Kiel

Wohnen an der Küste wird immer teurer

Ein Reetdachhaus in Nebel auf Amrum. Auf der nordfriesischen Insel stiegen die Preise für Häuser seit zwei Jahren um etwa 50 Prozent

Ein Reetdachhaus in Nebel auf Amrum. Auf der nordfriesischen Insel stiegen die Preise für Häuser seit zwei Jahren um etwa 50 Prozent

Foto: Imago

Immobilienpreise an Nord- und Ostsee steigen innerhalb von zwei Jahren um fast 50 Prozent. Sylt wird teilweise günstiger.

Kiel.  Wohnen nah an Nord- oder Ostsee ist stark gefragt. Seit 2013 sind die Immobilienpreise in diesen Regionen weiter gestiegen, in der Spitze sogar um knapp 50 Prozent. Das geht aus einer neuen Studie der LBS Hamburg-Schleswig-Holstein hervor, die über 7000 Immobilienangebote ausgewertet hat. Peter Magel, Vorstandsvorsitzender der LBS Hamburg-Schleswig-Holstein, bringt die Preisentwicklung auf einen einfachen Nenner: „Je besser die Verkehrsanbindung und die Infrastruktur ist, desto höher fällt der Quadratmeterpreis aus.“ Auch der kurze Weg zum Meer muss mit einem kräftigen Preisaufschlag bezahlt werden. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. „Auch wegen der niedrigen Zinsen wird die Nachfrage nicht nachlassen“, sagt Magel.

In der Lübecker Bucht werden die höchsten Preissteigerungen in Großenbrode verzeichnet. Der Ort liegt direkt am Fehmarnsund. Innerhalb von zwei Jahren sind die Preise für Eigentumswohnungen hier um 32 Prozent gestiegen; im Schnitt müssen jetzt 1926 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche bezahlt werden.

Nur in Scharbeutz, Timmendorfer Strand und Lübeck-Travemünde sind die Immobilienpreise in dieser Region noch deutlich höher. Die Region ist bei den Hamburgern auch gefragt, weil viele Orte innerhalb einer Stunde von Hamburg aus mit dem Auto erreichbar sind.

Der Ortskern von Großenbrode wird von alten Reetdachkaten bestimmt, und Sandstrand, Seebrücke und Mole machen das maritime Flair perfekt. „Der Ort wird wegen seines Sportboothafens mit fast 1000 Liegeplätzen vor allem von Aktivurlaubern geschätzt“, sagt Magel.

Auf Fehmarn stiegen die Preise um 25 Prozent. „Der Grund ist die Insellage und das begrenzte Angebot“, sagt Alexandra Wessel von Jörns Immobilien. „Wir können die Nachfrage gar nicht decken.“ Neubauten gibt es fast nicht und wenn, dann werden dafür Bestandsobjekte abgerissen. Im Durchschnitt liegen die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen auf dem Niveau von Großenbrode. Doch in gefragten Ortsteilen wie Burgtiefe müssen schon rund 3000 Euro pro Qua­dratmeter bezahlt werden. Dabei ist der Meerblick noch nicht einmal inklusive. Die Preise für Einfamilienhäuser auf Fehmarn bewegen sich in einer Spanne zwischen 70.000 Euro für ein renovierungsbedürftiges Häuschen aus den 1920er- und rund 700.000 für ein Objekt aus den 1990er-Jahren.

Die höchsten Immobilienpreise werden in der Lübecker Bucht für Scharbeutz und Timmendorfer Strand aufgerufen. „Das Geld fließt unverändert in Betongold“, sagt Annegret Möllerherm vom gleichnamigen Maklerunternehmen in Scharbeutz. Dort gibt es eine rege Bautätigkeit, die allerdings auch mit einer Verdichtung einhergeht. „Wo früher zwei Wohneinheiten standen, sind es jetzt vier“, sagt Möllerherm. „Sobald ein neues Projekt auch nur in Ansätzen bekannt wird, lassen sich die Kunden Wohnungen reservieren.“ Die LBS weist für Scharbeutz einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis für gebrauchte Eigentumswohnungen von 2784 Euro aus. Das entspricht einem Anstieg von 22,3 Prozent gegenüber 2013.

