Nach Insolvenz

Käufer des Flughafens Lübeck hat den Preis "vergessen"

Winfried Stöcker (r.) ist neuer Eigentümer, Insolvenzverwalter Klaus Pannen (l.) entschied sich für den Medizinunternehmer,
Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe hat nun eine Sorge weniger

Foto: Michael Rauhe / HA

Winfried Stöcker (r.) ist neuer Eigentümer, Insolvenzverwalter Klaus Pannen (l.) entschied sich für den Medizinunternehmer, Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe hat nun eine Sorge weniger Foto: Michael Rauhe / HA

Nach der erneuten Insolvenz kauft der Medizintechnikunternehmer Winfried Stöcker den Airport. Seine Pläne bleiben unklar.

Hamburg.  Es ist der dritte Eigentümer in nur drei Jahren: der Unternehmer Winfried Stöcker kauft den Lübecker Flughafen Blankensee. Der insolvente Regionalflughafen, der 2017 sein 100-jähriges Bestehen feiert, wird von der vom Investor gegründeten Stöcker Flughafen GmbH & Co. KG weitergeführt. Der neue Eigentümer werde den Betrieb am 1. Juli übernehmen, sagte der Insolvenzverwalter Klaus Pannen am Montag in Hamburg. Nach mehreren Investoren, die den Betrieb nicht wieder aufgenommen hatten, versucht sich jetzt mit Stöcker der Inhaber einer Medizintechnikfirma mit dem Projekt. Aktuell bietet der Flughafen keine Linienverbindungen mehr an. Die Bürgerschaft muss den Verkauf in ihrer Sitzung am 30. Juni noch absegnen.

Stöcker begründete seinen Kauf mit der Nachbarschaft zu seinem Unternehmen Euroimmun, das auf Flüge angewiesen sei. Der Mediziner führt die Firma für Labordiagnostika mit weltweit rund 1700 Mitarbeitern, davon 1300 in Deutschland. „Wenn wir in fünf Jahren die Zahl unserer Mitarbeiter verdoppeln, brauchen wir anständige Verbindungen in die Welt“, sagte Stöcker, alles andere sei fahrlässig. Zuletzt habe ihn der Umstand genervt, dass er immer an den Flughafen in Hamburg fahren musste, um Geschäftspartner zu besuchen. Und er sei kein Frühaufsteher.

Andererseits bietet der Flughafen direkt neben dem Sitz der Firma dem Investor die Möglichkeit, mit seinem Betrieb auch räumlich auf dem Gelände des Airports zu expandieren. Schließlich hat Stöcker mit dem jetzt unterschriebenen Vertrag auch ein Vorkaufsrecht für die Flächen erworben, die er jetzt von der Stadt Lübeck pachtet. Den Kaufpreis habe er „vergessen“, sagte Stöcker auf Anfrage. Auch zu seinen Plänen für den Airport äußerte er sich wenig detailliert. Er wolle den Flughafen zunächst für Geschäftsflieger betreiben, mittelfristig jedoch wieder Fluglinien nach Lübeck holen. Billigflieger wolle er nicht anlocken, sagte Stöcker. Die wichtigsten Partner des Airports, Ryanair und Wizzair, starten jetzt von Fuhlsbüttel. In den vergangen Monaten hatten noch Privatflieger die Landebahn genutzt. Pannen hatte seit September 2015 nach einem neuen Investor gesucht. Damals hatte der Flughafen Insolvenz anmelden müssen, weil der chinesische Besitzer Chen Yongqiang den Geldhahn zugedreht hatte.

Weiterer Stellenabbau geplant

Stöcker war einer von zuletzt drei Interessenten, mit denen Pannen verhandelt hatte. Derzeit arbeiten noch 55 Mitarbeiter auf dem Gelände. Nach den Plänen des Insolvenzverwalters steht aber ein weiterer Abbau auf bald nur noch 30 Beschäftigte bevor. Stöcker hatte schon 2012 Interesse am Flughafen bekundet. Damals hatte er jedoch einen Betriebskostenzuschuss der Stadt gefordert, sodass er nicht zum Zuge kam. 2014 war er durch ein Interview in die Schlagzeilen geraten, in dem er sich abfällig über Flüchtlinge geäußert hatte.

Der Chinese Chen hatte den Flughafen 2014 aus der ersten Insolvenz übernommen. Er wollte eine Flugschule auf dem Gelände im Süden der Hansestadt ansiedeln und chinesische Medizintouristen in die Region bringen. Zuvor war der damalige Eigner, der ägyptische Geschäftsmann Mohamad Rady Amar, der den Flughafen 2013 von der Stadt übernommen hatte, abgetaucht.

Zu den besten Zeiten des Airports 2009 hatte Lübeck knapp 700.000 Passagiere abgefertigt. Probleme wie in Lübeck betreffen nicht nur den Flugverkehr im Norden. Viele Regional-Airports haben mit schwacher Auslastung zu kämpfen. In Kassel-Calden verlangt der Aufsichtsrat eine Neuausrichtung: Weil das Tourismusgeschäft schwierig sei, sehe man „gute Voraussetzungen“ für einen Ausbau des Frachtverkehrs. In Hahn (Rheinland-Pfalz) will der chinesische Investor Shanghai Yiqian Trading Company mit der ebenfalls in China ansässigen Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express über eine mögliche Rückkehr an den Standort sprechen.

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