Berlin

Ausgaben für Flüchtlinge kurbeln Konjunktur an

Auch kauffreudige Verbraucher und Investitionen treiben Bruttoinlandsprodukt mit 0,7 Prozent auf höchsten Wert seit zwei Jahren

Berlin.  Deutschland wächst schneller als die Nachbarn in Europa. Dank kauffreudiger Verbraucher, höherer Ausgaben für Flüchtlinge und steigender Investitionen wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März um 0,7 Prozent. Der Anstieg ist mehr als doppelt so groß wie im Vorquartal und so kräftig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Von den 19 Euro-Ländern schafften nur Spanien und Zypern stärkere Zuwächse, zeigen Daten des Statistikamtes Eurostat vom Freitag.

„Die deutsche Wirtschaft ist gut in das Jahr 2016 gestartet“, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Allerdings geht sein Haus davon aus, dass dieses Tempo nicht gehalten werden kann. Denn es ist auch Sondereffekten wie dem milden Winter geschuldet, zudem bleiben Risiken wie ein EU-Ausstieg Großbritanniens.

„Nach diesem Paukenschlag dürfte das Orchester vorerst wieder leiser spielen“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Ganz so kräftig wird das Wachstum nicht bleiben, aber hoch genug, damit die Beschäftigung weiter steigt“, sagte der Europa-Chefvolkswirt der schwedischen Bank Nordea, Holger Sandte. Das Wirtschaftsministerium erklärte, dass vor allem die Bauunternehmen viele Projekte wegen der milden Witterung vorziehen konnten. Dadurch dürfte „die übliche Frühjahrsbelebung etwas schwächer ausfallen“.

Impulse kamen im ersten Quartal aus dem Inland. „Die privaten Haushalte und der Staat erhöhten ihre Konsumausgaben zum Jahresbeginn“, erklärte das Statistische Bundesamt. Wegen der Rekordbeschäftigung, steigender Löhne und niedriger Inflation sitzt das Geld bei den Verbrauchern locker, während der Staat mehr für Unterbringung und Versorgung Hunderttausender Flüchtlinge ausgibt. Auch die Investitionen legten zu. Sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge sei deutlich mehr investiert worden. Der Außenhandel lief dagegen nicht mehr ganz so rund, weil die Importe stärker stiegen als die Exporte. Letztere leiden unter der schwächelnden Nachfrage aus großen Schwellenländern wie China und Russland. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. „Die Exportaussichten werden sich voraussichtlich nur langsam aufhellen“, erklärte das Wirtschaftsministerium.

Während das Übersee-Geschäft schwächelt, dürfte die Nachfrage aus Europa robust bleiben. So wuchs das BIP der Euro-Zone im ersten Quartal um 0,5 Prozent, während die USA – die weltgrößte Volkswirtschaft – nur auf 0,1 Prozent kamen. „Noch wichtiger ist aber der Rückgang der Arbeitslosenquote auf ein Fünf-Jahres-Tief“, führte KfW-Chefvolkswirt Zeuner aus. „Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der private Konsum den Aufschwung weiter tragen kann.“

Für das Gesamtjahr rechnet die Bundesregierung mit einem BIP-Anstieg von 1,7 Prozent. Das wäre genauso viel wie 2015. Im kommenden Jahr sollen es dann 1,5 Prozent sein.