Ungewöhnliche Berufe

Mit diesen Exoten-Jobs können Sie wirklich Geld verdienen

Berufsjäger Ulf Muuß sorgt am Flughafen Köln-Bonn dafür, dass kein Federvieh mit Flugzeugen zusammenprallt

Berufsjäger Ulf Muuß sorgt am Flughafen Köln-Bonn dafür, dass kein Federvieh mit Flugzeugen zusammenprallt

Foto: Edgar Schoepal / dpa-tmn

Von Vogelscheuche bis Alibi-Profi: Es gibt ungewöhnliche Berufe, die kaum jemand kennt und die nicht sonderlich verbreitet sind.

Bäcker, Kaufmann, Lehrer – solche Berufe sind jedem bekannt. Doch es gibt eine Menge Jobs, die weitaus ausgefallener sind. Einige von ihnen sind sehr speziell, und im Grunde ist das Angebot von einem Menschen selbst erdacht. Andere Berufe sind zwar eher unbekannt, jedoch erfüllen sie wichtige Aufgaben. Ein Überblick.

Der Bird Controller

Er ist quasi eine lebende Vogelscheuche: Ulf Muuß wird dafür bezahlt, dass er Vögel von Flugzeugen fernhält. Er arbeitet am Flughafen Köln-Bonn und ist dort einer von drei Bird Controllern – auf Deutsch: Fachkraft für biologische Flugsicherheit. Muuß soll Vogelschläge verhindern. Das bedeutet, dass Flugtier und Flugzeug zusammenprallen oder Vögel in die Triebwerke gelangen – wodurch Flugzeuge abstürzen können. „Viele denken, dass ich mit der Pistole an der Bahn stehe und wild rumknalle, um die Vögel zu verscheuchen.“

Damit die Tiere erst gar nicht so nah ans Rollfeld kommen, versucht der Bird Controller, vor allem präventiv zu arbeiten. Sprich: Er sorgt dafür, dass der Flughafen so unattraktiv wie möglich für Vögel ist. „Alles, was für die Tiere Nahrung darstellen könnte oder diese produziert, muss vom Flughafengelände verschwinden“, erklärt der Berufsjäger. Gefährlich für die Maschinen seien vor allem große Flugtiere wie Enten, Gänse, Kormorane oder Greifvögel wie Bussarde und Falken.

Der Alibi-Profi

Lügen – das ist der Job von Stefan Eiben. Mit seiner Agentur verschafft er auf Bestellung Alibis. Dafür lässt er sich allerlei Ausreden einfallen. Seine Kunden sind Arbeitslose, die sich für ihre Situation vor anderen Menschen schämen, Berufstätige, die Krankheiten geheim halten möchten, oder Hausfrauen, die eine Affäre verbergen wollen. Die Herausforderung? „Die Ausreden müssen glaubhaft sein, damit es funktioniert“, sagt Eiben. Für Hausfrauen müsse man sich etwas anderes überlegen als für einen Außendienstmitarbeiter.

Die Trickkiste des Profis ist tief. Im Angebot hat er eine Reihe von Schauspielern, die alle möglichen Rollen und Dialekte beherrschen: vom fingierten besten Freund bis zur falschen Oma Hildegard. Doch am meisten nachgefragt werden Einladungsschreiben zu Wochenendseminaren, Hochzeitseinladungen oder vorgetäuschte dringende Telefonate, berichtet Eiben. Eben gut belegbare Ausreden. „Deshalb besteht der Job auch meist aus normaler Büroarbeit“, sagt der Alibi-Macher, der auch einen Service anbietet, bei dem er für einen Kunden eine Beziehung beendet.

Moralische Bedenken habe er bei seinem Job keine. „Ich maße mir nicht an, mir irgendwelche Urteile zu bilden.“ Toleranz sei eine wichtige Voraussetzung, wenn man sich für den Beruf interessiert. Improvisationstalent und Einfühlungsvermögen seien auch wichtig.

Der IT-Forensiker

Er ist der Sherlock Holmes des Cyberspace. In den Weiten des World Wide Web sucht der IT-Forensiker nach Spuren. Denn egal, ob Wirtschaftskriminalität, Betrug oder Mord: Auch Verbrecher hinterlassen Spuren im Netz. Die Informatiker mit detektivischem Gespür beginnen dann, Daten zu sichern. Sie werten Festplatten und Logdateien aus, um den Täter zu finden. Dabei arbeiten sie eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen.

Der Job wird in einer digitalisierten Welt immer wichtiger. Inzwischen gibt es Studienangebote wie den Master Digitale Forensik der Hochschule Albstadt-Sigmaringen (www.has-albsig.de). Voraussetzung ist mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einem einschlägigen Fachgebiet wie Informatik oder polizeilicher Strafverfolgung. IT-Forensiker brauchen Kenntnisse in Jura. Denn die Ergebnisse der digitalen Spurenjagd müssen vor Gericht Bestand haben.

Auch das Fernstudiumzentrum Wings der Hochschule Wismar bietet den berufsbegleitenden Master-Fernstudiengang IT-Sicherheit und Forensik an. Er kann zum Wintersemester gestartet werden, die Einschreibefrist für das kommende Wintersemester ist der 31. August 2017 (www.wings.hs-wismar.de)

Der Ocularist

Ocularisten fertigen Augenprothesen an, die nicht von natürlichen Augen zu unterscheiden sind. Es ist vor allem ein handwerklicher Beruf. Jedes Glasauge wird individuell an den Patienten angepasst und extra hergestellt.

Zuerst ermitteln die Augenprothetiker mithilfe von Abdrucken die Form und Größe der Augenhöhle. Aus einem Glasrohling wird dann über einer Flamme die Prothese geformt. Die Farbe der Iris oder kleine Äderchen werden aufgeschmolzen – alles mit eingefärbten Glasfäden. Für diese Präzisionsarbeit müssen Ocularisten eine sechsjährige Ausbildung absolvieren. Neben handwerklichem Geschick sind natürlich auch der Umgang mit Menschen und viel Fingerspitzengefühl wichtig.

Der Profi-Kuschler

Rückenkraulen, Streicheln, Wärme spenden – Elisa Meyer hat das Kuscheln zum Beruf gemacht. Sie bietet Schmuseeinheiten für Bares. Bei ihr kann man Umarmungen und Zärtlichkeiten buchen. Die Idee kommt aus den USA: „Ich habe mich sofort in den Gedanken verliebt, dass ich das tun könnte.“

Die Kunden, die zu ihr und ihre Kollegen des Kuschel-Profi-Netzwerks kommen, seien vor allem Alleinerziehende oder Langzeitsingles. „Prinzipiell lehnen wir niemanden ab. Wir sind davon überzeugt, dass jeder Mensch das Recht hat, gekuschelt zu werden – egal wie er aussieht oder welche Ansichten er hat“, sagt Meyer. Das Wichtigste sei, dass jeder sich an die Regeln hält. Denn die Kuschelei habe nichts mit Sex zu tun. „Wenn ich merke, das geht zu weit, dann breche ich die Sitzung ab“, sagt Meyer. Die Regeln gebe es vorab schriftlich. Berührungen in der Bikinizone etwa seien tabu. 60 Euro kostet eine Stunde in den Armen eines Profi-Kuschlers.