475.000 Euro

Kritik am hohen Gehalt des Hamburger Handelskammerchefs

Handelskammer Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz und Präses Fritz Horst Melsheimer in der Handelskammer Hamburg

Handelskammer Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz und Präses Fritz Horst Melsheimer in der Handelskammer Hamburg

Foto: Marcelo Hernandez

Reformbündnis bezeichnet Entgelt von bis zu 475.000 Euro Handelskammer-Chef Hans-Jörg Schmidt-Trenz als völlig überzogen.

Hamburg.  Das Reformbündnis „Die Kammer sind WIR!“ hat das Gehalt des Hauptgeschäftsführers der Hamburger Handelskammer, Hans-Jörg Schmidt-Trenz als völlig überzogen bezeichnet. „Wir hatten befürchtet, dass sich in der Kammer eine Selbstbedienungsmentalität breitgemacht hat, aber dass Schmidt-Trenz am Ende fast eine halbe Million Euro pro Jahr kassiert, das hat auch uns geschockt“, sagte der Sprecher des Bündnisses, Tobias Bergmann.

Die Handelskammer hatte am Donnerstag nach massivem Druck der internen Kritiker die Bezüge von Schmidt-Trenz offengelegt und will mit diesem Schritt nach eigenen Angaben für mehr Transparenz sorgen. Danach belaufen sich die jährlichen Einkünfte des Geschäftsführers auf 370.000 Euro. Weitere bis zu 105.000 Euro kann er sich an Tantiemen in Abhängigkeit von der Erfüllung der sogenannten Jahresaktivitätenplanung sichern. Darüber hinaus steht Schmidt-Trenz ein Dienstwagen zu.

Olaf Scholz bekommt im Jahr 177.577,44 Gehalt

Zum Vergleich: Flughafenchef Michael Eggenschwiler erhielt 2014 ein Jahressalär von 355.000 Euro. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) muss sich aktuell dagegen mit 177.577,44 Euro Gehalt im Jahr zufrieden geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält 221.300 Euro.

Nach Einschätzung des Reformbündnisses sollten sich die Gehälter der Kammerbediensteten am Öffentlichen Dienst orientieren. „Ein Vergleich mit der Privatwirtschaft wäre unangemessen“, so Bergmann. „Denn eine Handelskammer finanziert sich aus Zwangsbeiträgen, muss sich nicht im Markt behaupten und ist nicht insolvenzfähig. Der Hauptgeschäftsführer trägt kein wirtschaftliches Risiko.”

Grundsätzlich bezeichnete Bergmann die Offenlegung des Geschäftsführer-Gehalts als großen Erfolg für das Reformbündnis. „Nach Veröffentlichung der Ergebnisse zur Präseswahl ist dies ein weiterer Schritt zu mehr Transparenz in der Kammer.” Gleichzeitig kündigte der Kammerkritiker an: „Sollten wir nach den nächsten Handelskammer-Wahlen 2017 die Mehrheit im Plenum stellen, wird der Hauptgeschäftsführer ein angemessenes Gehalt verdienen.”

Als „obszön“ bezeichnete auch der Bundesverband für freie Kammern (bffk) das Gehalt von Schmidt-Trenz. In der IHK Kassel-Marburg würden 228.000 Euro als Jahresgehalt gezahlt, und auch das sei bereits überzogen, erklärte der Bundesgeschäftsführer des Verbands, Kai Boeddinghaus. Der bffk setzt sich generell für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in den Kammern ein. Nach Ansicht des bffk sollten nun alle Kammern die Gehälter ihrer Hauptgeschäftsführer offenlegen.

Handwerkskammer und AGA wollen keine Gehaltsauskunft geben

Von der Handwerkskammer war zum Thema Gehalt keine Stellungnahme zu erhalten. Ihr Hauptgeschäftsführer Henning Albers befinde sich gerade im Urlaub und müsse selbst entscheiden, ob er seine Bezüge offenlegen wolle. Auch der Sprecher des AGA Unternehmensverbands, der die Groß- und Außenhandelsunternehmen im Norden vertritt, Martin Schnitker, wollte sich nicht zum Gehalt des Hauptgeschäftsführers Volker Tschirch äußern: „Der AGA ist als Unternehmensverband nicht zu einer Offenlegung des Gehalts seines Hauptgeschäftsführers verpflichtet. Darüber hinaus wird sich der Verband nicht an einer Diskussion über Gehälter anderer Institutionen und Unternehmen beteiligen.“