ZDF-Doku

Bei Nelson Müllers Test schlagen No-Name-Produkte die Marken

Marke oder No-Name? Nelson Müller testet für das ZDF Sushi, Champagner, Pralinen vom Discounter.

Marke oder No-Name? Nelson Müller testet für das ZDF Sushi, Champagner, Pralinen vom Discounter.

Foto: Willy Weber / ZDF und Willy Weber

Sternekoch Nelson Müller testet fürs ZDF, ob No-Name-Produkte der Discounter mit Markenware mithalten können. Das Ergebnis überrascht.

Berlin.  In einer ZDF-Dokumentation testet und kostet sich Sternekoch Nelson Müller durch die deutschen Supermarktregale. Er testet Sushi, Schampus und Schinken und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: in einigen Kategorien können billige No-Name-Produkte aus Discountern mit teuren Markenvarianten mithalten. Doch der Kunde muss offensichtlich auch Abstriche machen.

Das ZDF hat in seiner Doku-Reihe „ZDF Zeit“ Supermarktprodukte einem zweiten Marken-Check unterzogen. Getestet wurden edle Eigenmarken der Supermärkte sowie Markenprodukte und Erzeugnisse aus Feinkostläden. Dabei ging es um die fünf folgenden Bewertungskriterien: Geschmack, Transparenz, Fairness und Qualität.

• Geschmack

Lässt sich wirklich am Geschmack zwischen einem Discount-Champagner und einem teuren Marken-Pendant unterscheiden? Nelson Müller hat es im Rahmen eines Kaffee-Kränzchens getestet. Mit vier älteren Damen nahm sich der Koch Wein-Pralinen von Aldi und Mon Chéri vor. Bei diesem Test bricht Nelson Müller das starre Korsett strenger Testsendungen auf. Es wird gelacht, gekleckert und geurteilt. Am Ende gewinnt das Markenprodukt zwar, doch es folgt noch ein weiterer Test.

Dieser Test findet unter wissenschaftlichen Bedingungen an einem Institut in Stuttgart statt. Im Gegensatz zum Kaffekränzchen gewinnen hier aber der billige Parmesan (Netto), der Parmaschinken (Aldi) und der Kaffee (Rewe) gegen Markenprodukte. Ein günstiger Champagner (Lidl) liegt gleichauf mit dem teuren Moët & Chandon. In diesem Test liegen die billigen Produkte also vorne.

• Transparenz

Die Doku „No-Name oder Marke?“ fragt auch danach, ob in angeblich edlen Produkten auch das drin ist, was Verpackung und Etikett versprechen. Ohne zu viel zu verraten: Sowohl Marken- wie auch Discounterprodukte sind erfinderisch darin, ihre Produkte edel wirken zu lassen. Dass diese Produkte aber oft aus simplen Produkten bestehen, zeigt Lebensmitteltechniker Sebastian Lege. Aus einem Tetra-Pak-Wein und Farbstoff zaubert er einen falschen Rosé-Wein. Einmal durch den Sodastream gejagt, wird daraus sogar noch eine eigentümliche Variante eines Rosé-Schaumweins.

Das hat nichts mit echtem Prosecco oder gar Champagner zu tun, schmeckt aber laut ZDF nicht schlecht. Ob der Kunde jedoch immer weiß, wie sein Schaumwein hergestellt wurde, ist zweifelhaft. Die Transparenz ist dementsprechend nicht immer gegeben.

• Fairness

Für Sternekoch Nelson Müller ist klar: Luxus darf zwar kosten, aber gerade bei Lebensmitteln sollten die Produzenten auch davon profitieren. Doch vor allem Skandale in der Tierhaltung haben dazu geführt, dass die Lebensmittelbranche unter Beobachtung steht. Durch Defizite in der Fleisch- und Milchproduktion steht es um die Fairness sowohl bei Marken wie bei No-Name-Produkten nicht gut.

• Qualität

Wer teure Lebensmittel kauft, erwartet auch eine gewisse Qualität – vor allem, weil viele Luxuslebensmittel leicht verderblich sind und nur frisch zu genießen sind. Ein Beispiel dafür ist Sushi. Die mit Fisch, Reis und Gemüse zubereiteten Röllchen werden mittlerweile auch bei Rewe, Lidl, Edeka, Nordsee oder Penny angeboten. Der Sushi-Meister Toshio Kobatake aus München testet die Supermarkt-Ware. Das Urteil des Meisters ist vernichtend: Nur das Sushi von Rewe genügt seinen Standards. Es sei das einzige, das von Hand gerollt sei. Alle anderen enthalten entweder untypische Zutaten wie Mayonnaise oder Paprika. Oder seien zu trocken. Kurz gesagt: Die Qualität von angeblich edlen Lebensmitteln in Supermärkten könnte besser sein.

• Fazit

Fragen von Qualität und Transparenz müssen nicht nur auf die Lebensmittel, sondern auch auf die ZDF-Doku mit Nelson Müller selbst angewandt werden. Das größte Plus der Sendung ist, dass Müller launig und mit Fachwissen über Lebensmittel spricht ohne in einen oberlehrerhaften erzieherischen Ton zu verfallen.

Doch es gibt auch zahlreiche Kritikpunkte. Um vergleichbare Ergebnisse liefern zu können, müssten eigentlich alle Lebensmittel nach allen fünf Kategorien getestet werden. Nur dann wäre auch ein aussagekräftiges Endergebnis möglich. Aber das ZDF macht es immer noch besser als die ARD. Die hatte sich für ihre Marken-Checks in jeder Folge neue Kategorien einfallen lassen. Das ZDF dagegen bleibt nun auch in der zweiten Folge zum Thema No-Name-Produkte bei seinen Kriterien.

Sehen Sie die ZDF-Dokumentation „No-Name oder Marke?“ hier in der Mediathek oder ab 20.15 Uhr am 21. März im Fernsehen.