Gesetz

Zwangseinbau von neuen Stromzählern soll kommen

So oder so ähnlich sollen sie aussehen: die neuen, intellegenten Stromzähler, die ab 2017 eingeführt werden sollen

So oder so ähnlich sollen sie aussehen: die neuen, intellegenten Stromzähler, die ab 2017 eingeführt werden sollen

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Von 2017 an bekommen die Hamburger modernere Messgeräte. Doch die Installation wird viel Geld kosten für die Eigentümer.

Berlin/Hamburg. Auf viele deutsche Haushalte kommen durch den Zwangseinbau von digitalen Strom­zählern hohe Handwerkerrechnungen zu. Nach Informationen des Hamburger Abendblatts wurde das entsprechende Gesetz, das die Umstellung auf die neuen Geräte regelt, kurz vor der Ver­abschiedung durch den Bundestag am Donnerstag auf Betreiben von Energie-Lobbyisten entscheidend geändert. Damit müssen Hausbesitzer Kosten in zum Teil vierstelliger Höhe selbst tragen.

Mittels eines kurzfristigen Antrags, der im zuständigen Bundestags­ausschuss nicht mehr breit diskutiert wurde, brachte die Union auf Betreiben des Stromkonzerns RWE und des Energieverbands BDEW eine kleine, aber wichtige Änderung in das nun beschlossene Gesetz ein. Demnach entfällt die im Entwurf der Bundesregierung vorgesehene Regelung, dass die Einbaukosten „einschließlich der Installationsvorrichtungen“ vom Messstellenbetreiber getragen werden. Dieser Betreiber ist ein großer Energiekonzern oder ein Stadtwerk – in Hamburg ist das die Stromnetz GmbH.

Kosten sind pauschal nicht zu beziffern

Das Streichen der drei Wörter hat große Wirkung und bedeutet, dass insgesamt wohl Handwerkerrechnungen in Milliardenhöhe auf deutsche Hausbesitzer zukommen. Denn beim Einbau der neuen Stromzähler sind häufig umfangreiche Arbeiten notwendig. So passen die Geräte oft nicht in alte Schaltkästen, die dann komplett ausgetauscht werden müssen. Dem Abendblatt liegen Berechnungen aus der Branche vor, nach denen der Einbau eines neuen Zählerschranks einschließlich Installation mit deutlich mehr als 500 Euro zu Buche schlagen kann, abhängig davon, wie die Hauselektrik ausgelegt ist. Werden sogar noch weitere Umbaumaßnahmen an der Bausubstanz etwa wegen Platzmangels notwendig, schnellen die Kosten leicht in den vierstelligen Bereich. Der Einbau einer Steuerbox, die bei Betrieb einer Solaranlage notwendig ist, kostet den Angaben zufolge noch einmal mehr als 500 Euro.

Beim Elektro-Handwerksverband ZVEH hieß es auf Anfrage, die Kosten seien pauschal nicht zu beziffern. Auch eine Durchschnittsangabe oder Schätzung wollte der Verband nicht treffen. Die Einsilbigkeit verwundert wenig: Der Verband hatte sich, wie auch die Zählerhersteller und die Energiebranche, für die Einführung starkgemacht. Insgesamt winkt zusätzlicher Umsatz im zweistelligen Milliardenbereich.

In Hamburg will die Stromnetz GmbH bereits im kommenden Jahr mit dem Einbau der neuen Zähler beginnen. „Das Ganze ist ein sehr umfangreiches und langwieriges Projekt“, sagte eine Unternehmenssprecherin dem Abendblatt. Sie rechnet damit, dass es bis zum Jahr 2032 dauern könnte, bis alle Hamburger Haushalte einen der modernen Zähler haben. Letztlich können sich die Kunden nicht gegen den Einbau des Messgeräts wehren. Installation und Betrieb sind ein lukratives Geschäft. Die Kosten tragen alle Verbraucher mittels Aufschlag auf die Stromrechnung.

Zwei unterschiedliche Zähler soll es geben

Es gibt zwei verschiedene neue Zähler. Haushalte mit einem Jahresverbrauch von bis zu 6000 Kilowattstunden bekommen einen sogenannten Smart Meter, bei dem die Zähltechnik digital erfolgt. Allerdings muss die Datenablesung weiterhin vor Ort stattfinden, eine Fernauslesung ist nicht möglich. Die Kosten dafür liegen bei 20 Euro pro Jahr. Zurzeit zahlen Kunden in Hamburg für einen alten Ferraris-Zähler 16 Euro. Die Preissteigerung wird damit voraussichtlich bei vier Euro im Jahr liegen. Bei einem Verbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden pro Jahr wird ein sogenannter Multi Meter eingebaut, er schlägt mit rund 100 Euro zusätzlich im Jahr zu Buche.

Die Installationskosten, die ursprünglich auf alle Verbraucher umgelegt hätten werden sollen und damit gleichmäßig und über einen längeren Zeitraum verteilt worden wären, kommen nach dem Gesetz nun noch obendrauf. Deutschlands oberster Verbraucherschützer ist empört über die Gesetzesänderung. „Es ist eine Zumutung, dass die Große Koalition in letzter Minute beschlossen hat, dass Verbraucher nicht nur die Kosten für Smart Meter, sondern auch für mögliche Installationsarbeiten bezahlen müssen“, sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzen­trale Bundesverbands (VZBV) dieser Zeitung. „Verbraucher werden über Gebühr zur Kasse gebeten und haben keine Chance, den Einbau abzulehnen.“

Auch von den Grünen gibt es Kritik

Die Bundesregierung begründet die Einführung der intelligenten Messsysteme mit einer umstrittenen Kosten-Nutzen-Rechnung. Demnach haben Verbraucher einen Mehrwert durch die Geräte, weil sie ihren Stromverbrauch besser kon­trollieren und zum Beispiel Tarife buchen können, die den Strompreis im Großhandel widerspiegeln und etwa nachts besonders günstig sind.

Der Nutzen ist jedoch umstritten, zahlreiche Studien stellen nur minimale Einsparungen nach dem Einbau der Geräte fest. VZBV-Chef Müller sagt: „Es ist nach wie vor fraglich, ob sich diese Mehrkosten überhaupt über weniger Verbrauch und eine sinkende Stromrechnung kompensieren lassen.“

Auch die grüne Opposition im Bundestag ist entsetzt. „Im Eiltempo jagt die Große Koalition auch das Digitalisierungsgesetz durch das Parlament. Obwohl das Gesetz schon seit Monaten vorliegt, beschließen Union und SPD jetzt kurz vor der Abstimmung noch einen Änderungsantrag, der für die Stromkunden weitreichende Folgen hat“, sagte Fraktionsvize Oliver Krischer. „Für uns ist klar, dass es keine ,Zwangsbeglückung’ mit Smart Metern für Haushalte geben darf.“

Viele Hausbesitzer wird der Sonderposten weitgehend unvorbereitet treffen. Drei Monate vorher muss der Messstellenbetreiber zwar darüber informieren, dass er den Einbau des digitalen Zählers plant. Ob dabei allerdings auch die möglichen Installationskosten angekündigt werden, bleibt unklar. Auf jeden Fall empfehlenswert ist es, sich nach einem alternativen Messstellenbetreiber umzuschauen, der Einbau und Betrieb häufig günstiger anbietet. Diese Möglichkeit sieht das Gesetz vor.