Autoindustrie

Umparken bei Opel: Autobauer wird wohl an Peugeot verkauft

Zum 100. Geburtstag des Autobaus im Jahr 1999 stellte Opel Klassiker des Unternehmens zum Firmenlogo zusammen.

Zum 100. Geburtstag des Autobaus im Jahr 1999 stellte Opel Klassiker des Unternehmens zum Firmenlogo zusammen.

Foto: Opel

GM will Opel überraschend an Peugeot verkaufen – ein Abschied nach 88 Jahren. Die Gewerkschaft und die Bundesregierung sind vergrätzt.

Frankfurt/Berlin.  Mit der Werbekampagne „Umparken im Kopf“ versucht Opel seit 2014 sein Image in Deutschland aufzupolieren und wieder mehr Autos zu verkaufen. Offenbar haben sich das Motto auch die Manager von General Motors, dem Eigentümer von Opel, zu eigen gemacht, nur radikaler: Der US-Autobauer will sich überraschend von dem Unternehmen trennen – nach 88 Jahren.

Es wäre der Abschied von Europa als Produktionsstandort für die Amerikaner. Käufer soll die französische PSA sein. Allerdings hat GM die Gewerkschaft IG Metall erzürnt. Und auch die Bundesregierung ist irritiert.

Bekenntnis zu Opel hielt nicht lange

Die grobe Linie sieht offenbar vor, das komplette Europa-Geschäft, also Opel und das britische Schwesterunternehmen Vauxhall, an PSA zu verkaufen, unter dessen Dach Peugeot und Citroën gebaut werden. PSA und GM bestätigten Gespräche.

Dabei war Mary Barra, seit 2014 GM-Chefin, bei ihrer ersten Auslandsreise überhaupt nach Rüsselsheim gekommen und hatte am Opel-Stammsitz gesagt: „Das ist ein Bekenntnis zu Opel.“ Es hielt wohl nicht lange.

Autokonzern General Motors verhandelt mit Konkurrent Peugeot über Verkauf von Opel
Autokonzern General Motors verhandelt mit Konkurrent Peugeot über Verkauf von Opel

Zusammenarbeit bereits seit 2012

Mit den Franzosen arbeitet Opel bereits seit 2012 bei verschiedenen Projekten zusammen. Der neue Opel Combo, der Peugeot Partner und der Citroën Berlingo, alles kleine Kastenwagen, werden nächstes Jahr auf derselben Plattform angeboten. Peugeot und Opel haben auch verabredet, die Nachfolger der Minivans Meriva und des Citroën C3 Picasso im spanischen Opel-Werk Saragossa zu fertigen. Für die Nachfolger des Opel Zafira und des Peugeot 3008 ist die Peugeot-Fabrik im französsichen Sochaux vorgesehen.

GM und PSA verhandeln offenbar schon länger, allerdings scheint nur ein kleiner Kreis von Managern eingeweiht zu sein. Der Opel-Gesamtbetriebsrat, obwohl im Aufsichtsrat der Opel AG vertreten, wurde von der Nachricht überrascht. Das wäre eine „beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte“, berichteten IG Metall und der Gesamtbetriebsrat. Gleichzeitig erklärte die Gewerkschaft aber, die Vorschläge vorbehaltlos zu prüfen.

Brigitte Zypries: „Völlig inakzeptabel“

Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) bemängelte das Vorgehen: Es sei ohne Rücksprache mit Betriebsrat oder hessischer Landesregierung verhandelt worden. Das sei völlig inakzeptabel. Auch die Bundesregierung sei nicht informiert worden. General Motors stehe in der Verantwortung, besonders das Entwicklungszentrum in Deutschland zu belassen.

Opel baut in Deutschland noch in Eisenach und Rüsselsheim Autos. In Kaiserslautern fertigt das Unternehmen unter anderem Motoren. Weitere Standorte hat das Unternehmen in Großbritannien, Österreich, Polen, Spanien und Ungarn. Experten fürchten, dass einige Opel-Standorte nach dem Verkauf an PSA gefährdet sein könnten. Opel hatte in der Vergangenheit bereits Standorte in Antwerpen und Bochum geschlossen.

Unsicherheit für Werke in Eisenach und Kaiserslautern

„Ob aus zwei Fußkranken ein Weltrekordler wird, muss man abwarten“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen unserer Redaktion. Die Fusion sei „überraschend, aber nicht ganz unplausibel“. Opel sei bislang „kein Produktivitätsgigant“.

An dem Zusammengehen von Opel und Peugeot habe PSA-Chef Carlos Tavares sicher das höhere Interesse, glaubt Dudenhöffer. „Für Opel würde eine solche Konstellation mit Sicherheit für Werke wie Eisenach oder Kaiserslautern höhere Unsicherheiten bedeuten.“ Beide Standorte kämpften derzeit mit Überkapazitäten.

Schon einmal war GM übrigens kurz davor, sich von Opel zu trennen: Als die Amerikaner im Zuge der Finanzkrise 2008 Probleme bekamen, gab es Pläne, Opel und die britische Schwester Vauxhall an ein Konsortium aus dem österreichischen Autozulieferer Magna und der russischen Sberbank zu verkaufen. GM sagte das Geschäft Ende 2009 wieder ab. Seither müht sich der Konzern, Opel zu sanieren.

Unternehmen schreibt seit Jahren rote Zahlen

Das Unternehmen schreibt allerdings seit 1999 rote Zahlen. Auch im vergangenen Jahr, das die Wende bringen sollte, gab es einen Verlust von 257 Millionen Euro. Immerhin greift offenbar die Strategie von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann: 2015 hatte der Verlust jenseits der 800 Millionen Euro gelegen. Konkurrent Ford übrigens erwirtschaftete 2016 rund 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) Gewinn in Europa.

Ob PSA-Opel gute Chancen am Markt hat, hält Autoexperte Dudenhöffer für ungewiss. „Beide Hersteller für sich hatten bisher nicht das goldene Händchen mit den Modellen, die der Markt braucht.“ Andererseits könnte Opel seine Autos unter dem Dach von PSA auch in China und sogar den USA verkaufen, Märkte, die sich GM bislang für US-Modelle vorbehalten hatte.

Weltrekord im Raketenwagen

Das wäre etwas Neues in der langen Geschichte von Opel, die 1862 begann, als Adam Opel in der väterlichen Werkstatt die erste eigene Nähmaschine baute. Eine Firmentradition mit vielen Erfolgen. Der Raketenwagen RAK2 etwa, mit dem Fritz von Opel im Jahr 1928 auf der Avus die damals sensationelle Geschwindigkeit von 238 Kilometern pro Stunde erreichte. Ein Jahr später, 1929, wurde Opel zum größten Autobauer Deutschlands. Damals verkaufte die Familie an GM. Nun haben die Amerikaner andere Pläne.

Einen Kommentar zum Thema finden Sie hier: Opel auf Französisch