Bonn

Bundeskartellamt untersucht Vergleichsportale

Behörde prüft Objektivität. Studien hatten Schwächen der Anbieter offengelegt

Bonn.  Viele Verbraucher greifen vor einer Reisebuchung, dem Wechsel des Stromversorgers oder dem Abschluss einer Versicherung auf Preisvergleichsportale im Internet zurück. Doch die Zuverlässigkeit der Online-Entscheidungshilfen ist umstritten. Jetzt will das Bundeskartellamt die Objektivität der Vergleichsportale prüfen. Die Wettbewerbsbehörde kündigte am Dienstag an, sie habe eine „Sektoruntersuchung“ eingeleitet, um „mögliche Verstöße gegen verbraucherrechtliche Vorschriften aufklären und konkretisieren zu können“. Im Zentrum stehen Portale für Reisen, Energie, Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Telekommunikation. Die Behörde will bis Jahresende umfangreiche Fragebogen an zahlreiche Vergleichsportale versenden.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte, Millionen von Verbrauchern informierten sich täglich mithilfe von Vergleichsportalen im Netz. Dabei gehe es um Buchungen über hohe Beträge und weitreichende Vertragsabschlüsse. „Wir müssen sicherstellen, dass die Verbraucher sich dabei auf die Zuverlässigkeit, die Objektivität und die Transparenz der Portale verlassen können“, sagte der Chef der Wettbewerbsbehörde.

Es ist das erste Mal, dass das Kartellamt seine im Sommer durch eine Gesetzesnovelle erweiterten Kompetenzen im Verbraucherschutz einsetzt. Sie ermöglichen der Behörde, bei begründetem Verdacht auf gravierende Verstöße gegen verbraucherrechtliche Vorschriften Sektoruntersuchungen durchzuführen. Diese richten sich nicht gegen bestimmte Unternehmen, sondern sollen Praktiken in einem Wirtschaftszweig prüfen.

Verbraucherschützer hatten wiederholt auf Schwächen und mangelnde Objektivität vieler Vergleichsportale hingewiesen. Erst im Frühjahr kam der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) nach zwei Studien zu Versicherungen sowie Raten- und Konsumentenkrediten zu dem Ergebnis: „Verbraucher können keinesfalls sicher sein, dass sie in der Standardsortierung an erster Stelle das beste Ergebnis erhalten.“ Oftmals sei nicht einmal sichergestellt, dass die Verbraucher überhaupt für sie passende Produkte erhielten. Für die Nutzer sei oft kaum nachvollziehbar, wie die Plattformen zu ihren Empfehlungen kämen und welchen Einfluss Provisionszahlungen auf das Ranking hätten.