Hannover

Überlastete Pfleger wechseln freiwillig in Leiharbeit

Hannover. Immer mehr Krankenpfleger wechseln von ihrer Festanstellung in die Leiharbeit, weil sie sich als feste Kräfte überlastet fühlen. Das berichten „NDR 1 Niedersachsen“ und „Hallo Niedersachsen“. Demnach nutzen die Kräfte den Weg in die Leiharbeit, weil sie sich so besser vor Mehrarbeit geschützt sehen.

So berichtet der NDR von einem Krankenpfleger, der seine unbefristete Festanstellung bei Niedersachsens größter Klinik, der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), aufgeben hat. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung in der Festanstellung arbeitet er nun als Krankenpfleger für eine Leiharbeitsfirma an gleicher Stelle. Als Pflege-Leiharbeiter muss er nun keine Nachtdienste mehr machen, arbeitet nur noch einmal im Monat am Wochenende und bekommt dafür in etwa das gleiche Gehalt wie als Festangestellter.

Brigitte Horn von der Gewerkschaft Ver.di in Hannover beobachtet diese Entwicklung bereits seit einigen Monaten. Sie spricht sogar von einem Trend und einem neuen Phänomen in der Krankenpflege. Die Kliniken seien mittlerweile in der Pflege auf Leiharbeiter angewiesen, sagt Helge Engelke, Direktor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. Wegen des Mangels an Pflegekräften müssten Klinikchefs Pflege-Leiharbeiter einsetzen, um die Rund-um-die-Uhr-Versorgung gewährleisten zu können, räumt der Verbandsdirektor ein. Diesen Trend bemerkt auch eine Leiharbeitsfirma, die Pflegekräfte ausleiht: Derzeit steige die Zahl der vermittelten medizinischen Fachkräfte jährlich um 15 Prozent, sagt Thomas Pietruschinski, Geschäftsführer von Pluss Personalmanagement in Hannover, 80 Prozent der Bewerber haben zuvor fest angestellt in einer Klinik gearbeitet, so eine Disponentin. Niedersachsens Gewerbeaufsichtsämter haben 2016 und 2017 bei Stichproben in 19 Krankenhäusern mehr als 150 Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz festgestellt.