Hamburg

In Rotterdams Hafen stauen sich die Container

Deutsche Binnenschiffer und Spediteure beklagen massive Verzögerungen bei Abfertigung – auch in Antwerpen

Hamburgs Hafenunternehmen rechnen am heutigen Freitag mit erheblichen Einschränkungen beim Umschlag von Waren. Denn mehrere Demonstrationszüge wollen aus Protest gegen den G20-Gipfel neuralgische Straßen im Hafen lahmlegen, darunter die Köhlbrandbrücke. Spediteure und Transportunternehmen rechnen mit langen Wartezeiten bei der Abfertigung der Ladung. Und dennoch werden die meisten Betroffenen die Verzögerungen ohne Murren hinnehmen. Es könnte nämlich viel schlimmer kommen – wie derzeit in den Häfen Rotterdam und Antwerpen. Was dem Hamburger Hafen nur einen Tag lang droht, ist dort nämlich seit Monaten Realität.

Bereits Anfang der Woche schlug der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) Alarm: "Die Containerabfertigung in den Seehäfen Rotterdam und Antwerpen gerät zunehmend zum Desaster", warnte der Verband. Bereits seit Ende Mai kämen die Terminals mit der Abfertigung nicht mehr hinterher. Die Folge seien massive zeitliche Verzögerungen. "Binnenschiffe werden an den Containerterminals nur noch mit mehrtägiger Verspätung abgefertigt. Verbindliche Abfertigungstermine gibt es nicht mehr; die Wartezeiten zum Laden beziehungsweise Löschen der Fracht betragen im Hafen Antwerpen bis zu 96 Stunden. In Rotterdam sind es sogar bis zu 120 Stunden", heißt es in einer Verbandsmitteilung. Das Problem ist offenbar so massiv, dass jetzt auch die Logistik-Tochter der Deutschen Bahn, DB Schenker, ihre Kunden in einer Eilmeldung informiert hat. Aufgrund der aktuellen Schwierigkeiten beim Containerumschlag in den Seehäfen sei mit Beeinträchtigungen bei der Abnahme beziehungsweise Rücklieferung von Containern zu rechnen, heißt es in dem Rundschreiben.

Die Häfen räumen die Probleme ein. Auch die Nachwirkungen einer Cyber-Attacke auf zwei Terminals hätten zu den Verzögerungen beigetragen, heißt es aus Rotterdam. Vor allem aber die enorm gewachsenen Umschlagmengen sowie die Umstellungen in den Fahrplänen der Reedereien seien für das Problem verantwortlich.

Letzteres kennt der Hamburger Hafen auch. Dennoch melden die Binnenschiffer hier keine Probleme: "Das liegt daran, dass vor allem Container von der Verzögerung betroffen sind, und die werden in Hamburg kaum per Binnenschiff weitertransportiert", sagt Julia Dettmer, Gesellschafterin der Dettmer Reederei. "Bei uns werden zwei bis drei Prozent der ankommenden Seecontainer auf das Binnenschiff umgeladen, in Rotterdam sind es 30 Prozent. Da haben solche Stockungen ganz andere Auswirkungen", sagt Bengt van Beuningen von der Marketinggesellschaft des Hamburger Hafens.

"Die deutschen Containerterminals fertigen ihre Schiffe gewohnt zuverlässig und mit hoher Servicequalität ab", meint auch der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Die Probleme in Rotterdam und Antwerpen würden aber die Bedeutung der deutschen Seehäfen unterstreichen.

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