Stuttgart/Hamburg

Pilotabschluss: 4,3 Prozent mehr Lohn im Handel

Stuttgart/Hamburg. Es ist geschafft: Nach mehreren Verhandlungsrunden und umfangreichen Warnstreiks gibt es den bundesweit ersten Tarif­abschluss im Einzelhandel. Den Pilot­abschluss schafften die Tarifpartner in Baden-Württemberg – er dürfte richtungsweisend für alle anderen Regionen bundesweit sein – auch für Hamburg. Arbeitgeber und Gewerkschaft einigten sich in Korntal-Münchingen (Landkreis Ludwigsburg) auf eine Erhöhung in zwei Stufen bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von 24 Monaten. Die Beschäftigten sollen rückwirkend zum 1. Juni 2,3 Prozent mehr Geld bekommen, zum 1. April 2018 dann weitere 2,0 Prozent. Außerdem wurde eine Einmalzahlung von 50 Euro ausgehandelt.

In der Branche arbeiten bundesweit etwa drei Millionen Menschen, in Hamburg sind es etwa 70.000. Die nächste Tarifverhandlung für die Hansestadt findet am 11. September statt. Noch liegen die Vorstellungen der Tarifpartner hier weit auseinander. Ver.di verlangt für alle Beschäftigten einen Euro mehr pro Stunde sowie 100 Euro zusätzlich für Auszubildende. Mit dieser Forderung will die Gewerkschaft vor allem für die Beschäftigten in den unteren Gehaltsgruppen eine prozentual überproportionale Erhöhung erreichen. Die Arbeit­geber haben bisher eine Anhebung der Löhne und Ausbildungsvergütungen um zwei Prozent für 2017 (nach zwei Nullmonaten) und weitere 1,8 Prozent für das kommende Jahr angeboten.

Ob der Abschluss in Baden-Württemberg eins zu eins auf alle anderen Regionen bundesweit übertragen wird, bleibt abzuwarten. Zumindest in Nordrhein-Westfalen gingen die Warnstreiks in der Branche am Freitag weiter. Man werde den Druck in den Geschäften so lange aufrechterhalten, bis man einen eigenen Abschluss habe, sagte Ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer in Düsseldorf. Zuvor hatte die Gewerkschaft Einzelhandelsbeschäftigte in Hagen, Menden und Witten zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.