Hamburg

Privatbank für Kleinsparer

Schon 50 Euro werden bei der Sutor Bank so gemanagt wie millionenschwere Depots

Hamburg.  Eine Privatbank. Das klingt nach sehr viel Geld, das die Kunden für eine umfassende Beratung mitbringen müssen. Häufig ist es eine Million Euro an liquidem Kapital. Doch die Hamburger Sutor Bank, eine von fünf in der Hansestadt ansässigen Privatbanken, geht auch andere Wege. „Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die Kapitalmarktanlage sowie die Depotabwicklung und sind deshalb von den niedrigen Zinsen nicht so stark betroffen wie andere Banken“, sagt Robert Freitag, geschäftsführender Gesellschafter der Sutor Bank.

Neben der Vermögensverwaltung für rund 1000 vermögende Kunden ist das 1921 gegründete Institut auch im Geschäft mit Anlegern, die nicht gleich hohe fünfstellige Beträge auf einen Schlag anlegen. „Wir haben die Vermögensverwaltung demokratisiert“, sagt Freitag. „Werner Sutor, der Sohn des Bankgründers Max Heinrich Sutor, der bis zu seinem Tod mit 88 Jahren jeden Tag in die Bank kam, wollte die Menschen zum Kapitalmarktsparen animieren. So sind wir 1989 in das Geschäft mit Fondssparplänen über Finanzvermittler eingestiegen.“

Selbst die vermögenswirksamen Leistungen (VL) ihres Arbeitgebers ab 34 Euro monatlich könnten Kunden bei der Bank anlegen. Abhängig vom Einkommen gibt der Staat 80 Euro jährliche Förderung hinzu. Ein solches Aktienfondsportfolio erzielte in den vergangenen 25 Jahren nach Angaben der Bank einen Durchschnittsertrag von rund sieben Prozent pro Jahr.

Angesichts der extrem niedrigen Zinsen sind Aktienanlagen derzeit eine der wenigen Möglichkeiten, eine Rendite zu erzielen. „Das Sparbuch bringt keine Zinsen mehr“, sagt Freitag. So lag es nahe, ein Sparbuch für den Kapitalmarkt zu entwickeln. Das Privatbankbuch ermöglicht eine regelmäßige Anlage ab 50 Euro monatlich. „Ob es um 50 Euro im Monat oder um eine Million geht: Wir machen bei der Anlagestrategie keine grundlegenden Unterschiede“, sagt Freitag. Kostengünstige Fonds und eine möglichst langfristige Anlage sind die wichtigsten Kriterien der Sutor Bank. Denn häufiges Umschichten zahlt sich für Anleger langfristig nicht unbedingt aus. Die Kosten, die bei Käufen und Verkäufen entstehen, können die Rendite erheblich schmälern, hat die Bank in einer Studie ermittelt. Für ihre Dienstleistung erhebt das Institut eine Gebühr, die sich am Anlagekapital bemisst.

Gut aufgestellt ist die traditionsreiche Bank bei der Digitalisierung des Bankgeschäfts, was sich in der Zusammenarbeit mit vier Fintechs zeigt, den Start-ups der Finanzbranche. Sie machen den etablierten Banken zunehmend Konkurrenz und vermitteln Ratenkredite oder Festgeldanlagen, ohne selbst eine Banklizenz zu haben. Die neue Konkurrenz fürchtet die Sutor Bank aber nicht. „Die Lösung liegt oft in der Kooperation“, sagt Freitag. „Die Fintechs konzentrieren sich auf den digitalen Kundenkontakt. Wir bebeherrschen die Regularien, die in der Finanzwirtschaft immer strenger werden und verwalten die Depots der Kunden. Wir bleiben auch der Vertragspartner der Kunden, die die Fintech-Angebote nutzen.“ Insgesamt 200.000 Kunden hat die Bank schon in diesem Bereich und wächst um jährlich zehn Prozent. Inzwischen hat die Sutor Bank 90 Mitarbeiter. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Belegschaft verdreifacht.

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit mit Fintechs ist die Hamburger Internetplattform Zinspilot, die Tages- und Festgeldangebote bei in- und ausländischen Banken vermittelt, ohne dass der Kunde mit den einzelnen Anbietern direkt in Kontakt treten muss. Dafür sorgt im Hintergrund die Sutor Bank.