Hamburg

Hafen wird Teststrecke für Lkw ohne Fahrer

VW-Konzern will autonome Laster in Hamburg erproben. Dreijähriges Projekt sieht unter anderem einen Shuttle-Service zu Leercontainerdepots vor

Hamburg. Seit vergangenem Jahr testet der Automobilkonzern Daimler in den USA autonom fahrende Lastkraftwagen, also Fahrzeuge, die nur von einem Computer gesteuert werden. Bisher waren dafür einsame Landstraßen und lange gerade Strecken gefragt. Daimler-Konkurrent Volkswagen will die selbstfahrenden Lkw nun erstmals in einer Stadt einsetzen – und zwar in Deutschland, im Hamburger Hafen. Nach Informationen des Abendblatts stehen der Volkswagen-Konzern sowie der Senat kurz vor einer entsprechenden Vereinbarung. Bereits im Sommer soll das Projekt starten, als Teil einer Bewerbung für einen internationalen Kongress über intelligente Transportsysteme, den die Hansestadt gerne 2021 ausrichten möchte.

Bei Volkswagen in Wolfsburg wird das Thema derzeit noch unter Verschluss gehalten: „Wir arbeiten fortlaufend an neuen Konzepten für die Mobilität der Zukunft, zu aktuellen Gesprächen äußern wir uns aber nicht“, sagt Eric Felber, Leiter der Kommunikation für Unternehmen und Wirtschaft bei VW. Und auch die Hamburger Regierung ist wenig auskunftsfreudig: „Im Rahmen von Smartport-Projekten setzt sich die Hamburg Port Authority auch mit dem Thema Automatisierung auseinander. Zu einem neuen Projekt mit dem Thema autonomes Fahren von Lkw im Hafen führt die Hafenverwaltung HPA derzeit Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern“, antwortete der Senat auf eine schriftliche Kleine Anfrage der FDP-Fraktion.

Der Hafen ist als ein abgeschlossener Raum für Tests gut geeignet

Doch wie das Abendblatt jetzt erfuhr, ist dieses Projekt schon weit fortgeschritten. So gibt es bereits einen Arbeitskreis von Hafenvertretern mit VW-Verantwortlichen, der Strecken für die selbstfahrenden Lkw im Hafen identifizieren soll. Der Hafen eigne sich als abgeschlossener Raum gut für die Untersuchung, weil „die Umwelt dort anders als im Rest der Stadt weniger komplex“ sei, hieß es von einer mit dem Projekt vertrauten Person. Dort spielten keine Kinder, gebe es keine Zebrastreifen und kaum Fahrradfahrer.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt sieht mehrere Stufen vor: Zunächst soll auf einer abgesperrten Strecke die Zuverlässigkeit der Roboter-Lkw getestet werden. Diese können mithilfe verschiedener Sensoren ihre Position auf der Straße bestimmen, das eingegebene Ziel ansteuern und Kollisionen auf dem Weg vermeiden. In einem weiteren Schritt könnten diese führerlosen Transportfahrzeuge für einen Einsatz auf häufig gefahrenen Strecken getestet werden, etwa als Shuttle-Service zum Leercontainerdepot. Die großen Terminals HHLA und Eurogate sind zunächst außen vor, da der laufende Betrieb nicht gestört werden soll.

Zudem sammeln die Terminalbetreiber ihre eigenen Erfahrungen: Eurogate will in Wilhelmshaven jetzt den Einsatz autonomer Container-Portalstapler, sogenannte Van Carrier, testen. Und die HHLA hat an ihrem modernsten Containerterminal Altenwerder bereits seit vielen Jahren voll­­­automatische Transportfahrzeuge in Betrieb, die die Container von der Kaikante zum Blocklager bringen. Die fahrerlosen Transporter werden dabei von rund 20.000 Transpondern geleitet, die in den Boden eingelassen sind. Mit ihrer Hilfe bestimmen die Fahrzeuge ihre Position. Sie können bei Bedarf auch selbstständig tanken oder fahren für einen Batteriewechsel zur nächsten Ladestation.

Da VW selbst keine Lkw herstellt, sollen die Fahrzeuge dazu von den konzerneigenen Nutzfahrzeugmarken MAN und Scania stammen. Diese arbeiten wie Daimler seit geraumer Zeit an führerlosen Fahrzeugen. So sind MAN und Scania Teilnehmer der „European Truck Platooning Chal­lenge“ der niederländischen Regierung. Dabei rollen miteinander vernetzte Lkw in einer Kolonne zum Hafen von Rotterdam. Dazu gibt das erste Fahrzeug das Tempo vor, die anderen folgen computergesteuert in engem Abstand. Die Fahrer steuern nur. Der Verkehr wird dadurch flüssiger. Wartezeiten für Anmeldungen etwa beim Zoll reduzieren sich – und Unfälle durch übermüdete Fahrer gibt es nicht mehr.