Hamburg

Neuer Chef für Beate Uhse

Anhaltende Verluste, Imageprobleme – der Erotik-Händler muss kämpfen

Hamburg. Der Handelsmanager Michael Specht wird neuer Chef des Erotik-Händlers Beate Uhse. Der Aufsichtsrat habe Specht zum 15. April auf die freie Position des Vorstandsvorsitzenden berufen, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Der Betriebswirt folgt auf Nathal van Rijn, der nur wenige Monate an der Spitze des Erotikhändlers gestanden und das Unternehmen im Januar verlassen hatte. Specht arbeitete zuvor unter anderem für Foot Locker Germany, The North Face, L’TUR und Starbucks.

Ein Vorstandsposten bei Beate
Uhse war in den vergangenen Jahren ein Schleudersitz. Das Unternehmen kämpft trotz der hohen Bekanntheit seiner Marke mit Imageproblemen, rückläufigen Umsätzen und anhaltenden Verlusten. Für die ersten neun Monate des Jahres 2016 wies Beate Uhse einen Umsatz von 77,8 Millionen Euro und einen Verlust vor Steuern von 4,85 Millionen Euro aus. Die Veröffentlichung der Jahreszahlen für 2016, die für diesen Donnerstag vorgesehen war, werde wegen des Wechsels im Vorstand auf Mai verschoben, hieß es in der Mitteilung.

Beate Uhse kämpft vor allem mit Altlasten der Vergangenheit. Gründerin Beate Rotermund-Uhse, die 1962 den ersten Sexshop in Deutschland eröffnete, war die Pionierin der Branche. Sie machte Beate Uhse zu einer der bekanntesten Marken. Doch viele Kunden verbinden mit dem Unternehmen immer noch ein leicht angeschmuddeltes Image von Rotlicht, Porno und Bahnhofskino. Zwar versucht das Unternehmen schon seit Langem, Frauen und junge Paare als Kunden zu gewinnen. Das Sortiment wurde geändert, das Logo feminisiert und der Katalog eingestellt. Doch das verschwindende Geschäft mit Sexfilmen auf Video-Kassette oder DVD, längst gratis verfügbar im Internet, konnte nicht ersetzt werden.

„Das Ruder wurde zu spät in Richtung E-Commerce herumgeworfen“, sagt ein Kenner der Branche. Ein Großteil des einschlägigen Sortiments werde heute über die Handelsplattform Amazon verkauft. So ist das Unternehmen heute weniger als 17 Millionen Euro wert. Wenn die Ertragssituation sich nicht bessert, hat Beate Uhse bald kein Geld mehr in der Kasse. Dann sind die Eigentümer gefragt, vor allem die schleswig-holsteinischen Sparkassen und der niederländische Unternehmer Gerard Cok. Sie werden letztlich entscheiden, ob die Lichter bei Beate Uhse bald ausgehen oder das Unternehmen eine neue Chance bekommt.