Wolfsburg

Dienstag startet VW Golf-Rückruf

15.000 Autos sollen wegen Abgas-Affäre in die Werkstätten. Vergütung für Winterkorn bricht ein

Wolfsburg.  Volkswagen kämpft weiter mit dem massiven Flurschaden der Abgas-Affäre und muss zugleich den tiefgreifenden Umbruch in der Branche stemmen. Der milliardenteure Skandal um weltweit rund elf Millionen manipulierte Fahrzeuge wird noch länger aufgearbeitet. Doch parallel dazu will Europas größter Autobauer seine Zukunft bei wichtigen Themen wie Elektromobilität, Digitalisierung und neuen Dienstleistungen sichern.

Weil sich die Umrüstung des Passat weiter verzögert, zieht VW das Massenmodell Golf ab kommendem Dienstag vor, sagte Markenchef Herbert Diess bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Wolfsburg. Der Passat hätte mit ersten Varianten bereits von Ende Februar an für ein Software-Update zurückgerufen werden sollen. Jetzt kommt zuerst der Golf an die Reihe, für den sich VW mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf ein entsprechendes Vorgehen einigte. Der Golf-Rückruf gilt zunächst für 15.000 Wagen mit Schaltgetriebe und 2,0-Liter-Motor.

Verkäufe einzelner Marken zur Bewältigung der Krise sind für Müller derzeit kein Thema. „Wir befassen uns mit dieser Frage gegenwärtig nicht“, sagte er zu Spekulationen über Verkaufsabsichten bei der Truck-Holding mit MAN und Scania. Wegen der Abgas-Krise hatte VW schon einen Finanzpuffer von 16,2 Milliarden Euro gebildet, der 2015 unterm Strich einen Rekordverlust von 1,6 Milliarden Euro brachte. „Ob da weitere Beträge dazu kommen, wissen wir nicht.“

In dem Zwölf-Marken-Konzern wächst zudem der Druck, trotz eines verschärften Sparkurses mehr Mittel in die Neuausrichtung zu stecken. Die Autobranche erlebt mit der steigenden Vernetzung riesige Umwälzungen. „Wir unterhalten uns nicht mit Apple und Google“, stellte Müller zu möglichen Kooperationen mit den US-Internet-Konzernen klar. Man schotte sich aber auch nicht ab. Finanzchef Frank Witter: „Wir sehen steigenden Bedarf in Investitionen in neue Antriebs- und Mobilitätskonzepte, Urbanisierung und Digitalisierung.“

Die üppigen Gehälter der VW-Vorstände sind infolge von „Dieselgate“ 2015 deutlich geringer ausgefallen als zuvor. Im Geschäftsbericht stehen Gesamtbezüge von mehr als 60 Millionen Euro. Die Vorstände hatten sich bereiterklärt, einen Teil des Anspruchs auf die umstrittenen Bonuszahlungen zurückzustellen. Ex-Chef Martin Winterkorn muss finanziell deutlich Federn lassen. Der Ende September 2015 zurückgetretene Manager, dessen Vertrag aber noch bis Ende 2016 weiterläuft, erhält für das vorige Jahr 7,3 Millionen Euro. 2014 hatte Winterkorn noch fast 16 Millionen Euro kassiert.