Tech-Branche

Google feuert Mitarbeiter nach sexistischem "Manifest"

Hinter der gläsernen Fassade brodelt es: Der Hauptsitz von Google in Mountain View, Kalifornien.

Foto: Marcio Jose Sanchez / dpa

Hinter der gläsernen Fassade brodelt es: Der Hauptsitz von Google in Mountain View, Kalifornien.

Ein Entwickler sorgt für Empörung, weil er Frauen für nicht führungs-geeignet hält. Nach heftigen Debatten kündigt Google dem Mann.

Mountain View.  Ein Google-Entwickler, der in einem internen Papier die Ansicht vertrat, Frauen seien biologisch weniger für Erfolg in der Tech-Industrie geeignet, ist von dem Internet-Konzern gefeuert worden. Er bestätigte seine Entlassung US-Medien und drohte mit einer Klage. Google-Chef Sundar Pichai unterbrach seinen Urlaub, nachdem das zehnseitige "Manifest" des Mitarbeiters heftige Debatten in dem Unternehmen auslöste.

Der Mitarbeiter hatte die Google-Führung in eine schwierige Situation gebracht: Er beklagte auch, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, eine abweichende Meinung offen zu vertreten. Während sich laut Medienberichten viele Mitarbeiter in internen Foren empört bis fassungslos äußerten und den Text als Ansammlung sexistischer Stereotypen kritisierten, bekam der Autor auch Zuspruch in Teilen der Belegschaft, weil er mit seinem Vorstoß Mut bewiesen habe.

"Beleidigend und nicht okay"

Pichai schickte am späten Montag eine E-Mail an die Mitarbeiter, die von Google später auch veröffentlicht wurde. Teile des Textes hätten gegen interne Verhaltensregeln verstoßen und mit der Verbreitung schädlicher Stereotypen über Geschlechter eine Linie überschritten, schrieb der Google-Chef. Zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten, sei "beleidigend und nicht okay".

Zugleich schränkte Pichai ein, dass es ebenfalls "nicht okay" sei, wenn Mitarbeiter zweifelten, ob sie ihre Ansichten am Arbeitsplatz frei äußern könnten - insbesondere wenn sie von der Meinung der Mehrheit abweichen. Er äußerte sich nicht direkt dazu, ob der Mitarbeiter seinen Job verlor. Gleichzeitig schrieb Pichai, über "vieles" in dem Text könne diskutiert werden, "unabhängig davon, ob eine große Mehrheit der Google-Mitarbeiter anderer Meinung ist".

Frauen seien weniger widerstandsfähig

Der Autor des am Wochenende veröffentlichten "Manifests" hatte unter anderem geschrieben, Frauen seien weniger widerstandsfähig gegenüber Stress als Männer und schafften es auch deshalb so selten in Führungspositionen in der Tech-Industrie. Frauen seien von ihrer Veranlagung her offener gegenüber Gefühlen und Emotionen als Ideen. Versuche, mehr Frauen in Führungspositionen in der Branche zu bringen, seien daher ein Fehler – das dürfe man bei Google aber nicht laut sagen.

"Googles linke Vorurteile haben eine politisch korrekte Monokultur geschaffen, die dadurch gefestigt wird, dass Andersdenkende durch Schämen zum Schweigen gebracht werden", schrieb der Software-Entwickler. Er erklärte der "New York Times" und dem "Wall Street Journal" er habe bei einer Arbeitsbehörde Beschwerde gegen die Behandlung seiner Ansichten durch Google eingelegt und prüfe ein rechtliches Vorgehen gegen seine Kündigung.

Breitbart springt dem Autor bei

Seine Argumente wurden auch von ultrakonservativen US-Medien aufgegriffen, die Technologie-Firmen sowieso oft eine zu linke ideologische Ausrichtung vorhalten. So schrieb die Website Breitbart, die Reaktion sei typisch für die liberale "Hexenjagd" in der Branche, vereinzelt wurde in den Kreisen zu einem Google-Boykott aufgerufen. Wikileaks-Gründer Julian Assange bot dem gefeuerten Entwickler einen Job bei der Enthüllungsplattform an.

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Frauen sind in der Tech-Industrie trotz Gleichstellungs-Anstrengungen der Unternehmen in der Minderheit, insbesondere in Bereichen wie Software-Entwicklung. In den vergangenen Monaten wurden immer offener über ein frauenfeindliches Klima in der Branche gesprochen. Eine tiefgreifende Untersuchung nach Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung beim Fahrdienst-Vermittler Uber fand schwere Defizite. Mehrere Start-up-Investoren mussten sich zurückziehen, nachdem ihr unethisches Verhalten gegenüber Firmengründerinnen bekannt wurde. (dpa)

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