Essen

Forscher: Reales Lohnplus wird künftig schwächer

Essen.  Die Bundesbürger müssen sich in den nächsten Jahren nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI auf geringere Reallohnzuwächse einstellen. „Die Realeinkommen der privaten Haushalte werden wegen der höheren Inflation wohl nicht mehr so stark steigen und damit auch der private Konsum nicht“, sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn am Mittwoch bei der Präsentation der Konjunkturprognose für 2017. Lag die Inflationsrate 2016 noch bei 0,5 Prozent, rechnen die Wirtschaftsforscher für dieses Jahr mit einer Rate von 1,9 Prozent und für 2018 von 1,7 Prozent. Steigen die Verbraucherpreise, bleibt Bürgern weniger von ihren Einkommen übrig.

Hinsichtlich der Konjunktur sind die Forscher optimistisch. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hob seine Schätzung für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr von 1,2 auf 1,3 Prozent an, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) von 1,2 auf 1,4 Prozent. Für nächstes Jahr gehen die Forscher dann von einem höheren Tempo aus: Das Berliner DIW erwartet plus 1,7 Prozent, die Essener Kollegen erwarten ein Plus von 1,8 Prozent. Das IWH aus Halle rechnet mit 1,6 Prozent Wachstum. Alle drei Institute erwarten in beiden Jahren insgesamt rund eine Million neue Jobs. „Der Beschäftigungsboom in Deutschland wird sich in diesem Jahr fortsetzen“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Das schiebe den privaten Konsum an, der eine wesentliche Stütze des Aufschwungs bleibe.

Die Forscher warnen zudem vor steigenden Risiken. „Der in vielen Ländern wachsende Protektionismus stellt das deutsche Geschäftsmodell einer exportstarken Wirtschaft mit einem vergleichsweise bedeutsamen Industriesektor infrage“, so das RWI.