Mit direktem Seeblick wird es in Scharbeutz richtig teuer

„Je näher die Wohnungen am Wasser liegen, desto teurer werden sie“, sagt Möllerherm. Für Seeblick müssen 5500 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden, auch wenn die Wohnung schon knapp 50 Jahre alt ist. Etwas günstiger sind die kleinen Eigentumswohnungen nach Möllerherms Einschätzung in Haffkrug, das ebenfalls zu Scharbeutz gehört. Hier müssen 2500 bis 3000 Euro je Quadratmeter für Bestandsobjekte ausgegeben werden. Je nach Lage ist dann das Zentrum von Scharbeutz ein bis zwei Kilometer entfernt.

In Timmendorfer Strand sind die Preise von Eigentumswohnungen um 19,4 Prozent gestiegen. Der Durchschnittspreis liegt bei 3500 Euro je Quadratmeter.

Eine interessante Entwicklung zeigt sich auf Sylt. Zwar ist die Insel immer noch der teuerste Standort im Norden. Mit einem Quadratmeterpreis von durchschnittlich 18.793 Euro sind Ein- und Zweifamilienhäuser im Sylter Nobelort Kampen weiterhin am kostspieligsten. Es folgt Rantum mit 13.722 Euro. Aber insgesamt stellen die Experten der LBS für die Insel eine Preisstagnation fest. Während Rantum noch hohe Preissteigerungen verzeichnet, sind nach der LBS-Studie in List bei gebrauchten Ein- und Zweifamilienhäusern Preisrückgänge von 20 Prozent zu verzeichnen. Der Quadratmeter Wohnfläche sei mit rund 9300 Euro fast 2350 Euro günstiger als noch vor zwei Jahren. Auch in Sylt-Ost seien Eigentumswohnungen aus dem Bestand um neun Prozent günstiger geworden. Hier sei eine gewisse Beruhigung eingezogen, sagt Magel. „Bei hochpreisigsten Lagen wird nicht mehr alles gezahlt.“

Experten streiten um die Preisentwicklung auf Sylt

Bei den Maklern auf der Insel stößt das auf deutlichen Widerspruch. „Solche Preisrückgänge kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Ole König von der gleichnamigen Maklerfirma. „Man kann heute kein Haus günstiger kaufen als vor zwei Jahren.“ Es werde zwar auf der Insel viel gebaut, aber auch gut abverkauft. Die Vermarktungszeiten hätten sich auch kaum verlängert. „Für weniger als eine Million Euro ist ein Haus in List nicht zu haben“, sagt König. Auch Torsten Paulsen von Grossmann & Berger sieht keine Preisrückgänge auf Sylt. Allerdings räumt er für List eine Preisberuhigung ein – nach einem Anstieg in den Vorjahren. „Dennoch verzeichnen wir dort noch Preissteigerungen von zwei bis vier Prozent pro Jahr“, sagt Paulsen.

Die hohen Preise auf Sylt haben auch Auswirkungen auf andere Inseln. Nach Einschätzung der LBS gibt es Ausweichreaktionen. So werde statt auf Sylt nach Wohnraum auf anderen Inseln gesucht, sagt Magel. Davon profitiert Amrum, wo sich Häuser innerhalb von zwei Jahren fast um 50 Prozent verteuert haben.

Abseits der Top-Standorte gebe es noch bezahlbares Wohnen in Wassernähe, sagt Magel. Mit einem Budget von 240.000 Euro können Häuser in Neustadt, Eckernförde oder Garding bei St. Peter-Ording erworben werden. Wer nur eine gebrauchte Eigentumswohnung sucht, kommt mit einem deutlich kleineren Budget aus. Interessenten können mit Preisen von rund 106.000 in Husum bis zu rund 163.000 Euro in Glücksburg kalkulieren. Weitere Angebote innerhalb dieser Spanne sind auch in Büsum, Eckernförde, Kiel-Schilksee und Neustadt am Markt.