Boykott-Aufruf

Gewaltandrohungen: „dm“ sagt Spendenaktion für Kurden ab

Die Spendenaktion eines „dm“-Marktes für einen kurdischen Verein sollte Flüchtlingen helfen. Wegen angedrohter Gewalt ist sie abgesagt.

Troisdorf.  Wegen einer Spendenaktion, die Flüchtlingen zugute kommen sollte, ist die Drogeriemarktkette dm bedroht worden - und hat die Aktion abgesagt. Das Unternehmen wolle keinen Nährboden für Eskalation bieten, erklärte am Dienstagabend Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Geplant war, dass sich der Journalist und „Cap Anamur“-Gründer Rupert Neudeck am 17. Oktober im „dm“-Markt im nordrhein-westfälischen Troisdorf an die Kasse setzt. Nachdem bekannt geworden war, dass seine Einnahmen an die Kurdische Gemeinschaft Rhein-Sieg/Bonn gehen sollte, ging es los: Einige nationalistische Türken riefen zum Boykott der Kette auf. Der Vorwurf: Mit dem Geld werde die von Deutschland als Terrororganisation eingestufte Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterstützt.

Unternehmen wurde wegen Spendenaktion bedroht

Das Unternehmen hatte zunächst noch versucht, die Gemüter zu beruhigen. Der Verein engagiere sich sozial und biete unter anderem zurzeit Asylbewerbern Deutschunterricht an. Doch am Dienstag sagte „dm“ die Aktion ab: „Wir haben wenig Verständnis dafür, dass soziale Hilfsaktionen Anlass sein sollen zur politischen Interessensvertretung oder gar zu verbaler oder physischer Gewaltausübung. Das verurteilen wir grundsätzlich“, so Geschäftsführer Harsch.

Der Erlös der geplanten Aktion sei ausschließlich für Deutschunterricht für integrationswillige Menschen bestimmt gewesen. dm müsse aber feststellen, "dass wir mit Gewaltandrohungen wegen unserer Spendenaktion (...) konfrontiert sind.“ Mit der Absage wolle man deeskalieren: „Wir wollen zu Frieden und Verständigung beitragen, nicht aber Anlass bieten für Konfrontation und Eskalation.“

Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinschaft Deutschlands, sagte dem Deutsch-Türkischen Journal, mit der Kampagne schadeten sich die Türken nur selbst. "Das Wort 'Kurde' löst leider bei einigen Türken gleich eine Assoziation oder gar Gleichsetzung mit dem Begriff Terror aus.“

Auf der Facebook-Seite dankte das Unternehmen denjenigen, die sachlich kommentiert hatten - und bat andere darum, auf der Seite nicht weiter für „Beleidigungen, Bedrohungen, Beschimpfungen und rassistische Kommentare“ zu posten. fb-Post dm