Imtech-Insolvenz

Wie gefährdet ist nun der Flughafen Berlin-Brandenburg?

Karsten Mühlenfeld, der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Flughafen Berlin Brandenburg Gmbh

Karsten Mühlenfeld, der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Flughafen Berlin Brandenburg Gmbh

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Nach Insolvenz des Gebäudebauers Imtech könnte sich die Eröffnung des Airports weiter verzögern. 600 Mitarbeiter besorgt.

Hamburg/Berlin. „Wir können nur hoffen“, sagt ein Mitarbeiter des insolventen Gebäudedienstleisters Imtech in Hamburg. „Vielleicht kann der Insolvenzverwalter das Unternehmen und die Arbeitsplätze retten.“ Am Freitag um 11 Uhr hat Insolvenzverwalter Peter Alexander Borchardt die deutschlandweit 4200 Mitarbeiter der Firma, darunter 600 in der Deutschlandzentrale in Hamburg, im Rahmen einer Telefonkonferenz über den Insolvenzantrag vom Donnerstag informiert. Viele Beschäftigte reagierten gefasst, schließlich befindet sich der Konzern bereits seit Monaten in der Schieflage. Schon das Gehalt der Mitarbeiter wurde im Juli verspätet ausgezahlt. Nach der Insolvenz sind die Gehälter nun bis Ende Oktober durch das Insolvenzausfallgeld gesichert.

Staatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen gegen acht Personen ein

Trotz der Insolvenz gehen die Ermittlungen verschiedener Staatsanwaltschaften gegen das Unternehmen weiter. Laut Nana Frombach, Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, will die Behörde mindestens gegen acht Personen Vorermittlungen einleiten. Darunter befinden sich vorwiegend ehemalige Manager. Prüfen will die Behörde, ob es bei Imtech in Deutschland den Tatbestand der Untreue gegeben habe, der Bilanzfälschung sowie sogenannte rechtsgrundlose Überweisungen. Unter diesen Tatbestand fallen zum Beispiel Zahlungen von Scheinrechnungen, also Beträge hinter denen keine Leistungen stehen. Ob dies bei Imtech der Fall war, will die Behörde prüfen, genauso wie den Tatbestand von Preisabsprachen.

Imtech hatte im Februar eingeräumt, dass die Firma unter Kartellverdacht stehe. In diesem Zusammenhang gab es Bürodurchsuchungen in der Branche der Gebäudeausrüster. Es ging um den Verdacht auf wettbewerbsbeschränkender Absprachen, so das „Handelsblatt“.

Die Insolvenz der Firma bringt den Zeitplan zur Fertigstellung des Berliner Flughafens womöglich noch einmal durcheinander. Es sei aus Sicht der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg klar, dass die Pleite von Imtech Auswirkungen auf die Planungen zum Abschluss der baulichen Arbeiten im März 2016 haben werde, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Er hat nun eine Taskforce eingesetzt, die sämtliche wirtschaftlichen, technischen, rechtlichen und ablauftechnischen Folgen des Insolvenzverfahrens bewerten soll. Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, die Entwicklung müsse sehr ernst genommen werden. Der Projektausschuss des Aufsichtsrats werde in Kürze dazu tagen. Der Vorsitzende des Berliner Untersuchungsausschusses zum Flughafen, Martin Delius (Piratenpartei), sagte: „Ich halte den Eröffnungstermin für stark gefährdet.“

Das Hamburger Unternehmen war wichtig für den Bau des Flughafens

„Imtech war eine der wichtigen Baufirmen für die Baustelle“, sagte Mühlenfeld. Die Insolvenz werde Auswirkungen auf die Planungen haben, Teile der Imtech-Belegschaft seien am Freitag bereits nicht auf die Baustelle gekommen. „Ob und inwieweit auch Auswirkungen auf den Eröffnungstermin in der zweiten Jahreshälfte 2017 gegeben sind, muss die Taskforce nun bewerten.“ Die niederländische Imtech-Konzernmutter teilte mit, sie prüfe nun die Lage und die möglichen Konsequenzen. Imtech-Deutschland-Chef Felix Colsman verliere seinen Posten im Konzernvorstand, behalte aber die Führung in Deutschland.

Imtech ist bei dem mehrfach verzögerten Großprojekt für wichtige Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten zuständig. Der ehemalige Flughafen-Technikchef Horst Amann hatte das Unternehmen im Berliner Untersuchungsausschuss als eine „Schlüsselfirma“ für das Projekt bezeichnet. Amanns Nachfolger Jörg Marks und der Flughafen-Aufsichtsrat hatten im März beschlossen, trotz laufender Korruptionsermittlungen weiter mit Imtech zusammenzuarbeiten.

Martin Delius (Piraten), Chef des Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses, warf dem Management Versagen vor. Man hätte sich längst von Imtech trennen sollen. Er verwies auf einen millionenschweren Vorschuss, den Imtech Ende 2012 bekam. „Ich habe schon im Zusammenhang mit den Schmiergeldvorwürfen davor gewarnt, sich von Imtech abhängig zu machen. Wir stehen vor dem Problem: Entweder machen wir uns weiter abhängig, insofern sie zur Abwendung der Insolvenz weiteres Geld haben wollen. Oder aber wir lassen zu, dass die Firma sich vom Acker macht, weil sie nicht die Verantwortung für eventuelle Gewährleistungsansprüche übernehmen will“, sagte der brandenburgische CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke.