Hamburg

500 Millionen Euro für Harburg

Daimler erweitert Hamburger Produktionswerk um Antriebsteile für Elektrofahrzeuge. Beschäftigte arbeiten dafür flexibler

Hamburg. Kaum haben sich Bund und Automobilindustrie auf Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität geeinigt, startet die Daimler AG ein großes Investitionsprogramm: Profiteur ist im Rahmen der Wachstumsstrategie des Stuttgarter Konzerns der Standort Hamburg. So kündigte Daimler am Donnerstag an, das Mercedes-Benz Werk in Hausbruch für eine halbe Milliarde Euro bis zum Jahr 2021 auszubauen. Der nördlichste deutsche Daimler-Ableger mit seinen 2500 Mitarbeitern soll neu ausgerichtet und die Produktion um Komponenten für Elektroautos erweitert werden, wie das Unternehmen mitteilte.

„Mit der Investition von 500 Millionen Euro entwickeln wir das Hamburger Werk zu einem Hightech-Standort für Antriebskomponenten der Elektromobilität weiter“, sagte Wolfgang Lenz, Standortverantwortlicher des Mercedes-Benz Werks Hamburg. „Das ist eine Bestätigung der hohen Qualifikation und hervorragenden Leistung unserer Belegschaft.“

Die Mercedes-Fabrik in Hausbruch im Bezirk Harburg behält ihre vier Produktionssäulen Achsen- und Achsenkomponenten, Leichtbaustrukturteile – etwa der Cockpit-Querträger für die C- und E-Klasse –, Lenksäulen und Komponenten für die Abgastechnologie. Damit wird in jedem Mercedes-Benz-Auto mindestens ein Produkt aus Hamburg verbaut. Als fünfte Säule sollen künftig Antriebsteile für die Elek­tromobile in Hamburg hergestellt werden. Um welche Teile es sich genau handelt, will Mercedes noch nicht verraten. „Es sind Zukunftsprodukte für die E-Mobilität, in die wir große Hoffnungen setzen“, sagte Silke Ernst, Sprecherin des Daimler-Gesamtbetriebsrats. Angesichts der Entscheidung zur Förderung der Elektromobilität vom Vortag, sei der Betriebsrat „in der frohen Erwartung“, dass damit auch die Zukunft des Standorts Hamburg gesichert ist. Daimler will bis 2017 zehn neue Modelle mit Plug-in-Motor auf dem Markt haben und bis Ende der Dekade ein reines Elektromodell.

Die Investitionsentscheidung für Hamburg sei Bestandteil des „Zukunftsbilds“, dass die Werkleitung gemeinsam mit dem Betriebsrat geschlossen habe, sagte Werksleiter Lenz. Zur Vereinbarung gehören auch eine Erhöhung der Ausbildungsplätze auf 26 Stellen pro Jahr für 2017 und 2018 sowie die Schaffung von zehn neuen unbefristeten Arbeitsplätzen, die noch in diesem Jahr besetzt werden sollen. Außerdem sieht das Maßnahmenpaket Vereinbarungen für flexiblere Arbeitszeitmodelle vor, wie die Einführung von Frühschichten am Sonnabend.

Das „Zukunftsbild“ für das Hamburger Mercedes-Benz Werk bildet den Abschluss einer Strategie von Daimler zur klaren Gliederung der Produktionsschwerpunkte sowie zur Modernisierung der Pkw-Fertigung. Dazu hat der Automobilhersteller in den vergangenen Jahren zwischen 500 Millionen und einer Milliarde in seine einzelnen Werke investiert – im Rahmen der Zukunftsbild-Vereinbarung von den Arbeitnehmern aber auch ein Entgegenkommen gefordert, etwa in der Flexibilisierung der Arbeitszeiten. „Der Abschluss der Zukunftsbilder ist ein wichtiger Meilenstein in unserer Wachstumsstrategie. Wir stellen unsere Pkw- und Komponenten-Werke auf ein zukunftsfähiges Fundament und stärken ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Markus Schäfer, Bereichsvorstand Mercedes-Benz Cars. Insgesamt geht es um Investitionen in Höhe von mehr als fünf Milliarden Euro für die Pkw-Produktion.

Für die Belegschaft in Hamburg sei das vereinbarte Zukunftsbild ein gutes Signal: „Das Werk nimmt an der erfolgreichen Wachstumsstrategie des Unternehmens teil und profitiert von den Zukunftschancen der Branche“, ergänzte Jörg Thiemer, Vorsitzender des Betriebsrats des Mercedes-Benz Werks. Die Erhöhung der Zahl der Ausbildungsplätze und Festeinstellungen zeige, dass das Unternehmen auch künftig auf den Standort Hamburg setzt, sagte Thiemer.

Stadt will Mercedes auch bei künftigen Werkserweiterungen unterstützen

„Innovative Technologien, Verfahren und Produkte eröffnen der Wirtschaft neue Wachstumspotenziale, schaffen und erhalten qualifizierte Arbeitsplätze und bringen Standortvorteile im internationalen Wettstreit um die klügsten Köpfe“, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). In diesem Kontext stelle sich auch Mercedes-Benz am Standort neu auf. „In diesem Zusammenhang freut es mich besonders, dass Mercedes-Benz auch die Zahl seiner Ausbildungsplätze erhöht. Hamburg steht bereit, Mercedes auch bei zukünftigen Erweiterungen zu unterstützen“, versprach Horch.

„Das ist eine tolle Nachricht und ein starkes Bekenntnis für den Innovationsstandort Hamburg“, freute sich der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hansjörg Schmidt. „Es ist großartig, dass in Hamburg in Zukunft nicht nur Elektroautos gefahren, sondern auch produziert werden.“ Der rot-grüne Senat habe es sich zum Ziel gesetzt, die Luft- und Lärmprobleme im Straßenverkehr zu verringern. Es sei erfreulich, dass sich ganz offensichtlich Betriebsrat und Werksleitung für ein Umdenken in Richtung alternativer Antriebe entschieden hätten, sagte Martin Bill von den Grünen.