Pullach

Neue Spekulationen über Carsharing-Allianz

DriveNow und Car2go könnten verschmelzen. In Großstädten wie Hamburg ist das Autoteilen bei den Bewohnern beliebt

Pullach.  Gerade in Großstädten besitzen viele Menschen kein Auto mehr – sie mieten lieber eines für kurze Zeit. Carsharing gilt daher als Wachstumsfeld der Zukunft. Deutschlands Autovermieterkönig Erich Sixt nährt nun Gerüchte über ein großes Bündnis. Er befeuert die Erwartung einer nahenden Allianz von BMW und Daimler im Carsharing. Der Vorstandschef Erich Sixt der gleichnamigen Autovermietung deutete am Donnerstag an, dass es entsprechende Gespräche unter Einbindung seines Unternehmens gibt.

„Das ist nicht unser Verschulden“, antwortete Sixt bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten auf die Frage, warum es seit Monaten keine definitive Nachricht über ein Carsharing-Bündnis der zwei normalerweise rivalisierenden Autohersteller gibt. Seit Längerem kursieren unbestätigte Berichte, dass BMW und Daimler ihre jeweiligen Angebote Drive Now und Car2Go zusammenlegen könnten. An Drive Now ist Sixt zur Hälfte beteiligt.

Vor einem halben Jahr hatte der Firmenpatriarch noch erklärt, von einem solchen Deal nichts zu wissen. Dieses Mal sagte er lediglich: „kein Kommentar“ – und räumte ein, dass das eine andere Aussage als bisher sei. Eine BMW-Sprecherin wollte sich anschließend nicht dazu äußern. BMW überprüfe grundsätzlich strategische Optionen.

Autovermieter Sixt nannte die Beteiligung seines Unternehmens an Drive Now ein „Juwel“, betonte aber zugleich, dass Carsharing ein schwieriges Geschäft sei. Einen Markt dafür gebe es nur in Großstädten. In Hamburg ist die Nachfrage nach dem Angebot stetig steigend. Vor Kurzem meldete Car2go in der Metropolregion rund 150.000 registrierte Nutzer. Die Hansestadt hatte im Frühjahr mit Daimler und BMW separate Abkommen über eine Elektrifizierung ihrer Car­sharing-Flot­ten abgeschlossen. So sollen die Emissionen reduziert und soll die Luftqualität verbessert werden.

Unterdessen hat Sixt im ersten Halbjahr kräftig zugelegt. Der Nettogewinn stieg gemessen am Vorjahreszeitraum um unerwartet hohe 28 Prozent auf knapp 73 Millionen Euro. Sixt profitierte dabei indirekt von der schwierigen Lage im Tourismus in der Türkei, Ägypten und Tunesien. Der Autovermieter hatte darauf gesetzt, dass viele Touristen deshalb lieber nach Spanien, Frankreich und Italien reisen – was sich erfüllte. Auch in den USA liefen die Geschäfte gut, sodass die Auslandsumsätze in der Autovermietung um mehr als zwölf Prozent auf 453 Millionen Euro stiegen.