Wirtschaft

Der getriebene Konzern

Aus dem Streit mit Volkswagen gehen Zulieferer als Sieger hervor

Der Streit zwischen dem Volkswagen-Konzern und zweier Zulieferer ist zwar beigelegt. In den Chefetagen des Milliardenkonzerns allerdings dürften sich die Manager noch immer die Augen reiben. Nach dem Dieselskandal scheint der Wolfsburger Autobauer Opfer der eigenen Selbstüberschätzung.

Dass die Lieferanten Volkswagen zu einem mehrtägigen Produktionsstopp treiben konnten, ist bedenklich, weil Hersteller eigentlich am längeren Hebel sitzen: Aus Furcht, Aufträge zu verlieren, beugen sich die Zulieferer den großen Autobauern und unterliegen dem harschen Preisdiktat, während die Hersteller meist hohe Margen einfahren.

Volkswagen hat den Ruf, besonders hart zu verhandeln. Wer sich die Konzernzahlen ansieht, versteht, warum: Der Konzern hatte im Jahr 2015 ein Einkaufsvolumen von 149 Milliarden Euro. Über 60 Prozent des gesamten Umsatzes entfallen dabei auf die Beschaffung. Senkt der VW-Konzern seine Einkaufskosten nur um ein Prozent, steigt der Konzerngewinn um rund 1,5 Milliarden Euro. Obendrein steht der Konzern wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte unter extremem Sparzwang.

Bislang musste der Konzern knapp 18 Milliarden Euro zurückstellen. Die Konzernleitung stellt sämtliche Projekte auf den Prüfstand. In diesem Fall hat Volkswagen nun allerdings zu hoch gepokert. Die Prevent-Gruppe, zu der die Zulieferer gehören, hat es geschafft, gegen den Konzern die eigenen Forderungen durchzusetzen. Denn der Markt der Zulieferer ordnet sich neu. Es bilden sich Unternehmensgruppen mit mehr Macht. Auch die Prevent-Gruppe hat erst vor wenigen Monaten Car Trim gekauft. Volkswagen hat zu spät erkannt, dass sich aufseiten der Zulieferer das Machtgefüge neue konstituiert. Das zeigt auch das Verhandlungsergebnis. Die erwartbare Reaktion wäre gewesen, dass VW die Beziehungen aufkündigt. Doch anscheinend kommt Volkswagen nicht von der Gruppe los: Aus Verhandlungskreisen ist über den Deal bekannt, dass die Geschäftsbeziehungen langfristig fortgeführt werden sollen. Die Zusammenarbeit soll gar intensiviert werden.

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