Hamburg

Die sichere Paketbox für die Wohnungstür

Feldsechs-Mitarbeiterin Anna Priczkat zeigt den neuen Paketbutler. Heute bringt die Hamburger Firma die Box in der Hansestadt auf den Markt

Feldsechs-Mitarbeiterin Anna Priczkat zeigt den neuen Paketbutler. Heute bringt die Hamburger Firma die Box in der Hansestadt auf den Markt

Foto: Michael Rauhe

Logistiker wie Hermes arbeiten an sicheren Zustellmöglichkeiten. Ein Hamburger Unternehmen geht am Donnerstag an den Markt.

Hamburg.  Es ist die derzeit größte Herausforderung für die Logistikunternehmen angesichts des stark wachsenden Onlinehandels: Wie kommt das Paket tagsüber sicher zum Empfänger, obwohl der gar nicht zu Hause ist? Und es ist eine der großen Fragen, die sich Online-Kunden stellen, die tagsüber nicht daheim sind: Wie komme ich schnell an mein Paket, ohne abends oder erst am nächsten Tag eine Abholstation aufsuchen oder die Nachbarn einspannen zu müssen?

Hoffnungen setzt die Branche auf Paketkästen, die vor der Haustür in­stalliert werden. Der Bote legt das Paket in die verschließbare Box, der Kunde holt es am Abend mit einem Schlüssel oder nach Eingabe eines Codes heraus. DHL brachte im Jahr 2014 die ersten Modelle für Ein- und Zweifamilienhäuser auf den Markt.

Weil das Tochterunternehmen der Deutschen Post die Boxen aber nur für den eigenen Paketdienst geöffnet hat, entwickeln die Mitbewerber DPD, GLS und das Hamburger Otto-Tochterunternehmen Hermes ihr eigenes System. „Wir werden Ende des Sommers bundesweit auf den Markt gehen“, sagt Dirk Reiche, Geschäftsführer der Firma Parcellock, des Gemeinschaftsunternehmens der drei Paketdienste.

Paketbutler der Feldsechs Service GmbH ab heute auf dem Markt

Ein kleines Hamburger Unternehmen kommt den DHL-Konkurrenten jetzt aber zuvor. Von heute an ist der sogenannte Paketbutler der Feldsechs Service GmbH aus Rotherbaum unter anderem in Hamburg auf dem Markt. „Wir bieten aktuell die einzige mobile, intelligente Lösung für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern an“, sagt Feldsechs-Geschäftsführer Reimer Hintzpeter. Das Unternehmen hat die Box gemeinsam mit der Telekom entwickelt. Anders als die vor einem Haus fest installierten Kästen der DHL wird der faltbare Paketbutler nur dann auseinandergeklappt vor die Wohnungstür gestellt, wenn der Logistikdienst die Zustellung einer Sendung angekündigt hat. Hat der Bote das Paket deponiert, lässt sich der Deckel des Butlers nur mit einem Code öffnen.

Die Box besteht aus reißfestem, nicht brennbarem Material und wird durch einen mit Metallfäden verstärkten Gurt vor Diebstahl gesichert, der zwischen Tür und Zarge geklemmt wird. „Es ist wie bei Fahrradschlössern. Einen absoluten Schutz gibt es nicht, aber Gelegenheitsdiebstähle können wir wirksam verhindern“, sagt Hintzpeter. Die Box fasst Pakete bis zur Größe von 50 x 30 x 70 Zentimetern und gut 31 Kilogramm Gewicht. „95 Prozent der Standard-Paketlieferungen in Deutschland passen hinein“, sagt Hintzpeter. Bleibt die Frage, wie der Zusteller überhaupt bis in das Mehr­familienhaus hineinkommt, um das Paket in die Box vor der Wohnungstür zu legen. Nach einem Feldversuch gemeinsam mit Zalando und DHL im vergangenen Jahr in Berlin weiß der Paketbutler-Macher: „Bei 90 Prozent der Zustellungen wird die Haustür von einem anderen Bewohner geöffnet.“

Kunden können den Butler mieten oder kaufen

Kunden können den Butler entweder für 249 Euro kaufen oder für 7,99 Euro pro Monat mieten. Die Nutzung einer App für den Datenaustausch mit dem Zustelldienst ist darin enthalten. Im Preis ist zudem eine Versicherung der Box selbst und ihres Inhalts bis zum Wert von 750 Euro in den ersten drei Jahren enthalten.

Im Prinzip ist der Butler offen für alle Lieferdienste, Feldsechs ist aber eine strategische Partnerschaft mit der Telekom eingegangen und kooperiert mit DHL. Deren Boten können aus der verschlossenen Box Pakete auch wieder entnehmen und etwa auf den Retourweg zum Onlinehändler bringen.

Aus Sicht von DHL ist der speziell für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entwickelte Butler eine Abrundung des eigenen Paketkastenangebots, sagt Unternehmenssprecherin Dunja Kuhlmann. Unlängst hat das Unternehmen eine größere Paketkastenanlage für Wohnhochhäuser vorgestellt. Sie wird zunächst in Berlin eingeführt.

Kasten für Einfamilienhäuser und Pakettasche für die Wohnungstür

Derweil läuft unter anderem in Hamburg noch der Parcellock-Feldversuch von Hermes, DPD und GLS. Auch Parcellock arbeitet mit Partnern an einem Kasten für Einfamilienhäuser und einer Pakettasche für die Wohnungstür. „Insbesondere der Kasten kommt bei den Nutzern sehr gut an“, sagt Geschäftsführer Reiche.

Der Paketbutler kommt heute außer in der Region Hamburg (in Orten, deren Postleitzahl mit den Ziffern 20 bis 22 beginnen) in München, Köln und Bonn auf den Markt. Bis Ende des Jahres sollen sechs weitere Städte folgen. Für 2017 sei die weitere Expansion geplant, sagt Feldsechs-Geschäftsführer Hintzpeter. Das Unternehmen lasse 20.000 der Klappboxen produzieren.

Eine ehrgeizige Zahl. DHL macht aus Wettbewerbsgründen keine Angaben, wie viele Hauspaketkästen derzeit bedient werden. In Branchenkreisen heißt es, es seien weniger als 10.000. Bestellt werden kann der Paketbutler auf der gleichnamigen Internetseite oder bei allyouneed.com. Er kommt per Paket ins Haus. Kunden werden noch einmal darüber nachdenken müssen, wie sie die Sendung ohne lästige Verzögerung in die Hände bekommen.