Sportpark

Schöner shoppen: Trampolin springen im Einkaufscenter

Christoph Ahmadi, Geschäftsführer vom Jump House

Christoph Ahmadi, Geschäftsführer vom Jump House

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Hamburger Start-up Jump House expandiert nach Shopping-Mall in Bremen. Halle in Poppenbüttel wird bald eröffnet.

Hamburg.  Auf dem Sprung sein – das ist für Christoph Ahmadi und Till Walz seit drei Jahren das Geschäftsmodell. Im Dezember 2014 eröffneten die beiden Jugendfreunde in Stellingen das erste Jump House. Mittlerweile gibt es in Deutschland fünf dieser Trampolinhallen. Und die Expansion schreitet voran. Während die beiden 44-Jährigen am Flughafen auf ihren Flieger warten, stellen sie dem Abendblatt ihre Pläne vor – bei denen sie neue Wege gehen.

Ab in die dritte Dimension, heißt es im zweiten Jump House für Hamburg. Im August verkündete das Unternehmen, dass im Norden der Hansestadt ein neuer Standort geplant ist. Auf einer früheren Logistikfläche am Poppenbütteler Bogen sollen auf knapp 5000 Quadratmetern in zwei Hallen Trampoline aufgebaut werden. Nun äußerten sich die Gründer erstmals zu Details der Millioneninvestition.

Einmalig in Europa

„Wir werden die zwölf Meter Deckenhöhe ausnutzen und in die Luft gehen“, sagte Walz. Während die bisherigen Spiele wie Dodge­ball (eine Art Völkerball), Slam Jump (Springen mit Ball in der Hand auf einen Basketballkorb) oder der Satz in eine Schaumstoffkissengrube ebenerdig passieren, soll der Ninja-Parkour künftig über mehrere Ebenen führen. Bisher mussten Athleten beispielsweise über eine Art Schwebebalken laufen und sich an einen Boxsack klammern, der sie zum nächsten Hindernis befördert. Beim sogenannten Sky Ninja in Poppenbüttel müssen sie demnächst auch Hindernisse erklimmen und sich den Weg nach oben bahnen. „Das ist eine echte Innovation, die es bisher nirgendwo in Europa gibt“, sagt Ahmadi. Drei Attraktionen solle es in der Luft geben.

Wann die Kunden die neuen Angebote nutzen können, ist noch offen. Man sei in der finalen Abstimmung mit dem Bauamt. Spätestens Anfang Februar soll eröffnet werden. „Wir arbeiten sehr konstruktiv mit den Ämtern zusammen“, sagt Walz.

Aus Berlinplänen wird vorerst nichts

Bei einem weiteren Projekt machten die Behörden dem Unternehmen zumindest zunächst einen Strich durch die Rechnung. Im Berliner Stadtteil Zehlendorf wollte Jump House auf etwa 7500 Quadratmetern den „vermutlich größten Trampolinpark der Welt aufmachen“, hatte Ahmadi im August angekündigt. Das entspricht einer Fläche, die etwas größer als ein durchschnittliches Spielfeld in der Fußball-Bundesliga ist. Das Problem: Die angemieteten ehemaligen Logistikräume liegen in einem Industriegebiet, dessen Bebauungsplan mit dem Verwendungszweck Sport kollidiert. „Wir haben amtsseitig vorerst einen Stopp bekommen, weil das Amt die Flächen anders nutzen will“, sagte Walz. Zusammen mit dem Vermieter versuche man, die Lage noch zu drehen. Die für diesen Jahreswechsel geplante Eröffnung ist vorerst vom Tisch, per­spektivisch habe man den Standort aber weiterhin auf dem Zettel.

Springen im Shoppingcenter

Zunächst konzentriert sich das Unternehmen auf die Entwicklung eines neuen Projekts. Während bisher Tennis, Lager- und Logistikhallen sowie ein ehemaliger Baumarkt umgebaut wurden, zieht es das Jump House nun erstmals in ein Einkaufszentrum. In Bremen wurde ein „sehr langfristiger“ Mietvertrag im Shoppingcenter Waterfront abgeschlossen. Bekanntester Mieter ist die Textilkette Primark, die viele junge Menschen anzieht – im doppelten Sinne. „Wir suchen immer attraktive Flächen, die zu unserem Selbstverständnis als Premiumanbieter passen. Einkaufszentren sind Premiumflächen und unter anderem aufgrund der hohen Kundenfrequenz für uns sehr reizvoll“, sagt Ahmadi, der früher im Vorstand der Kinokette Cinemaxx saß.

Anziehungskraft in die gesamte Region

Waterfront könnte zu einem Pilotprojekt werden, weitere Einkaufszentren könnten folgen. Es ist übrigens ein Ort, an dem ein einstiges Prestigeprojekt sein Waterloo erlebte. Anfang 2004 wurde dort der Space Park eröffnet. Doch das Konzept, die Raumfahrt als Erlebnis anzubieten, floppte. Sieben Monate nach der Eröffnung wurde der Space Park im September 2004 wieder geschlossen. Von einer Investitionsruine war damals die Rede.

Vor gut zwei Jahren erwarb das Hamburger Unternehmen ECE, das zur Otto-Familie gehört, die Immobilie. Der jetzige Betreiber freue sich über das moderne Entertainmentkonzept Jump House, „welches Anziehungskraft in die gesamte Region entwickeln wird und eine Bereicherung für Bremen und unser Center ist“, sagt Center-Managerin Kirsten Jackenkroll. 120 Shops und Restaurants sind in dem 44.000 Qua­dratmeter großen Center untergebracht.

Das Jump House will gut 5000 Quadratmeter neben dem Multiplex Kino Cinespace mieten. „Es entsteht ein Entertainmentbereich im Shoppingcenter“, sagt Walz. Und Ahmadi ergänzt: „Es wird der erste riesige Trampolinpark Deutschlands in einem Einkaufszen­trum und unser größtes und spektakulärstes Projekt.“ Ähnlich wie in Poppenbüttel soll dabei die Deckenhöhe von bis zu 18 Metern ausgenutzt werden, sodass einige der acht bis zehn Aktionsbereiche auch über mehrere Ebenen gehen.

Zurzeit sei man in der Planungsphase und in der Abstimmung mit dem Bauamt. Für das nächste Jahr ist der Start der Bauarbeiten geplant. Einen Termin für die Eröffnung wollten die beiden Geschäftsführer, die 2016 mit dem Hamburger Gründerpreis ausgezeichnet wurden, nicht nennen.

Mehr Zeit fürs Gespräch haben sie auch nicht. Ahmadi und Walz müssen nämlich jetzt an Bord des Jets gehen – sie sind wie immer auf dem Sprung.