Arbeitsmarkt

Lohnunterschiede in Hamburg über dem Bundesdurchschnitt

In Hamburg ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern deutlich größer als in Schleswig-Holstein

In Hamburg ist der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern deutlich größer als in Schleswig-Holstein

Foto: Imago/Chromorange

Männer verdienen in der Hansestadt noch immer deutlich mehr als Frauen. In Schleswig-Holstein sind die Unterschiede geringer.

Hamburg. Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Deutschland mit 21,6 Prozent so groß wie in kaum einem anderen Land Europas. Jetzt steht fest: Innerhalb der Bundesrepublik ist es in Hamburg um die Verdienste weiblicher Arbeitnehmerinnen sogar noch schlechter bestellt. Wie das Statistikamt Nord am Mittwoch bekanntgab, lag die Diskrepanz in der Hansestadt im vergangenen Jahr bei 24 Prozent. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein betrugen die Unterschiede im Verdienst rund 15 Prozent.

In beiden benachbarten Bundesländern konnten die Lohnunterschiede um jeweils einen Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr verringert werden. Doch während die Differenz zwischen Männer- und Frauengehältern in Schleswig-Holstein seit 2010 von damals 18 Prozent auf nunmehr 15 Prozent sank, ist sie in Hamburg im gleichen Zeitraum sogar wieder um ein Prozent gestiegen (2010: 23 Prozent). Erst Anfang März hatte Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) angekündigt, die Lohnlücke in Deutschland per Gesetz verringern zu wollen.

In Hamburg höhere Löhne als in Schleswig-Holstein

Insgesamt hob sich das Lohnniveau sowohl bei Männern als auch bei Frauen in den letzten sechs Jahren kontinuierlich an. In Hamburg lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst im Jahr 2010 bei etwas mehr als 22 Euro, im vergangenen Jahr schon bei 24 Euro. Frauen verdienten 2010 im Schnitt rund 17 Euro brutto pro Stunde, fünf Jahre später knapp 18 Euro.

In Schleswig-Holstein stieg der Männerverdienst dagegen nur leicht von etwas unter auf etwas über 17 Euro. Frauen verdienten 2010 rund 14 Euro, im Jahr 2015 fast 14,50 Euro. Die großen Unterschiede zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein sind laut Statistikamt unter anderem auch auf Unterschiede im Branchenmix sowie die Größenstruktur der Unternehmen im Flächenland und im Stadtstaat zurückzuführen.

Bereinigte Zahlen kommen im Herbst

Bei den nun veröffentlichten Lohnunterschieden handelt es sich nach Angaben des Statistitamtes um einen sogenannten unbereinigten Gender Pay Gap. Das bedeutet, dass zum Vergleich nur absolute Verdienstsummen herangezogen wurden, unabhängig von Tätigkeitsfeld und Berufsstand. Daher seien die Zahlen kein unbedingtes Indiz für unterschiedliche Bezahlungen von Frauen und Männern für vergleichbare Tätigkeiten in ein und demselben Unternehmen.

Allerdings lieferten die Ergebnisse einen Hinweis auf Unterschiede in der Berufs- und Branchenwahl und darauf, dass Frauen in Positionen mit Top-Verdiensten unterrepräsentiert seien. Verdienstunterschiede bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit werden im bereinigten Gender Pay Gap angegeben. Dieser wird allerdings nur alle vier Jahre ermittelt, die nächste Veröffentlichung ist für Herbst dieses Jahres vorgesehen.

Insgesamt hat in Deutschland die Erwerbstätigkeit von Frauen in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Nach Daten des Arbeitsministeriums stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen von 2005 bis 2014 um 2,2 Millionen auf 18,6 Millionen – ein Anstieg um 13,2 Prozent. 3,1 Millionen sind ausschließlich geringfügig beschäftigt. Rund ein Drittel der weiblichen Arbeitnehmer hatte atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeit, befristete Jobs oder Zeitarbeit. Unter den Teilzeitbeschäftigten mit bis zu 20 Wochenstunden sind 85 Prozent Frauen, auch drei Viertel aller Minijobs werden von Frauen ausgeübt.