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Hamburg hofft auf Geschäfte im Iran

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Oliver Schade

Eine 60-köpfige Delegation aus dem Norden reist in das Land am Persischen Golf. Wirtschaftssenator Horch trotz Trump-Wahl zuversichtlich

Hamburg.  Als Ingenieur und Leiter eines Harburger Werks des Stahlunternehmens ThyssenKrupp war er früher häufig im Iran. Geschäftlich. Und er hat die Iraner als sehr „verlässlich und respektvoll im Umgang“ kennengelernt, erinnert sich Frank Horch. Nun fährt er als Hamburger Wirtschaftssenator erneut dorthin. Mit dabei: Rund 60 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Heute geht sie los – die einwöchige Reise nach Vorderasien, in ein Land, das seit dem Aussetzen weitreichender Handelssanktionen durch die USA und die EU quasi zu einem Besuchermagneten für Geschäftsleute und Politiker aus dem Westen geworden ist.

Man will ökonomische Pflöcke einschlagen, Geschäfte anbahnen, womöglich sogar Abschlüsse erzielen. Auch wenn mit der Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten die gewonnene neue Handelsfreiheit mit dem Iran schon wieder zur Disposition steht. Schließlich zeigte Trump im Wahlkampf klare Kante gegen die Vereinbarung mit dem Regime in Teheran: „Meine Priorität Nummer eins ist es, den desaströsen Deal mit dem Iran zu demontieren.“ Sollten die USA das Abkommen tatsächlich aufkündigen, dürfte die EU sich kaum gegen den Verbündeten stellen.

Reiseschwerpunkte: Hafen und erneuerbare Energien

Doch die Reise der Delegation aus Hamburg und Schleswig-Holstein lässt sich von Spekulationen um ein jähes Ende der Handelsfreizügigkeit nicht aufhalten. Im Gegenteil. „Wahlkampf ist Wahlkampf. Die Präsidentschaft ist etwas völlig anderes“, sagt Horch. „Welche Auswirkungen auf die Wirtschaft das Wahlergebnis in den USA hat, ist noch nicht abzusehen. Niemand weiß, ob Donald Trump seine Linie aus dem Wahlkampf aufrechterhält oder sich wirtschaftlichen Interessen doch unterordnet.“ Und es sei gerade jetzt, nachdem schon viele Delegationen – auch aus Deutschland – im Iran waren, der richtige Zeitpunkt, dort hinzufahren, ist er überzeugt. Denn der größte Hype um das Land sei vorbei, nun könne man in Ruhe mit den Iranern sprechen und Geschäfte auf den Weg bringen.

Tatsächlich ist Hamburg so etwas wie die deutsche Iran-Hochburg. Rund 20.500 Menschen mit iranischen Wurzeln leben hier – das ist die zweitgrößte persische Gemeinde in Europa. Zudem gibt es gewachsene wirtschaftliche Beziehungen. Hamburg ist weltweit der führende Handelsplatz für Teppiche. Unter den rund 500 persisch geführten Firmen befinden sich auch die beiden wichtigen Geldinstitute Melli Iran und die Europäisch-Iranische Handelsbank. Es gibt eine direkte Flugverbindung nach Teheran, die zweimal wöchentlich von Iran Air angeboten wird. Und auch wenn die Handelsbeziehungen wegen der langjährigen harten Sanktionen auf Sparflamme laufen, so hat Hamburg den Kontakt zu dem Land mit seinen rund 75 Millionen Einwohnern zumindest nicht ganz abreißen lassen. Rund 300.000 Tonnen Güter wurden 2015 zwischen dem Iran und Hamburg auf dem Seeweg hin und her bewegt. Das entspricht zwar nur 0,22 Prozent der gesamten Gütermenge des Hafens 2015 – doch eine kleine Basis ist oft eine gute Grundlage für ein deutliches Plus.

So spielt die maritime Wirtschaft denn auch eine besondere Rolle auf der Delegationsreise. Vertreter der Hafenbehörde HPA, der Terminalbetreiber HHLA und Eurogate, des Verbands Deutscher Reeder sowie der Werften Pella Sietas und Blohm+Voss reisen mit. Ein Programmpunkt ist der Besuch des aufstrebenden Hafens von Bandar Abbas am Persischen Golf. Zudem ist in Teheran ein Hafengipfel mit Vertretern aus dem Iran vorgesehen. Allerdings sind die Pläne nicht zementiert. Selbst Bundeswirtschaftsminister Sigmar Ga­briel (SPD) musste bei seiner jüngsten Iran-Reise erfahren, dass ein Termin schon mal verschoben und andere als die eigentlich gedachten Gesprächspartner vor Ort erschienen.

Zweiter Schwerpunkt der Reise werden die erneuerbaren Energien sein. Marktchancen sollen ausgelotet werden, Geschäftsabschlüsse werden nicht erwartet. Dennoch ist auch Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), der seinen parteilosen Hamburger Ressortkollegen Horch begleitet, davon überzeugt, dass norddeutsche Unternehmen sich gerade jetzt vor Ort informieren sollten. „Viele Firmen in Schleswig-Holstein haben großes Interesse an dem Land“, sagt Meyer. Und eine Differenzierung zwischen der Hansestadt und dem Nachbarn hält er bei Auslandsreisen ohnehin für unnötig. „Hamburg und Schleswig-Holstein werden international als eine gemeinsame Wirtschaftsregion wahrgenommen.“

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