Frankfurt

China-Krise: DAX rutscht unter 10.000 Punkte

Börsenhandel in Shanghai zum zweiten Mal in diesem Jahr ausgesetzt. Deutscher Leitindex verliert zeitweise rund vier Prozent

Frankfurt. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage sendet der Absturz der chinesischen Aktienbörsen Schockwellen durch die internationalen Finanzmärkte. In Shanghai wurde der Handel am Donnerstag wegen eines siebenprozentigen Kursrutsches nach nur einer halben Stunde automatisch abgebrochen. So kurz war eine Börsensitzung in China noch nie. Der Deutsche Aktienindex (DAX) brach daraufhin zeitweise um vier Prozent auf 9810 Punkte ein. Er rutschte damit erstmals seit vergangenem Oktober wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten.

Zudem gab er in nur vier Handelstagen fast seinen gesamten zehnprozentigen Vorjahresgewinn ab. Später erholte er sich wieder. „Die Stimmung nimmt vor allem bei Kleinanlegern allmählich panische Züge an“, sagte ein Börsianer. Am Montag waren Chinas Börsen schon einmal um sieben Prozent abgestürzt und der Handel von den Behörden per Notbremse gestoppt worden. Das hatte von Tokio bis New York für kräftige Kursabschläge gesorgt und dem DAX den schwärzesten Jahresauftakt seiner Geschichte eingebrockt. Am Aktienmarkt warfen die Anleger am Donnerstag vor allem Autowerte aus ihren Depots; die Branche hatte zuletzt stark in China zugelegt.

Auslöser für die jüngste Verkaufswelle war die erneute Abwertung des chinesischen Yuan: Zum achten Mal in Folge hob Chinas Notenbank (PBOC) den Referenzwert des Dollar an. Damit schürte sie die Furcht vor einer weiteren Abkühlung der nach den USA weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Die Analysten der ANZ Bank warnten, mit der Erwartung eines weiter fallenden Yuan werde die Kapitalflucht aus China noch verstärkt, was zu großer finanzieller Instabilität führe. Nach Einschätzung der Analysten der Essener National-Bank besteht das Risiko, dass Chinas Regierung das Vertrauen, das ihr bislang für die Reformschritte entgegengebracht wurde, verspielt.

Die Furcht vor einer schwächeren China-Nachfrage schlug auch an den Rohstoffmärkten voll durch: Der Preis für Brent rutschte um bis zu sechs Prozent ab. Mit 32,16 Dollar kostete ein Fass (159 Liter) der wichtigen Rohöl-Sorte aus der Nordsee so wenig wie zuletzt im April 2004.