Hamburg

Imtech will Berliner Flughafen weiterbauen

Insolvenz des Unternehmens trifft auch die Commerzbank als Geldgeber. Heute Mitarbeiterversammlung in Hamburg

Hamburg.  Urlaubsstopp. Mehrere Mitarbeiter der Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Reimer sind in diesen Tagen aus den Ferien zurückgeholt worden. Grund: Es geht um die Insolvenz der Hamburger Firma Imtech. Schon am Sonntag fand eine Versammlung von rund 70 Insolvenzverwaltern, Wirtschaftsprüfern, IT-Spezialisten und anderen Experten statt. Derzeit prüften sie „große Datenmengen“, um sich einen Überblick über die wirtschaftliche Gesamtsituation von Imtech Deutschland zu verschaffen, so der Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt.

Nachdem am Freitag die Mitarbeiter über die Pleite informiert wurden, gab es am Montag Betriebsversammlungen an verschiedenen Standorten, darunter in Frankfurt. Am Dienstag soll es eine Mitarbeiterveranstaltung in Hamburg geben. „Die Beschäftigten sämtlicher Gewerke sowie die Subunternehmer haben zugesagt, den Flughafenbau bis auf Weiteres unverändert fortzuführen“, teilten Borchardt und die Kanzlei Reimer mit. Die Baustelle sei „voll besetzt“. Alle anstehenden Termine würden wahrgenommen. Imtech Deutschland liege mit seinen Leistungen „derzeit voll im Zeitplan“.

Insolvenzverwalter Borchardt verfolgt das Ziel, Imtech fortzuführen

Ziel des vorläufigen Insolvenzverfahrens ist es, den Geschäftsbetrieb der deutschen Tochter des niederländischen Unternehmens, die ihren Hauptsitz in Hamburg hat, fortzuführen und „möglichst viele der derzeit rund 4000 Arbeitsplätze zu erhalten“, erklärte die Kanzlei. Die Bautechnikfirma ist Zulieferer für die Brandschutzanlage des geplanten Berliner Flughafens für Elek­troarbeiten, Heizung, Sanitär und Lüftung zuständig. Eine Pleite von Imtech könnte den Zeitplan zur Fertigstellung durcheinanderbringen. Schon vor der Pleite gab es dort viele Pannen.

Die Finanzprobleme von Imtech treffen auch die Commerzbank. Sie sei mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag bei Imtech und deren insolventer Deutschland-Tochter engagiert, so die Nachrichtenagentur Reuters. Die Commerzbank war im Herbst 2014 auf Imtech-Aktien für gut 70 Millionen Euro sitzengeblieben, die eigentlich im Zuge einer 600 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung bei Investoren platziert werden sollten. Fast die Hälfte davon mussten aber vier Banken übernehmen, die für die Emission garantiert hatten. Im Gegenzug habe die Bank ihr Kreditengagement bei Imtech zurückgefahren, sagte ein Insider.

Heute ist das Aktienpaket der Commerzbank weniger als zehn Millionen Euro wert. Die Imtech-Aktie fiel am Montag erneut um 40 Prozent auf 44 Cent. Die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ berichtete, Imtech habe seine Mitarbeiter angewiesen, kein Geld mehr an Lieferanten und Subunternehmer auszuzahlen.

Bisherige Kreditgeber wollen kein weiteres Geld zuschießen

Das Unternehmen sprach davon, es gehe nun darum, „so viel wie möglich“ vom Konzern zu retten. Die Kreditgeber seien nicht bereit, weiteres Geld zu geben. Die Verhandlungen laufen aber laut Finanzkreisen weiter. Die niederländische Muttergesellschaft Royal Imtech haftet zumindest zum Teil für die Kredite der deutschen Tochter, die maßgeblich am Bau des neuen Berliner Großflughafens beteiligt ist.