Berlin

Gleiche Produkte, unterschiedliche Preise

Berlin. Haarschnitt, Reinigung, Einwegrasierer: Bei vielen Produkten und Dienstleistungen zahlen Frauen mehr als Männer, wie eine Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ergeben hat. Die Behörde spricht von einer „Preisdifferenzierung nach Geschlecht“ und beschreibt damit das Verhalten von Anbietern, die gleiche oder sehr ähnliche Leistungen mit unterschiedlichen Preisen für Frauen und Männer versehen. Untersucht wurden 381 Dienstleistungen und 1682 Produkte. Bei etwa der Hälfte gab es deutliche Unterschiede. Es war die erste offizielle Untersuchung zu dem Thema überhaupt.

Produktvarianten gelten als vergleichbar, wenn sie sich ausschließlich im Design unterscheiden, das entweder Frauen oder Männer ansprechen soll – etwa rosa oder blaue Farbe bei einem Einwegrasierer. Dieses „Gender-Marketing“ verstößt erst einmal nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Problematisch wird es aber, wenn identische Produkte zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden.

So kritisiert die Antidiskriminierungsstelle, dass etwa Einwegrasierer, die sich in ihrer Herstellung und ihren Eigenschaften in keiner Weise unterscheiden, für Frauen wesentlich teurer sind. Bei einem großen Discounter kostet das Sechserpack für Frauen 4,49 Euro, für Männer aber nur 3,89 Euro, „wobei sich die Produkte ausschließlich in Farbe und Verpackung unterscheiden“, sagte Iris an der Heiden vom Institut für sozioökonomische Forschung und Beratung, das die Studie erstellte.

Allerdings fanden die Autoren nur bei 3,7 Prozent der untersuchten Konsumgüter Preisunterschiede. „Zum Glück“, sagte an der Heiden, betonte aber, dass trotzdem 62 untersuchte Waren klar gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoßen. Den Konsumenten bleibt es selbst überlassen, ob sie sich für ein Produkt „speziell“ für Mädchen oder für Jungs entscheiden oder ob sie stattdessen lieber zur geschlechtsneutralen Variante greifen.

Bei Dienstleistungen fällt der bewusste Verzicht schwerer. Und die Unterschiede sind auch größer. Knapp 60 Prozent der untersuchten Angebote unterschieden zwischen Kunde oder Kundin. Besonders deutlich wird das im Friseursalon und bei Reinigungsbetrieben. Bei Kurzhaarfrisuren macht ein Preisaufschlag für Frauen im Schnitt 12,50 Euro aus. Die Reinigung von Blusen kostet durchschnittlich 1,80 Euro mehr als die von Hemden. Man begründe die unterschiedlichen Preisekategorien damit, dass Frauen nun einmal anspruchsvoller in ihren Anforderungen wären und die Termine bei Kundinnen oft länger dauerten als bei Kunden, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle. Nach Antidiskriminierungsgesetz ist es aber unzulässig, das Geschlecht als pauschalen Näherungswert für Vorlieben der Kundinnen und Kunden zu nutzen. „Die Vorstellung von einer aufwendigen Damenfrisur stammt aus der Zeit, als Dauerwellen noch in Mode waren“ sagte Lüders. Als Beispiel nannte sie Borussia Dortmunds Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang, der wahrscheinlich wesentlich länger als sie beraten und frisiert werde.

In Österreich versucht man seit zehn Jahren pauschale Preiskategorien nach und nach abzuschaffen, etwa bei Friseuren. In Zusammenarbeit mit den Innungen wurde eine geschlechtsneutrale Musterpreisliste konzipiert. Ein erster Durchbruch. Für Deutschland stellt sich Lüders ein ähnliches Vorgehen vor.