Hamburg/Essen

Edeka-Zukauf kommt kaum voran

Bei der Übernahme von Kaiser’s Tengelmann gibt es vor allem Streit um den Erhalt von Arbeitsplätzen

Hamburg/Essen. Fast vier Monate nach der Ministererlaubnis für die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch die Hamburger Supermarktkette Edeka ist die heftig umstrittene Fusion zur Hängepartie geworden. Die zunächst mit großem Elan angelaufenen Gespräche zwischen der Gewerkschaft Ver.di und Edeka über einen Tarifvertrag sind massiv ins Stocken geraten.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen scheinen die Positionen beider Seiten noch weit auseinander. Kommt keine Einigung zustande, könnte die Ministererlaubnis doch nicht genutzt werden – mit unabsehbaren Folgen für die rund 16.000 Beschäftigten der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann. Dabei hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Ga­briel (SPD) gerade den Schutz der Arbeitsplätze zur zentralen Aufgabe in dem Tarifpoker gemacht.

Die Monopolkommission übt Kritik an der Fusion

Eine schnelle Einigung ist dabei offenbar nicht in Sicht. Der nächste Verhandlungstermin im Problembezirk Nordrhein-Westfalen steht nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di erst in den kommenden Wochen auf dem Programm. Während Edeka in der Vergangenheit konsequent jeden Kommentar zum Stand der Verhandlungen abgelehnt hatte, hatte die Gewerkschaft in den vergangenen Wochen wiederholt über in ihren Augen unzumutbare Forderungen geklagt. Zu den Knackpunkten der Verhandlungen soll dabei das Schicksal der rund 400 Beschäftigten in der Mülheimer Unternehmenszentrale gehören.

Noch bis vor einigen Wochen hatte sich Edeka-Chef Markus Mosa optimistisch gezeigt, dass die Fusion zügig umgesetzt werden könne. Nach einem Verbot durch das Kartellamt hatte schließlich erst die Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel den Weg unter der Auflage freigemacht, dass Edeka mit den Gewerkschaften rechtssichere Verträge für die Beschäftigten aushandelt.

Dabei wird der Fall mittlerweile nicht nur für die Beschäftigten zur Nervenprobe. Edeka-Chef Mosa hatte zuletzt bei der Bilanzvorlage Ende April eindringlich darauf hingewiesen, dass die geplante Übernahme für den mit einem Marktanteil von mehr als 27 Prozent führenden deutschen Lebensmittel-Einzelhändler „extrem wichtig“ sei. „Sie bringt uns in der Expansion um viele Jahre nach vorn“, so Mosa damals.

Unter Druck steht auch Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, der am Donnerstag bei der Bilanzvorlage für das Mülheimer Familienunternehmen auf eine schnelle Einigung drängte. „Das Verfahren liegt nicht in meiner Hand, mir wird jedoch versichert, dass die notwendigen Tarifverträge bis Ende des Monats vorliegen können“, sagte Haub. Wenn der geplante Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Edeka nicht erfolgreich zu Ende gebracht werden könne, drohe eine Zerschlagung.

Die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann zählt seit Langem zu den Sorgenkindern der Mülheimer Familienunternehmergruppe Tengelmann. Sie steckt seit Jahren in den roten Zahlen. Auch 2015 habe sie wieder „bittere Verluste“ geschrieben, beklagte Haub, ohne Einzelheiten zu nennen.

Die Mülheimer Unternehmensgruppe, zu der neben Kaiser’s Tengelmann auch die Baumarktkette Obi, der Textil-Discounter Kik sowie zahlreiche Beteiligungen wie etwa an dem Onlinehändler Zalando gehören, sei jedoch in der Lage, die Verluste zu verkraften, sagte Haub.

Während die Fusion weiter in der Schwebe ist, reißt unterdessen die Kritik an dem geplanten Zusammenschluss nicht ab. Nachdem Monopolkommissions-Chef Daniel Zimmer aus Protest gegen die Entscheidung von Minister Gabriel zurückgetreten war, erneuerte auch sein Nachfolger Achim Wambach die Kritik. Die Gegner der Fusion befürchten, dass der Wettbewerb im Lebensmittelhandel durch den Zusammenschluss beider Ketten weiter eingeschränkt werden könnte.