Bahnverkehr

Fahrverbot für besonders laute Güterzüge ab Ende 2020

Durch manche Gegenden Deutschlands rattern fast täglich Hunderte laute Züge. Die Regierung möchte das ändern und laute Güterwaggons vom Schienennetz verbannen.

Durch manche Gegenden Deutschlands rattern fast täglich Hunderte laute Züge. Die Regierung möchte das ändern und laute Güterwaggons vom Schienennetz verbannen.

Foto: Thomas Frey / dpa

Ab Ende 2020 will die Regierung laute Güterzüge verbieten. Die Bahn will das Gesetz sogar verschärft sehen – zumindest an einer Stelle.

Berlin.  Die Deutsche Bahn hält weitere Schranken für laute Güterzüge in Deutschland für möglich. Vorstandsmitglied Ronald Pofalla begrüßte den Regierungsplan, laute Güterwagen zu verbieten.

„Es ist richtig, dass die Bundesregierung hier Druck macht“, sagte Pofalla der Deutschen Presse-Agentur. „Denkbar sind jedoch auch eine deutliche Erhöhung der Trassenpreise für laute Wagen oder ein generelles europäisches Verbot.“ Zu den am meisten von Bahnlärm betroffenen Gegenden in Deutschland zählt das Mittelrheintal, durch das täglich Hunderte Züge rattern.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch vor Weihnachten einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, nach dem besonders laute Güterwaggons ab Ende 2020 nicht mehr auf dem deutschen Schienennetz rollen dürfen. „Wir brauchen diese klaren Regeln und auch Sanktionen für jene Güterbahnen, die sich nicht an die Absprachen halten“, sagte Pofalla.

Ende 2020 soll Flotte umgerüstet sein

Die Bahn hat nach eigenen Angaben inzwischen die Hälfte ihrer 64.000 Wagen in Deutschland mit leiser Bremstechnik ausgerüstet. Ende 2020 wollen die Bahn und die übrigen Wagenhalter in Deutschland die gesamte Flotte umgerüstet haben.

Die neuen Bremsklötze sind nicht aus Eisen, sondern aus einem Verbundkunststoff. „Flüsterbremse“, diesen Werbebegriff hat sich die Bahn-Branche dafür ausgedacht, doch er führt in die Irre. Die Kunststoffbremse raut die Radoberfläche weniger auf als die herkömmlichen Eisenstücke.

Und das senkt das Rollgeräusch, den Lärm – auch wenn das Wort „Flüstern“ übertrieben ist. Die Technik soll die Lautstärke um etwa 10 Dezibel auf rund 75 Dezibel senken – was als Halbierung wahrgenommen wird.

Ausbau der Bahnstrecken

Die Bahn kostet das viel Geld. Allein für die aufwendigere Wartung der Kunststoffbremsen rechnet sie bis 2020 mit Mehrkosten von bis zu 230 Millionen Euro. Warum macht die Bahn das? Vorstand Ronald Pofalla spricht von Verantwortung für die Anwohner, sagt aber auch: „Wir brauchen eine höhere Akzeptanz für unsere Transporte und für den Ausbau der Strecken.“

Die Bahn will in den nächsten Jahren bei 30 Projekten auf Teststrecken in Brandenburg und Bayern Lärmschutztechniken erforschen. Pofalla bekannte, der Konzern müsse bei der Lärmschutz-Planung besser und schneller werden.

Denn Lärm macht krank. „Für Menschen, die nachts permanent hohen Schalleinwirkungen ausgesetzt werden, sind die Risiken gesundheitlicher Beeinträchtigungen signifikant erhöht“, heißt es im Gesetzentwurf. Züge ohne die neue Technik müssen demnach langsamer fahren, um leiser zu sein.

Langsame Güterzüge könnten Netz verstopfen

Durch diese Ausnahme könnte aber die Kapazität der Schiene sinken, weil langsamere Güterzüge das Netz verstopfen, fürchten Kritiker. Die Bahn und die übrigen Güterwagenhalter in Deutschland wollen das Gesetz deshalb an dieser Stelle verschärft sehen.

„Unser Ziel muss ein flächendeckender Einsatz leiser Wagen sein“, heißt es beim Verband der Güterwagenhalter in Deutschland. Er fordert höhere Trassengebühren für laute Züge.

In den Bahnwerken und auf Rangierbahnhöfen geht unterdessen die Umrüstung weiter. „Wir bekommen den leisesten Schienengüterverkehr in Europa – neben der Schweiz“, verspricht die Bahn. (dpa)