Hamburg

Philips holt junge Firmen auf eigenes Gelände

Peter Vullinghs, Chef von Philips Deutschland, will Know-how von Start-ups für den Konzern gewinnen und stärker in die digitale Welt eintauchen

Peter Vullinghs, Chef von Philips Deutschland, will Know-how von Start-ups für den Konzern gewinnen und stärker in die digitale Welt eintauchen

Foto: Roland Magunia

Konzern siedelt Start-ups in Fuhlsbüttel neben seiner Deutschland-Zentrale an. Stadt begrüßt die Gründung des Health Innovation Port.

Hamburg.  Vor wenigen Monaten ist Philips mit seiner Zentrale nach Fuhlsbüttel gezogen. Jetzt plant der Elektrokonzern auf seinem Firmengelände in Sichtweite des Flughafens einen Campus für Start-ups. Heute wird das Projekt bekanntgegeben. Die Traditionsfirma setzt damit auf das Know-how junger Firmen, vor allem aus der Gesundheitswirtschaft. Der Hintergrund: Die Medizintechnik, die mit der Röntgenfabrik in Hamburg für Philips das Kerngeschäft bildet, soll mit Hilfe kreativer Gründer stärker in der digitalen Welt verankert werden. Wie können Ärzte sicher Patientendaten austauschen, um teure Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden? Wie kann ich mit Fitness-Apps mein Wohlbefinden erhöhen, meine Blutwerte checken, den Puls überwachen, und mir dadurch so manchen Gang zum Arzt sparen?

Miete am unteren Ende der ortsüblichen Preise

Viele Fragestellungen im chronisch unterfinanzierten Gesundheitssektor könnten durch das Internet effizient und kostengünstig gelöst werden. Dazu will Philips seine erfahrenen Chemiker, Ingenieure oder Mathematiker, die beispielsweise Ultraschallsysteme entwickeln, mit Softwarespezialisten verbandeln. „Wir freuen uns auf frische Ideen, und wollen eine Win-win-Situation schaffen“, sagte Peter Vullinghs, Chef von Philips Deutschland, dem Abendblatt. Zudem soll das Schwergewicht der Elektrobranche durch den Einfluss flexibler Firmen an Fahrt aufnehmen.

Auf 1000 Quadratmetern stellt der niederländische Konzern Büroflächen zur Verfügung, im Herzen des Grundstücks mit seiner Deutschland-Verwaltung, dem Werk und angebundenen Services wie Empfang, Kantine und Parkplätzen. Die Art und Intensität der Zusammenarbeit mit den neuen Untermietern kann ausgehandelt werden. Auf Wunsch können sich die Firmen mit einzelnen Arbeitsplätzen im Großraumbüro begnügen. Nach Bedarf können sie aber auch auf das Wissen der Philips-Mitarbeiter, etwa bei Steuern, Recht, Personal oder Technik, zurückgreifen. Die Büromiete soll am unteren Ende des ortsüblichen Niveaus liegen.

Modell als Vorbild für andere Firmen

Das Modell findet auch Anklang bei der Stadt: „Wir begrüßen die Gründung des Health Innovation Port mit dem Fokus auf junge Start-ups aus der Gesundheitsbranche. Diese Initiative von Philips schafft ein Angebot, das es mit dieser Themenausrichtung bisher in Hamburg nicht gibt“, sagt Elke Badde, Staatsrätin für Gesundheit und Verbraucherschutz. Sie hoffe, dass das Konzept von Philips zu einem Vorbild für andere Betriebe werde.

Am Hauptsitz des Konzerns im niederländischen Eindhoven hat der Konzern bereits ein solches Thinktank-Modell etabliert. Auf dem größten Hightech-Campus des Landes arbeiten Entwickler, Forscher und Unternehmer gemeinsam an den Produkten der Zukunft, ebenfalls in der Medizintechnik.

100 neue Mitarbeiter in den nächsten Jahren

Die Flächen für Gast-Firmen hat Philips in der Hansestadt zur Verfügung, weil die Produktion mit weniger Platz auskommt. Zwar ist das Werk auf Wachstumskurs: „Wir stellen in den nächsten eineinhalb Jahren 100 Mitarbeiter ein“, sagte Werksleiter Diedrich Dirks. Aber dennoch rücken die Produktions-Mitarbeiter angesichts des Trends zu kleineren Geräten und Maschinen enger zusammen: Wurden in dem Werk früher 2000 Röntgenröhren im Jahr gefertigt, kommt Philips auf gleicher Fläche inzwischen auf das doppelte Herstellungsvolumen.

Philips konzentriert seine Kraft seit Kurzem auf die Gesundheitssparte, da die Lichtabteilung abgespalten wurde. In der neuen Verwaltung in Fuhlsbüttel belegen nach wie vor rund 350 Mitarbeiter von „Philips Lighting“ zwei Etagen des Bürogebäudes mit insgesamt 1.000 Beschäftigten. Sie arbeiten inzwischen aber für eine eigene Aktiengesellschaft des Mutterkonzerns, die im Mai 2016 an die Börse gegangen ist.