Hamburg

Ohne Koffer zum Kreuzfahrtschiff

Gepäck wird schon am Heimatortaufgegeben. Hamburger erforschen Methoden zur automatischen Zustellung

Hamburg. Kreuzfahrten können schon vor Beginn deutlich entspannter sein, wenn nicht die anstrengende Anreise mit dem Gepäck wäre. Meist geht es über mehrere Stationen: vom Zuhause zum Bahnhof, vom Bahnhof zum Flughafen, vom Ankunftsflughafen zum Kreuzfahrtterminal und dann erst an Bord – und immer einen schweren Koffer an der Hand. Doch damit soll bald Schluss sein. Wissenschaftler aus Hamburg und Dortmund arbeiten nach Abendblatt-Informationen an einem Konzept, das den Gepäcktransport für Kreuzfahrtpassagiere deutlich vereinfachen soll. Kommt das System in Hamburg zum Einsatz, könnte dies ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Kreuzfahrthäfen bedeuten.

Dahinter steckt folgende Idee: Der Kreuzfahrtpassagier gibt sein Gepäck an seinem Heimatort auf und bekommt es im Hamburger Hafen an Bord des Kreuzfahrtschiffs bis vor die Kabine geliefert. Vereinzelt gibt es bereits Anbieter für solche Dienste, wie etwa TEfra Travel Logistics. Doch die Transportdienste sind nicht billig und für Massenabfertigungen nicht geeignet. Forscher des Hamburger Fraunhofer-Centers für Maritime Logistik und Dienstleistungen (CML) sowie der Abteilung Luftverkehrslogistik des Fraunhofer IML in Dortmund arbeiten deshalb an standardisierten Lösungen.

„Derzeit sind Kreuzfahrtpassagiere für den Gepäcktransport überwiegend selbst verantwortlich“, sagt der Professor für maritime Logistik und Leiter des Fraunhofer CML, Carlos Jahn. „Ein- und Ausschiffungsprozesse der Passagiere und ihrer Gepäckstücke dauern aufgrund der hohen Passagierzahl oft mehrere Stunden. Um die Gepäckprozesse zu optimieren und die An- und Abreise für Kreuzfahrtpas­sagiere bequemer zu gestalten, ent­wickeln die Kollegen vom IML zusammen mit uns bis zum Herbst Lösungen für einen fließenden und unbegleiteten Gepäckfluss zwischen Haus, Flughafen und Kreuzfahrtterminal“, so Jahn.

Nach seiner Vorstellung kann der Kreuzfahrtpassagier zukünftig seinen Koffer schon an einem Gepäckautomaten (einem Self Baggage Drop-off) am Heimatbahnhof abgeben. Das Gepäck wird dann komplett unabhängig zum Flughafen transportiert, an den Zielort geflogen und zum Kreuzfahrtschiff transferiert. Dazu werden die Koffer mit kleinen elektronischen Chips versehen, auf denen der Zielort gespeichert ist. „Intelligente Gepäckstücke mit mobilem Internet, GPS und RFID erleichtern nicht nur die Gepäckabfertigung, sondern geben dem Passagier auch jederzeit Auskunft über die aktuelle Position seines Koffers“, so Jahn.

Einer der Interessenten an der Studie ist der Hamburger Flughafen. Er sucht zumindest für einen Teil der Transportkette nach Lösungen, die den Passagieren mehr Komfort bieten: „Unser Ziel ist es, dass die Koffer direkt vom Flughafen zum Kreuzfahrtschiff gehen, sodass sich die Passagiere um ihr Gepäck bei der Ankunft in Hamburg gar nicht kümmern müssen. Sie können dann bis zur Schiffsabreise noch unbeschwert in der Stadt bummeln gehen und finden später ihren Koffer direkt vor der Kabine“, sagt Michael Eggenschwiler Geschäftsführer des Hamburger Flughafens. Gleiches gelte auch umgekehrt. „Wer seine Schiffsreise beendet, kann dann seinen Koffer auf dem Schiff stehen lassen und bekommt ihn an seinem Heimatflughafen nach der Landung zurück“, so Eggenschwiler.

Und das Ganze ist keine Zukunftsvision, sondern wird vom Flughafen bereits getestet, gemeinsam mit einem der bekanntesten Abfertigungsfirmen von Kreuzfahrtschiffen in deutschen Häfen, Sartori & Berger. „Wir haben das bei mehreren Anläufen der ,Costa Pacifica‘ am Kreuzfahrtterminal Steinwerder ausprobiert“, sagt Sebastian Howe, Projektverantwortlicher bei Sartori & Berger. „Die Passagiere kamen in zwei Chartermaschinen aus Spanien und Italien am Hamburger Flughafen an. Die Gepäckabfertigung übergab uns deren Koffer in einer separaten Halle. Wir lieferten sie zum Schiff. Die Passagiere erhielten die Koffer an Bord“, so Howe. „Das lief ohne Probleme.“

Problematisch wird es aber, wenn aus 20 Linienflugzeugen jeweils eine Handvoll Passagiere in den Hafen müssen und der Rest nicht. „Dazu suchen wir nach Standards“, sagt Flug­hafenchef Eggenschwiler. „Derzeit ist es aufwendig, weil die Kreuzfahrtpassagiere zu unterschiedlichen Zeiten mit den verschiedensten Flügen in Hamburg eintreffen und wir dann deren Gepäck aus dem der anderen Fluggäste herausfiltern müssen.“