Hamburg

Gabriel will leisere Windräder

Bundeswirtschaftsminister eröffnet weltgrößte Messe der Branche in Hamburg. 200 Aussteller mehr als 2014

Hamburg.  Zur Eröffnung der Messe WindEnergy in Hamburg hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Bedeutung der Windenergie-Branche für die Arbeitsplätze im Norden hervorgehoben. Gerade das Offshore-Geschäft sei „zu einem Jobmotor auch für die maritime Industrie geworden“, sagte der Minister. „Wir haben in Deutschland 30 Jahre lang einen Trend der Deindustrialisierung gesehen. Seit kurzer Zeit werden per Saldo erstmals wieder Industriearbeitsplätze aufgebaut.“ Dies sei ganz wesentlich auf die Windenergie zurückzuführen.

Es sei ein „Zeichen kluger Standortpolitik“ des Hamburger Senats, die Hansestadt zu „der Hauptstadt der Windenergie“ gemacht zu haben, so Gabriel. Mehr als 25.000 Menschen in der Me­tropolregion arbeiten im Bereich der erneuerbaren Energien, weit überwiegend im Wind-Sektor. „Darüber hinaus spielen Logistiker und Hafenbetreiber eine wichtige Rolle für den Transport der sehr schweren Komponenten“, fügte der Minister an.

Mit einem Anteil von inzwischen fast 15 Prozent an der deutschen Stromversorgung sei die Windenergie längst kein Nischenphänomen mehr. „Sie benötigt keinen Welpenschutz mehr; es ist an der Zeit, sie an den Markt zu gewöhnen“, sagte Gabriel. Er verteidigte damit die zuletzt gedrosselten Förderungen und Ausbauziele der Bundesregierung.

Zudem müsse der Aufbau von Windenergie-Kapazitäten so begrenzt werden, „dass er mit dem Ausbau der Stromnetze Hand in Hand geht“. Ende 2015 hatte der Bundestag beschlossen, dass weite Teile der „Stromautobahnen“, die Windstrom nach Süddeutschland leiten sollen, unterirdisch verlegt werden sollen. Das ist technisch wesentlich aufwendiger und dauert länger, soll aber dazu beitragen, „Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern“, so Gabriel.

Nach Einschätzung des Wirtschaftsministers ist jedoch auch zunehmend mit Widerstand gegen Windparks an Land zu rechnen – nicht nur in Deutschland. Es gebe eine „wachsende Zahl von Bürgerinitiativen“ gegen solche Projekte. Hier setzt Gabriel auf das sogenannte Repowering, also den Ersatz alter Anlagen durch neue und leistungsfähigere. Sie erzeugen im Schnitt doppelt so viel Strom wie Anlagen aus den 1990er-Jahren, sodass sich entweder die Kapazität auf gleicher Fläche deutlich erhöht oder die Anzahl der Anlagen sinkt. Zudem seien moderne Turbinen leiser als die alten, so Gabriel.

Auf der weltweit führenden Messe der Branche zeigen 1400 Aussteller aus 34 Ländern – auf der vorangegangenen Veranstaltung vor zwei Jahren waren es 1200 Aussteller – in den voll ausgebuchten Hallen eine ganze Reihe von Innovationen. Eine davon ist der mit 164 Metern bisher höchste Anlagenturm des bayerischen Herstellers Max Bögl, Zulieferer des Hamburger Windturbinenbauers Nordex. Mit derartigen Türmen sollen sich auch bislang als unrentabel betrachtete Standorte erschließen lassen.

Die Firmen Adwen und ­Winergy zeigen das mit einem Gewicht von 86 Tonnen bisher größte Windturbinen-Getriebe. Es ist für eine Offshore-Anlage mit dem Rekord-Rotordurchmesser von 180 Metern und einer Kapazität von acht Megawatt vorgesehen. Der Prototyp des Giganten soll noch vor Ende 2016 in Bremerhaven in den Testbetrieb gehen.

Nach Auffassung von Gabriel ist die deutsche Windenergiebranche „exzellent aufgestellt für den internationalen Wettbewerb“. Die Unternehmen können sich auf einen starken Heimatmarkt stützen. Im vergangenen Jahr wurden europaweit Windkraftanlagen mit einer Leistung von 13,8 Gigawatt (GW) gebaut, davon allein 6,0 GW in Deutschland. Mit deutlichem Abstand folgten Polen und Frankreich. Weltweit lag China mit einem Zubau von 30,5 GW jedoch weit vorn.