Wirtschaft

Das sagen andere Café-Besitzer: Reich wird man damit nicht!

Inhaber von Due Baristi und eppenlove sprechen über ihre Erfahrung

Eckart Meyer vom Due Baristi: Fast zehn Jahre ist es her, dass Eckart Meyer, 54, seine Espressobar am Langenfelder Damm eröffnet hat. Zehn Jahre, in denen er sich von seinem Geschäftspartner getrennt und einen neuen Junior-Partner mit ins Unternehmen geholt hat. In denen er einen zweiten Laden in der Nachbarschaft übernommen und die Zahl seiner Sitzplätze damit verdoppelt hat. Und in denen er gelernt hat: „Reich wird man mit so einem Laden nicht“, sagt Eckart Meyer und erzählt, dass er lange von seinen Rücklagen gelebt hat – und von dem Gehalt seiner Frau. „Wenn ich eine Familie zu ernähren gehabt hätte, wäre das unmöglich gewesen.“

Im ersten Jahr hat er gar keinen Gewinn gemacht, in den zwei Folgejahren alles in den Laden reinvestiert. Bis er sich selbst mal ein Gehalt auszahlen konnte? Das habe Jahre gedauert. „Wem es nur ums Geldverdienen geht, der sollte es lieber lassen“, meint Eckart Meyer. Er hatte mal einen gut bezahlten Job als Manager. Dann Burn-out. Auszeit. Neuorientierung. Weil er selbst so gerne Kaffee trinkt, eröffnet er in dieser Zeit einen kleinen Espresso-Import im Hinterhof, auf Wunsch mit Verkostung. Anfangs hat er nur am Wochenende geöffnet, am ersten Tag kommen fünf Kunden. Dann zehn, dann 20. Als um die Ecke ein Gyros-Laden schließt, nutzt er die Chance und mietet das Geschäft zusammen mit einem Bekannten. Jeder von ihnen nimmt 15.000 Euro auf. Die Möbel kaufen sie auf dem Flohmarkt, den Tresen bauen sie selbst. Geld in Werbung investieren sie nicht. „Ich wollte lieber alles in die Maschinen und Zutaten stecken“, sagt Eckart Meyer. Bei der Qualität im Laden macht er keine Abstriche – privat schon. Er fährt einen alten Peugeot 205. Dafür hat er etwas, das ihm viel mehr bedeutet: Einen Job, den er liebt. Und das sei einfach unbezahlbar.

Angela Rüther von eppenlove: Als Angela Rüther, 54, und ihre Freundin Nina Danz, 49, vor drei Jahren das eppenlove eröffnet haben, waren sie absolute Gastro-Greenhorns, wie sie sagen. Die eine Kommunikationswirtin, die andere Visagistin, die sich aus „Lust und Liebe“ selbstständig gemacht haben. Nebenbei! Denn von dem Laden alleine können sie nicht leben. „Unser Ziel war es nie, viel Geld zu verdienen, sondern unserer Leidenschaft fürs Kochen und Dekorieren nachzugehen“, sagt Angela Rüther. Inzwischen ist das Café nur noch drei Tage pro Woche geöffnet. Außerhalb der Öffnungszeiten bieten die Eppenloverinnen ihr Lädchen, wie sie es liebevoll nennen, für private Feiern an oder liefern das Catering für Veranstaltungen. Das meiste machen sie allein, nur am Wochenende oder bei besonderen Veranstaltungen springt die Familie zur Unterstützung ein. Um Personalkosten zu sparen! Daher putzen sie auch selbst. „Wenn man sich überlegt, wie viel man verdienen muss, um einer Reinigungskraft 200 Euro im Monat zu zahlen, macht man es lieber selbst“, so Angela Rüther.

Am schwierigsten sei es gewesen, die Preise richtig zu kalkulieren. Inzwischen gilt „Faktor Vier“. Das heißt: „Wenn ich einen Kuchen backe, multipliziere ich den Einkaufspreis aller Zutaten mit vier, teile die Summe durch die Anzahl der Kuchenstücke und erhalte so meinen Verkaufspreis pro Stück.“ Rund 25.000 Euro haben die Frauen in den Laden investiert – zusammen. Was sie anderen raten würden? Rücklagen bilden! Nur so konnten sie selbst die Stromnachzahlung von 1200 Euro wuppen und den neuen Kühlschrank bezahlen, als der alte kaputtging. „Das kann einem sonst den Hals brechen“, sagt Angela Rüther. Ob sie sich noch mal selbstständig machen würde? Sie überlegt. Zögert. Dann sagt sie: „Ja – aber nicht, wenn ich davon leben müsste.“