Autofinanzierung

Mehrheit der Deutschen kauft den Neuwagen auf Pump

Verkaufssituation in einem Autohaus: Die Mehrheit der Deutschen kauft ihren Wagen auf Pump.

Verkaufssituation in einem Autohaus: Die Mehrheit der Deutschen kauft ihren Wagen auf Pump.

Foto: Tobias Hase / dpa-tmn

Die Hausbanken der Autohersteller finanzieren inzwischen jeden zweiten Neuwagen. Immer mehr Privatleute setzen außerdem auf Leasing.

FRANKFURT/MAIN.  Im Sommer ein Ca­brio fahren und im Rest des Jahres einen SUV. Bei längeren Fahrten per App eine Massagefunktion im Autositz freischalten oder den Motor vorübergehend mit mehr PS verstärken. Mit solchen flexiblen Leasingverträgen und Möglichkeiten der Digitalisierung würden die Banken der großen Autokonzerne künftig gern neue Kunden gewinnen. Noch seien dies Zukunftsvisionen – doch tatsächlich lägen sie gar nicht in so weiter Ferne, sagt Anthony Bandmann, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Bank.

Die Banken der Automobilwirtschaft (BDA) werden in Deutschland zu einem immer größeren Finanzier der Autofahrer. Nicht nur Firmen und Geschäftsleute, sondern auch zunehmend Privatleute nutzen ihre Dienste. Gut jeder zweite Neuwagen, der hierzulande zugelassen ist, wird durch eine Herstellerbank mitfinanziert. 2016 waren es 1,54 Millionen Fahrzeuge der insgesamt 3,35 Millionen Neuzulassungen.

Der Trend geht zum Leasing

Nur jeder vierte Neuwagen in Deutschland wird unterdessen bar bezahlt, der Rest wird von markenunabhängigen Geldhäusern finanziert. Bei den Herstellerbanken summierte sich dies im vergangenen Jahr auf einen Wert von knapp 41,5 Milliarden Euro für Neufahrzeuge – neun Prozent mehr als 2015, zog der Verband am Mittwoch Bilanz. Die wesentliche Stütze des Geschäfts bilden die Gewerbekunden mit einem Umsatzvolumen von gut 25 Milliarden Euro. Der Großteil ihres Fuhrparks – insgesamt vier Fünftel – ist geleast.

Erstmals seit Jahren haben auch private Kunden wieder verstärkt Autos gekauft. Dabei folgen auch sie dem langjährigen Trend der Geschäftsleute zum Leasen – inzwischen least auch jeder zweite Privatkunde sein Auto. Insgesamt haben die Herstellerbanken jetzt Autos im Wert von 113 Milliarden Euro unter Vertrag. Unterschiede nach Marken seien nicht auszumachen, sagt BDA-Geschäftsführer Peter Renkel.

Weniger Interesse an Dieselfahrzeug

Die Herstellerbanken wollen sich künftig noch stärker auf die Finanzierung von Gebrauchtwagen fokussieren – diese machten 2016 ein Volumen von gut zehn Milliarden Euro aus. Kfz-, Garantie- und Reparaturversicherungen gehörten ohnehin schon zum Angebotsspektrum, neue Möglichkeiten wären auch die Reservierung von Parkplätzen in der Innenstadt oder die Möglichkeit, dort auch andere Verkehrsdienstleister nutzen zu können.

Trotz seiner deutlich größeren Luftverschmutzung als angegeben lasse das Interesse der Kunden an Diesel unterdessen noch nicht nach, so die Herstellerbanken. Der Dieselanteil unter den Neufahrzeugen liege weiter bei etwa der Hälfte. Sorgen, der Diesel-Skandal könne sich auf ihr Geschäft auswirken, haben die Branchenvertreter noch nicht. Erhebungen von Branchenexperten wie Schwacke ließen auch noch keine sinkenden Restwerte beim Verkauf gebrauchter Fahrzeuge erkennen.

Stiftung Warentest warnt vor mangelhaften Kreditverträgen

Auch ein anderes Thema sorgt die Branche angeblich nicht: Stiftung Warentest hatte von mangelhaft formulierten Kreditverträgen berichtet, die nach dem 13. Juni 2014 abgeschlossen worden waren. Betroffene Verbraucher könnten deshalb ihre Verträge widerrufen, die Bank müsse die gezahlten Raten zurückerstatten, wenn der Kunde das Auto zurückgeben wolle.

Eine Umfrage unter den Mitgliedsbanken zu diesem Thema habe ergeben, dass diese mit wenigen Ausnahmen die vom Gesetzgeber vorgeschlagenen Formulierungen verwendeten, sagte BDA-Geschäftsführer Renkel. Bisher sei nur eine Klage zugelassen worden. Deren Ausgang wolle man abwarten. Andere Verfahren seien von den jeweiligen Gerichten abgelehnt, die Klage nicht zugelassen worden, sagt Renkel. Würde der Klage auf Widerruf stattgegeben, könnte dies, so vermuten Experten, eine Welle von Rückgaben zur Folge haben, vor allem von Dieselautos.