Frankfurt/Main

Pharma-Unternehmen setzen auf Krebsforschung

Auch Alzheimer-Patienten können auf bessere Medikamente hoffen

Frankfurt/Main.  Millionen Patienten hoffen, dass Pharmakonzerne Mittel gegen Krebs, Alzheimer oder andere Krankheiten entwickeln. Insbesondere Krebskranke können künftig auf Hilfe hoffen, das zeigen Zahlen des Verbandes der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa).

Erhebungen des Verbandes zufolge, gab es im vergangenen Jahr gab mehr als 300 Entwicklungen von Medikamenten, bei denen eine Zulassung bis 2019 möglich erschien. Mehr als ein Drittel davon sind Therapien gegen Krebs. An zweiter Stelle stehen Medikamente gegen Entzündungskrankheiten wie Rheuma, gefolgt von der Prävention und der Therapie von Infektionskrankheiten.

Dazu kommen Impfstoffe: 72 neue Impfungen werden laut vfa derzeit gegen 26 Krankheiten in Studien erprobt. „Zum einen gewinnen früher wenig beachtete Krankheiten wie Ebola, Zika oder Dengue-Fieber an Bedeutung. Zum anderen lassen sich heute durch technologische Fortschritte früher unvorstellbare Impfstoffe entwickeln“, sagt Siegfried Throm, Geschäftsführer Entwicklung beim vfa.

Dass Medikamente gegen Krebs so häufig auf den Markt kommen, liegt einerseits an der weit verbreiteten Krankheit – laut Robert-Koch-Institut gibt es in Deutschland jährlich 500.000 Neuerkrankungen und Statistiken zufolge 230.000 Todesfälle.

Andererseits profitiert die Industrie von der Grundlagenforschung seit Ende der 80er-Jahre. Es gibt heute schon viele Medikamente, die Überlebensraten sind stark gestiegen. Der aktuelle Hoffnungsträger ist die sogenannte Immunonkologie, bei der die körpereigene Immunabwehr zum Kampf gegen Krebs mobilisiert wird. Die Arzneimittel haben laut Siegfried Bialojan, Pharmaexperte bei der Beratungsgesellschaft Ernst&Young (EY), großes Umsatzpotenzial: „Sie könnten in die Nähe von Blockbustern kommen“, sagte er.

So will das Darmstädter Unternehmen Merck noch in diesem Jahr mit dem US-Konzern Pfizer für das Mittel Avelumab aus dem Bereich der Immunonkologie einen ersten Zulassungsantrag stellen. „Für die beiden Unternehmen wäre es ein wahnsinniger Schritt voran“, schätzt Bialojan.

Dringend suchen Forscher hingegen nach einem Mittel, um Alzheimer in den Griff zu bekommen. Vor allem mit Blick auf die älter werdende Gesellschaft und die dadurch steigenden Patientenzahlen dürften die Unternehmen bei einem Durchbruch mit immensen Umsätzen rechnen.

Viele Pharmafirmen haben an dieser Demenzkrankheit in den vergangenen Jahren vergeblich geforscht, jetzt allerdings gibt es wieder eine ganze Reihe neuer Ansätze – es geht um Mittel, die die Krankheit verlangsamen.

Mehrere Unternehmen hätten angekündigt, dass sie in den nächsten Jahren neue Medikamente auf den Markt bringen werden, die wirksamer sein sollen als die bisherigen, sagte ein Sprecher der Deutschen Alzheimer Gesellschaft dieser Zeitung. „Allerdings wird nicht der große Durchbruch in der medikamentösen Therapie erwartet.“ Zwar werde vonseiten der Pharmaindustrie intensiv geforscht, sagte der Sprecher. Diese Forschung sei jedoch sehr aufwendig und teuer. Zulassungsbehörden stellten hohe Anforderungen.