements erklärte. Mehrfach verteidigte die Siemens Personalvorständin Janina Kugel den unpopulären Schritt in der Öffentlichkeit. Anzugträger blieben ausnahmsweise im Hintergrund.

Kugel hat das Sagen über weltweit 341.000 Mitarbeiter. Sie ist eine der wenigen Frauen, die es in den Dax-Vorstand geschafft haben. Nun steht sie auch auf der Liste der 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft, die das „Manager Magazin“ erstellt hat.

Neben Kugel zählen zu den mächtigen Frauen auch Britta Seeger, die den globalen Vertrieb von Mercedes-Benz leitet. Eine Position, die als Eintrittskarte für den Vorstand gilt. Außerdem Dorothee Blessing, Deutschlandchefin bei der Investmentbank J. P. Morgan, die Vorsitzende des DB Fernverkehr, Birgit Bohle und die Chefin des Parfümeinzelhändlers Douglas, Tina Müller.

Saori Duborg ist eine Ausnahme

Die Liste stellt kein Ranking dar, die Vergleichbarkeit sei schwierig, heißt es. Dennoch hat die Jury eine Managerin besonders hervorgehoben: Saori Duborg ist die Vorständin für Pflanzenschutz beim Chemiekonzern BASF. Die 46-Jährige ist eine Ausnahme unter den weiblichen Führungskräften. Denn sie hat es als Einzige über die interne Karriereleiter an die Spitze des Konzerns geschafft. Seit 21 Jahren arbeitet sie für den Chemiekonzern. Eine solche Karriere ist unter Frauen äußerst selten. Und sie offenbart ein gravierendes Problem der Unternehmen: Weil sie es versäumt haben, mittlere Hierarchieebenen mit Frauen zu besetzen, haben sie es schwer, weibliche Führungskräfte in den Vorstand aufrücken zu lassen.

Der Blick auf die Statistik zeigt, dass das Topmanagement deutscher Unternehmen noch immer männlich dominiert ist.

So ist laut einer Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group und der Technischen Universität München unter den 100 größten börsennotierten Unternehmen nur eine weibliche CEO: Angela Titzratz leitet das Logistikunternehmen Hamburger Hafen. In drei Unternehmen, darunter die Deutsche Wohnen, ist der Vorstand und der Aufsichtsrat sogar ausschließlich mit Männern besetzt.

Ähnliches zeigte zuletzt eine umfassende Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB): Nur 26 Prozent der Chefposten in der Privatwirtschaft waren im Jahr 2016 demnach mit Frauen besetzt. Auf der zweiten Führungsebene waren es 40 Prozent. Im Vergleich zur ersten Untersuchung 2004 hat sich der Anteil der Chefinnen in der obersten Führungsebene der Privatwirtschaft nur um zwei Prozentpunkte erhöht. In der zweiten Führungsebene stieg der Frauenanteil von 33 auf 40 Prozent.

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Frauen mit Kindern wird weniger zugetraut

Elke Holst leitet die Forschung den Bereich Gender Studies beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie zieht eine ähnliche Bilanz: „Die Anzahl der Frauen in Führungspositionen ist längst nicht zufriedenstellend.“ Holst sieht den Grund, weshalb Frauen es oft nicht in die oberste Führungsetage schaffen, in den unteren Ebenen. „Die ‚Pipeline‘, also die einzelnen Hierarchieebenen, müssen mit Frauen besetzt werden“, sagt sie.

Weil dort allerdings noch häufig Männer sitzen, passiert vielfach das, was sich auch in der aktuellen Liste des „Manger Magazins“ zeigt: „Oft kaufen Unternehmen Managerinnen von außen oder aus dem Ausland ein, weil sie nicht ausreichend Frauen in der nächsten Hierarchiestufe aufgebaut haben“, kritisiert Holst.

So wie die Topmanagerin Jacqueline Hunt, die zunächst für diverse Firmen in Südafrika, Neuseeland, den USA und Europa arbeitete, bevor sie in den Vorstand des Versicherers Allianz wechselte. Hat es eine Frau erst einmal in den Vorstand geschafft, dann hat sie aufgrund ihrer exponierten Position oft bessere Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren. Schwieriger ist dies meist ein oder zwei Hierarchieebenen darunter.

Laut der Forscherin ist eines der größten Hindernisse auf dem Weg an die Spitze eines Konzerns „noch immer die Teilzeitarbeit, etwa aufgrund familiärer Verpflichtungen, die mit Führung derzeit kaum vereinbar ist“. Holst spricht von einem „Mutti-Malus“. Frauen mit Kindern wird nicht zugetraut, dass sie beides schaffen und deshalb werden sie gar nicht erst befördert.

Durch Frauenquote hat sich die Situation verbessert

„Nicht das Kind oder zu pflegende Angehörige sind das Problem, sondern gegenwärtig, dass meist Frauen deshalb nicht Vollzeit arbeiten können“, erklärt Holst. Dies sei aber noch immer für eine Karriere notwendig. Denn männliche Lebensrealitäten dominierten das Bild einer Führungskraft und von deren Eigenschaften. Experten sind sich einig, dass viele Konzerne eine modernere Unternehmenskultur schaffen müssen. Was auch bedeutet, dass die Arbeitszeit flexibel gestaltet werden kann und dass Arbeitnehmer auch von zu Hause oder unterwegs arbeiten können.

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Den Unternehmen zu unterstellen, sie hätten in dieser Hinsicht bislang gar nichts für gleiche Karrierechancen von Mann und Frauen getan, wäre allerdings falsch. Gerade die Präsenzpflicht im Büro und die Gestaltung der Arbeitszeit haben viele Unternehmen gelockert.

Den wohl größten Effekt aber brachten nicht etwa die freiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmen – erstmals im Jahr 2000 formuliert –, sondern ein Gesetz. „Die Frauenquote hat die Situation zumindest ein bisschen gebessert“, beobachtet Holst.

Die Quote gilt seit Anfang 2016 für 30 Prozent der neu zu besetzenden Posten in Aufsichtsräten bei börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen. Der Anteil der Frauen in diesen rund 100 Unternehmen ist von knapp 22 Prozent (Anfang 2015) auf mehr als 28 Prozent gestiegen, in Dax-Unternehmen liegt er nun sogar auf 32 Prozent.

Seither steht Deutschland auch im europäischen Vergleich besser da. Laut Holst liegt die Bundesrepublik nun „im oberen Drittel in Bezug auf den Anteil der Frauen im Topmanagement“.

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