Abgas

Autobauer VW windet sich aus der wirtschaftlichen Krise

Darum haben Diesel-Autos zu Recht so ein schlechtes Image

Diesel-Autos: Sie sind echte Umweltsünder, denn sie sind für die Mehrheit der schädlichen Stickoxid-Emissionen verantwortlich.

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Trotz teurer Aufarbeitung des Dieselskandals erwirtschaftet VW einen Milliardengewinn. Doch es könnten weitere Strafzahlungen anstehen.

Berlin.  Dass Volkswagen aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt hat – daran will Matthias Müller erst gar keine Zweifel aufkommen lassen. Wie so oft in den vergangenen Monaten, räumte der Vorstandsvorsitzende auch in dieser Woche beim Autogipfel des „Handelsblatts“ in Sindelfingen ein: Kritik am Konzern sei berechtigt. Man trage die Konsequenzen für die Manipulationen von Millionen Dieselfahrzeugen. Von einem nicht endenden Gang nach Canossa aber will der Volkswagen-Chef offenbar nichts wissen: „Wir sollten uns nicht schlecht reden lassen.“ Es sei Zeit, zurück zu den Fakten zu kehren, betonte der Manager.

Tatsächlich zeigt der Blick auf die Fakten, dass sich der Wolfsburger Autokonzern offenbar besser aus der Diesel-Krise windet, als es viele Beobachter angenommen hatten. Zwar ist der Gewinn im dritten Quartal deutlich zurückgegangen, wie der Konzern am Freitag mitteilte. 1,14 Milliarden Euro stehen unterm Strich – das ist die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Schuld daran sind Milliardenkosten für den Rückruf von Diesel-Fahrzeugen und die Kosten für deren Nachrüstung.

Rendite von 1,5 auf 3,8 Prozent verdoppelt

Zieht man jedoch diese Sondereffekte ab, dann steigt das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 15,1 Prozent auf über vier Milliarden Euro. Von Juli bis September setzten die Wolfsburger 55 Milliarden Euro um – das sind fast sechs Prozent mehr als vor einem Jahr. Das ist auch erstaunlich, weil sich Diesel in Deutschland zuletzt schlecht verkauften. Vor allem der „Zukunftspakt“, den der Konzern nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals verabschiedete, scheint sich bemerkbar zu machen.

Nach Ansicht von Automobilexperten wirkt zudem eine Entscheidung, die schon mehr als drei Jahre zurückliegt: Die Umstellung auf die Baukastenstrategie. Dabei nutzt der Autobauer die gleichen Bauteile für Fahrzeuge unterschiedlicher Marken und Modelle. Das mache die Produktion einheitlicher und günstiger, die Ertragskraft steige, erklärt der Analyst Marc-René Tonn. Wohl auch deshalb konnte die lange schwächelnde Hauptmarke VW die Rendite von 1,5 Prozent vor einem Jahr auf nun 3,8 Prozent verdoppeln.

Volkswagen hat Antrag auf Kronzeugenregelung gestellt

„In den USA hat die Marke VW ihr tiefes Tal verlassen“, beobachtet zudem der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der wichtigste Markt China verzeichne ein respektables Wachstum und die Nutzfahrzeug-Sparte verkaufte mehr.

Hinzu kommen Erfolge bei den juristischen Auseinandersetzungen im Zuge des Diesel-Skandals. Am Freitag erst unterlag der Fischhändler Deutsche See dem Autokonzern vor dem Landgericht Braunschweig. Die Firma verlangte 11,9 Millionen Euro Schadensersatz – man habe die Flotte von knapp 500 Fahrzeugen auf VW-Fahrzeuge umgestellt, um sie umweltfreundlicher zu machen, hieß es. Volkswagen aber habe über die Schummelsoftware nicht aufgeklärt. Das Gericht jedoch sah darin keine Täuschung.

Dudenhöffer schätzt, dass die Aufarbeitung der Diesel-Affäre den Konzern 30 Milliarden Euro kosten wird. Bisher hat Volkswagen für die Wiedergutmachung 17,5 Milliarden Euro bezahlt. Ganz am Anfang steht der Konzern hingegen bei der Bewältigung der Kartellvorwürfe. Über Jahre hinweg sollen sich BMW, Daimler und VW mit seinen Töchtern Audi und Porsche in geheimen Zirkeln über ihre Autos und Zulieferer ausgetauscht haben. Noch ist nicht klar, was davon illegal war.

Am Freitag wurde bekannt, dass Volkswagen einen Antrag auf Kronzeugenregelung gestellt hat. Der Konzern kooperiere „vollumfänglich“ mit der EU-Kommission, hieß es. Dudenhöffer gibt auch bei diesem Skandal Entwarnung: „Weitere Strafzahlungen für mögliche Kartellabsprachen würden den Konzern nicht mehr aus der Bahn werfen.“