Düsseldorf

Betrüger plündern Unternehmen mit dem „Chef-Trick“

Düsseldorf.  Wirtschaftsbetrüger haben in den vergangenen Monaten in großem Stil Unternehmen bundesweit um zweistellige Millionenbeträge erleichtert – indem sie sich als deren Chefs ausgaben. Das Landeskriminalamt NRW schlug in Düsseldorf Alarm und wies auf den weltweit grassierenden „Chef-Betrug“ („CEO-Fraud“) hin. Seit Ende 2015 hätten die Fälle stark zugenommen. „Es handelt sich um ein neuartiges Phänomen, eine perfide Betrugsmethode“, sagte LKA-Chef Uwe Jacob.

In NRW seien bereits 31 Millionen Euro ergaunert worden, davon konnten 20 Millionen Euro aber von den Ermittlern noch rechtzeitig „eingefroren“ werden. Hinter dem Betrug stecke ein weltweit operierendes Netzwerk aus dem Bereich der organisierten Kriminalität. Das FBI beziffert den weltweiten Schaden auf 3,1 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro) in 100 Staaten.

Es handele es sich um eine Weiterentwicklung des berüchtigten Enkeltricks. Dabei meldet sich der vermeintliche Chef oder Finanzchef des Unternehmens „von oberster Stelle“ beim zuständigen Buchhalter und drängt zur Eile: Für wichtige Transaktionen müsse dringend Geld überwiesen werden. Der Mitarbeiter wird zu „strikter Geheimhaltung“ verpflichtet. Auf diese Weise landen große Geldsummen auf ausländischen Konten. Manchmal habe der Buchhalter Wochen zuvor einen Anruf vom vermeintlichen Chef erhalten, der ihm für seine Arbeit dankt. Nun glaubt er, seine Stimme wiederzuerkennen. Oft erfolge der erste Kontakt aber über eine gefälschte E-Mail-Adresse. Die Verpflichtung zur strikten Vertraulichkeit und vorbereitete Zahlungsaufträge mit der notwendigen, aber gefälschten zweiten Unterschrift setzten die Kontroll­mechanismen in vielen Unternehmen außer Kraft.