Hermes

Hier gehen am Tag 40.000 Pakete auf die Reise

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Heiner Schmidt
Viel zu tun: Die Hermes-Niederlassung in Hamburg hat ihr Personal für die Zeit des Weihnachtsgeschäfts von 60 auf 80 Mitarbeiter aufgestockt

Viel zu tun: Die Hermes-Niederlassung in Hamburg hat ihr Personal für die Zeit des Weihnachtsgeschäfts von 60 auf 80 Mitarbeiter aufgestockt

Foto: Roland Magunia

Bundesbürger bestellen ihre Geschenke zum Weihnachtsfest immer öfter online. Zu Besuch beim Paketdienst Hermes in Hamburg.

Hamburg.  Gegen 7 Uhr am Morgen setzt die Nachtschicht in der Hamburger Niederlassung des Hermes-Paketdienstes zum Endspurt an: Der letzte von gut 30 Lkw in dieser Nacht ist rückwärts an eines der Hallentore gerollt. Er ist am späten Abend im oberfränkischen Burgkunstadt in einer der sechs Hauptumschlagbasen des Unternehmens Richtung Hamburg gestartet.

Noch einmal wird die Nachtschicht mehr als 1000 Pakete aus einem Lastwagen auf ein Förderband umladen, noch einmal werden mehr als 1000 Pakete gescannt, automatisch nach Bestimmungsorten sortiert und zu neuen Fuhren zusammengestellt. Sie gehen entweder zu kleineren, den sogenannten Satelliten-Depots im nördlichen Umland der Stadt, direkt in einen der 340 Paketshops, die zur Niederlassung gehören, oder gleich in einen der Kleinlaster, die sich in den nächsten Stunden auf den Weg zu den Empfängern machen werden.

„Am Mittwoch sind mehr als 40.000 Pakete rausgegangen“, sagt Nils Kessler, der Leiter der zweitgrößten Hermes-Niederlassung in Deutschland. Es war der Tag mit dem größten Aufkommen des Jahres, und die 15.000 Sendungen, die von den Fahrern in den Paketshops eingeladen und am Ende des Tages in der mehr als fußballfeldgroßen Halle eingeliefert wurden, kamen noch hinzu. Ladung für weitere zehn bis zwölf Lkw, die derzeit jeden Tag von Hamburg aus in das Hermes-Paketsystem eingespeist wird. Es war wohl der Höhepunkt der Weihnachtssaison in der Hamburger Niederlassung. In diesem Dezember, sagt deren Leiter Kessler, werden an der Schnackenburgallee in Eidelstedt erstmals mehr als eine Million Pakete binnen eines Monats abgefertigt.

Hermes, DHL, DPD und Co. profitieren von der wachsenden Lust der Deutschen am Geschenkekauf im Internet. 41,7 Milliarden Euro wird der Onlinehandel nach Schätzungen des Handelsverbands Deutschland in diesem Jahr umsetzen, allein elf Milliarden im Weihnachtsgeschäft. Das sind jeweils zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Und in den Großstädten ist der Einkauf per Mausklick besonders beliebt.

Bundesweit rechnet Hermes mit 15 Prozent mehr Paketen im Weihnachtsgeschäft, in Hamburg wird die Steigerungsrate mehr als doppelt so hoch sein. Und das auch, weil die DHL-Konkurrenten weiter vom wochenlangen Streik bei der Post-Paketsparte im Sommer profitieren. „Wir haben damals viele Kunden gewonnen, die uns treu geblieben sind“, sagt Kessler.

5,4 Millionen Bestellungen an einem Tag

Auch über das gesamte Jahr gesehen, sind die Zuwächse beträchtlich. Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik rechnet für 2015 mit 4,5 bis fünf Prozent mehr Sendungen als im Vorjahr: 140 Millionen Pakete zusätzlich, 400.000 an jedem Tag. In der Woche zwischen dem dritten und dem vierten Advent aber ein Vielfaches davon. Allein beim Online-Versandhändler Amazon gingen am Montag nach eigenen Angaben 5,4 Millionen Bestellungen ein – die größte Menge binnen 24 Stunden in der Geschichte des Unternehmens.

„Die Bänder laufen auf Hochtouren“, heißt es bei Hermes. „Die Anlagen stehen kaum noch still“, sagt auch Martin Grundler, der Sprecher von DHL im Norden. Im Paketzentrum Allermöhe würden derzeit täglich 500.000 statt 250.000 Sendungen pro Tag bearbeitet. Zwar gilt für die Mitarbeiter der Branche während der Weihnachtssaison für gewöhnlich eine Urlaubssperre, doch die Unternehmen benötigen zusätzlich ein Heer von Aushilfen und Zeitarbeitern. Bei DHL sind es bundesweit nach eigenen Angaben etwa 10.000 zusätzliche Arbeitskräfte, bei Hermes 5600 und bei DPD 4000. Zudem haben die Unternehmen Tausende weitere Fahrzeuge im Einsatz. „Bei Hamburger Autovermietungen einen Kleinlaster zu bekommen, dürfte derzeit ziemlich schwer sein“, sagt Nils Kessler. Er hat den Fuhrpark der Hamburger Niederlassung vorübergehend von knapp über 200 auf 250 bis 260 aufgestockt und schon im für die Branche beschaulichen Ferienmonat August die ersten Mietverträge abgeschlossen.

Die Arbeits- und Zwischenlagerflächen in der Hermes-Halle an der Schnackenburgallee aber sind begrenzt. „Wir nähern uns langsam der Kapazitätsgrenze“, sagt der Niederlassungsleiter. Sein zur Otto Group gehörender Arbeitgeber will expandieren. „Hermes plant bis zum Jahr 2018 Investitionen in Höhe von rund 300 Millionen Euro in den Bau neuer Logistikzentren in Deutschland. Damit bereiten wir uns auf das anhaltende Wachstum im E-Commerce-Geschäft vor und rücken näher an unsere kleinen und mittelständischen Kunden heran.“ Allen Voraussagen zufolge wird die Branche weiter kräftig wachsen. Der Handelsverband rechnet für 2019 mit bereits 70 Milliarden Euro Umsatz im Onlinehandel, der Bundesverband Paketlogistik prognostiziert einen sogar noch etwas stärkeren Zuwachs der Sendungsmengen als in diesem Jahr.

Nils Kessler weiß, dass er und die gut 60 festen Mitarbeiter der Niederlassung, die derzeit von 20 Aushilfen unterstützt werden, auch nach Ende des Weihnachtsgeschäfts gut zu tun haben werden. Wenn er am Heiligabend „so gegen 16 oder 17 Uhr“ die Halle abschließt, kann er sich ein paar Tage ausruhen – und sich auf die nächste Paketwelle vorbereiten. „Der Januar“, sagt Kessler, „ist der Monat der Retouren.“

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