Hamburg

Hapag-Lloyd macht wieder Verlust

Fallende Transporterlöse der Reederei führen zu einem Minus von 43 Millionen Euro. Neue Allianz soll Marktanteile sichern

Hamburg.  Rolf Habben Jansen ist kein Mann falscher Versprechungen. Bisher hat der Vorstandschef von Hapag-Lloyd alle seine Ankündigungen wahr gemacht, vom Zusammenschluss der Hamburger Traditionsreederei mit dem chilenischen Konkurrenten CSAV bis zum Börsengang. Doch um eine Ansage des holländischen Reederei-Chefs ist es schlecht bestellt, zumindest nach dem Geschäftsverlauf des ersten Quartals 2016: Habben Jansen will am Ende dieses Jahres erstmals den Hapag-Lloyd-Anteilseignern eine Dividende zahlen. Das Unternehmen ist nach einem guten Jahr 2015 aber schon wieder in die Verlustzone gerutscht.

Obgleich Hapag-Lloyd in den ersten drei Monaten 2016 die transportierte Menge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent auf 1,81 Millionen Standardcontainer (TEU) steigerte, brach der Umsatz um 16 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein. Grund sind die deutlich gesunkenen Transporterlöse. Lag die durchschnittliche Frachtrate pro transportierter Box vor einem Jahr noch bei umgerechnet 1170 Euro, waren es im Vergleichszeitraum dieses Jahres nur noch 940 Euro.

Reederei schmiedet Bündnis„THE Alliance“ mit fünf Konkurrenten

Zwar konnte Hapag-Lloyd die Erlösausfälle zum Teil mit einem Sparprogramm sowie einem niedrigeren Brennstoffverbrauch kompensieren. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) hielt sich die Schifffahrtsfirma vom Ballindamm mit 4,8 Millionen Euro noch knapp in der Gewinnzone. Unter dem Strich stand im ersten Quartal aber ein Minus von fast 43 Millionen Euro – und das nach einem Gewinn von 128 Millionen ein Jahr zuvor. Geht es so weiter, ist an eine Dividende für die Aktionäre gar nicht zu denken.

Zwei Dinge dürften Unternehmenschef Habben Jansen allerdings helfen, sein Versprechen doch noch wahr zu machen: Zum einen ist das erste Quartal in der Schifffahrt allgemein immer schwach. Sollte sich das Geschäft in den kommenden Monaten also beleben, kommt auch mehr Geld in die Kasse. Zum anderen hat Habben Jansen in weiser Voraussicht im Dezember 2015 ein weiteres Sparprogramm auf den Weg geschickt, mit dem er die Kostenbasis nochmals um einen hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag verbessern will, wie er am Freitag ankündigte. „Im saisonbedingt schwachen ersten Quartal haben wir ein akzeptables Ergebnis erreicht mit einem kleinen operativen Gewinn und einer EBITDA-Marge von 6,4 Prozent“, sagte Habben Jansen. Für das Gesamtjahr 2016 erwartet er deshalb einen „deutlichen Anstieg“ des Gewinns vor Steuern im Vergleich zum Vorjahr.

Um seine Marktanteile zu sichern, hat Hapag-Lloyd zudem mit fünf weiteren Reedereien eine neue Allianz ins Leben gerufen, die ab April 2017 alle Ost-West-Fahrtgebiete bedienen soll, also die Strecken von Asien aus nach Europa, nach Nordamerika sowie in den Nahen Osten. Die neue Partnerschaft mit den Reedereien Hanjin, „K“Line, Mitsui O.S.K. Lines, Nippon Yusen Kaisha und Yang Ming werde den Namen „THE Alliance“ tragen, teilte Hapag-Lloyd am Freitag mit. Die gemeinsame Flotte umfasst den Angaben zufolge mehr als 620 Schiffe mit rund 18 Prozent der weltweiten Kapazität der Containerschifffahrt.

Zusammen mit der United Arab Shipping Company (UASC) käme die Allianz sogar auf einen globalen Marktanteil von knapp 21 Prozent. Wie berichtet, verhandeln Hapag-Lloyd und die UASC derzeit über eine Fusion. Die Hamburger sollen 72 Prozent, die Araber 28 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen halten. Hierzu hatte Hapag-Lloyd aber nichts Neues zu berichten. „Die Gespräche laufen nach Plan“, hieß es.