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Air Berlin stellt Insolvenzantrag – was Kunden wissen müssen

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Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin sind die Kunden verunsichert, ob ihre gebuchten Flüge noch stattfinden. Wichtige Antworten.

Berlin.  Schon länger kriselte die Fluggesellschaft Air Berlin, machte Schlagzeilen wegen stark verspäteter oder ausgefallener Flüge sowie Ärger mit dem Bodenpersonal. Jetzt hat Deutschlands zweitgrößte Airline Insolvenz angemeldet. Was bedeutet das für die Kunden? Wichtige Fragen und Antworten.

• Bleiben jetzt alle Flieger am Boden?

Nein. Die Airline versicherte am Dienstag auf ihrer Website, dass alle Flüge von Air Berlin und der Tochter-Gesellschaft Niki weiterhin stattfänden. Die Flugpläne sowie gebuchte Tickets behielten ihre Gültigkeit. Ein Überbrückungskredit der Bundesregierung und der Lufthansa solle helfen, den Flugbetrieb langfristig aufrechtzuerhalten.

Aufgrund des Insolvenzrechtes wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium am Dienstag gemeinsam mit. Der Kredit werde durch die staatliche Kfw-Bank gewährt und sichere den Betrieb in vollem Umfang.

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• Sollte man jetzt überhaupt noch Air-Berlin-Tickets kaufen?

„Jeder Verbraucher muss selbst entscheiden, ob er dieses Risiko eingehen will“, sagte Felix Methmann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen unserer Redaktion. Denn riskant sei es in jedem Fall, eine Geschäftsverbindung mit einem Unternehmen einzugehen, das von Insolvenz bedroht ist. Es könne aber Gründe geben, sich dennoch dafür zu entscheiden. „Wenn ich zum Beispiel Flugtickets für zehn Euro bekomme, ist das Risiko ja ein anderes als bei einer New-York-Reise für 1000 Euro.“

• Kann ich mein Ticket zurückgeben, weil mir die Lage zu unsicher ist?

Leider nein, sagt Methmann. „Verträge, die man eingegangen ist, sind auch zu halten.“ Das gelte in beide Richtungen. Wenn Air Berlin den Flugplan nicht einhalte und Flüge ausfallen, hätten Kunden einen Anspruch auf Erstattung. Zudem schreibe die EU-Fluggastrechteverordnung Ausgleichszahlungen vor. „Air Berlin muss das dann schnell und unbürokratisch lösen.“

• Werden weitere Kosten, etwa für Hotels oder Mietwagen erstattet, wenn mein Flug ausfällt?

Nur wenn diese als Teil einer Pauschalreise gebucht wurden. „Hat man alles einzeln gebucht, ist die Airline nur verpflichtet, den Flug zu erstatten“, so der Verbraucherschützer. Schließlich könne man eine Fluggesellschaft nicht dafür zahlen lassen, wenn die ausgefallene Reise zum Beispiel zu einem lukrativen Geschäftsabschluss hätte führen können, der einem dadurch entgangen ist. „Das gilt leider auch für die Kosten von Hotels und Mietwagen.“

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• Behalten Gutscheine ihre Gültigkeit?

Ja. Allerdings sollten Kunden versuchen, sie so schnell wie möglich einzulösen, empfiehlt Methmann. Denn sollte am Ende des Insolvenzverfahrens tatsächlich die Pleite stehen, sei es schwierig, überhaupt nur einen Teil der Kosten dafür erstattet zu bekommen.

Die Forderungen müssten die Kunden in die sogenannten Insolvenztabelle eintragen, so Methmann weiter. „Und erst mal werden die Ansprüche von Etihad und der großen Kreditgeber berücksichtigt.“ Selbst wenn Kunden eine Erstattung bekämen, dürfte es sich nur um einen Bruchteil handeln. „Von einem 100-Euro-Gutschein bekommen sie vielleicht zwei Prozent wieder.“

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• Tut der Gesetzgeber genug für den Fluggastschutz?

Anders als bei Pauschalreise-Anbietern ist bisher keine Versicherung für Fluggesellschaften gesetzlich vorgeschrieben, die vorab gezahlte Ticketeinnahmen abdeckt. Das monierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen bereits vor einigen Wochen.

„Dass es keine allgemeine Insolvenzschutzversicherung gibt, ist ärgerlich“, sagte Methmann. Es sei schließlich nicht neu, dass Air Berlin Probleme hat. Trotzdem seien Bundesregierung und EU untätig geblieben.

„Der Verbraucher muss in Vorleistung gehen. Die ganze Zeit ist das Geld schon weg und man hat noch gar nicht bekommen, wofür man bezahlt hat“, so Methmann. „Das ist eigentlich unüblich.“