Brüssel

Inflationsrate in der Euro-Zone bei 0,1 Prozent

Zentralbank könnte Kauf von Staatspapieren noch ausweiten. Keine Deflationsgefahr

Brüssel. Die Preise in der Euro-Zone sind im August kaum noch gestiegen. Die anhaltend geringe Inflation schürt die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik erneut lockern könnte. Denn Waren und Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist nur um 0,1 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Dies ist der niedrigste Wert seit April. In einer ersten Schätzung lag die Inflationsrate noch wie im Juli bei 0,2 Prozent. Die EZB spricht mittelfristig aber nur bei Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Notenbank-Präsident Mario Draghi hat jüngst gesagt, in den nächsten Monaten könnten die Verbraucherpreise wieder sinken.

Die Revision der August-Daten könne dazu beitragen, dass die EZB bei ihrer Politik des billigen Geldes nach­legen werde, sagte Howard Archer vom Analysehaus IHS Global Insight. „Mario Draghi hat in der September-Sitzung die Tür weit dafür geöffnet, dass die EZB ihre Geldpolitik weiter lockert.“ Die Währungshüter pumpen seit März monatlich über den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren rund 60 Milliarden Euro in den Markt und wollen dies bis September 2016 fortsetzen.

Die EZB kann ihre Geldspritzen nach Ansicht ihres Vizechefs Vitor Constancio noch ausweiten. „Bislang sind wir bei den Käufen noch weit weg davon, was andere große Zentralbanken getätigt haben“, sagte Draghis Stellvertreter. „Aber es gibt bei Bedarf noch Spielraum“, so der Portugiese.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deutete dagegen an, ein Ausweiten des Programms sei vorerst nicht nötig, da sich die Konjunkturerholung im Euro-Raum verfestige. „Die schon Anfang des Jahres überzogenen Deflationssorgen sind weiter verblasst, und wir haben ein nie dagewesenes Kaufprogramm gestartet, das sich noch mitten in der Umsetzung befindet“, sagte Weidmann der „Süddeutschen Zeitung“. „Die Geldpolitik sollte sich nicht vom Auf und Ab einzelner Indikatoren treiben lassen, solange die geldpolitische Einschätzung im Kern weiter gültig ist.“ Unter Deflation verstehen Fachleute einen konjunkturschäd­lichen Preisverfall auf breiter Front. In einer solchen Situation halten sich Verbraucher zurück, weil sie hoffen, Produkte bald noch günstiger zu bekommen. Unternehmen verdienen dann weniger, zögern mit Investitionen und stellen nicht mehr ein. Deswegen betrachten Notenbanken eine Inflation von rund zwei Prozent als ideal.