Analyse

Wirtschaft im Norden leidet stark unter Russland-Sanktionen

Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer Hamburg, will einen vertieften Dialog mit Russland

Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer Hamburg, will einen vertieften Dialog mit Russland

Foto: dpa

Einer Studie der IHK zufolge sind die Nordländer besonders betroffen. Präses Melsheimer fordert mehr politische Gespräche.

Hamburg.  Die Wirtschaft in Norddeutschland leidet überdurchschnittlich stark unter den Sanktionen gegen Russland. Das ist das Ergebnis einer Analyse der zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern (IHK Nord). Demnach gingen die Exporte aus dem Norden Deutschlands nach Russland seit der Einführung der Sanktionen im März 2014 um 47 Prozent zurück. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt.

„Der wertmäßige Export ist von rund 500 Millionen Euro im Monat auf die Hälfte geschrumpft und hat sich ab April 2015 bei knapp über 200 Millionen Euro eingependelt“, sagt Fritz Horst Melsheimer, Vorsitzender der IHK Nord und Präses der Handelskammer Hamburg. Dies entspreche ungefähr dem Niveau der Finanzkrise im Jahr 2009.

Containerverkehr leide "gravierend"

Eine besonders betroffene Branche ist der Export mit Fischen und Fischereierzeugnissen. Dessen wertmäßiger Exportrückgang betrug in Deutschland zwischen dem ersten Quartal 2014 und dem ersten Quartal 2016 im Schnitt 15 Prozent, während es in Norddeutschland 100 Prozent waren.

Was den wirtschaftlichen Schaden angeht, steht an der Spitze der Nordländer der IHK Nord zufolge Hamburg. Die Exporte stürzten dort demnach von 200 auf zwölf Millionen Euro ab. Das betreffe vor allem hochtechnisierte Exportprodukte wie Autos und Autoteile, deren Ausfuhrrückgang in Norddeutschland vom ersten Quartal 2014 zum ersten Quartale 2016 bei 56 Prozent lag, aber auch Maschinen und Datenverarbeitungsgeräte.

Dazu kommt, dass der Containerverkehr laut der Analyse besonders gravierend leidet. So sei es beispielsweise auf die Sanktionen zurückzuführen, dass der Containerverkehr über See 2015 in Hamburg um ein Drittel zurückgegangen sei und von 662.094 auf 434.100 TEU fiel.

Weniger Übernachtungsgäste aus Russland

Neben der Agrar- und Lebensmittelbranche hat nach Angaben der IHK auch der norddeutsche Tourismus zu kämpfen. In Bremen und Schleswig-Holstein übernachteten zuletzt rund ein Drittel weniger Gäste aus Russland, in den übrigen Bundesländern durchschnittlich etwa 25 Prozent.

Die Sanktionen haben laut Melsheimer die Wirtschaftskrise noch einmal spürbar verstärkt. Der Konflikt sei das „eindeutige Primat der Politik“. Melsheimer fordert die EU und Bundesregierung zu einem vertieften Dialog mit Russland auf, um die Krise zu entschärfen.