Hamburg

Bis zu 70 Prozent Rabatt auf Kleidung

Doch es könnte in Hamburg noch billiger werden. Verband reduziert die Umsatzprognose für das Jahr 2015

Hamburg. Die Hamburger Einzelhändler versuchen mit ersten Sommerrabatten ihren Umsatz im Textilbereich zu retten. 40 oder 50 Prozent Preisnachlass sind derzeit keine Seltenheit, einige Geschäfte in der Innenstadt werben bereits mit bis zu 70 Prozent Ermäßigung, um ihre Sommerware loszuwerden. Nach Regen und niedrigen Temperaturen im Mai und im Juni könnte der sommerliche Juli nun aber deutliche Entspannung für den Einzelhandel bringen, sagt Wolfgang Linnekogel. Nach Angaben der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord ist aber auch in diesem Monat nicht mit einem „Bombenumsatz“ zu rechnen. „Gerade jetzt fahren viele potenzielle Kunden in den Urlaub.“ Für Ausgleich könnten allerdings Touristen sorgen, die zwischen ihren Aufenthalten an Nord- oder Ostsee einen Shoppingtag in Hamburg einlegen, wie Linnekogel hofft.

Ohne die Urlauber wird es wohl nicht gehen, denn in wenigen Tagen werden die ersten Geschäfte mit Herbstware beliefert. „Spätestens in der zweiten Augustwoche muss das Thema Sommermode durch sein“, sagt Linnekogel. Die Miete für Lagerfläche sei gerade in der Innenstadt hoch, wenn die Mode der Sommersaison nicht bald verkauft werde, könnten die Händler nur zu weiteren Rabattaktionen greifen und müssten das Risiko eingehen, Verluste zu machen. Ähnlich verlief es 2013: Viele Händler hätten schon früh „die Nerven verloren“, sagt Linnekogel. „Bereits Ende Juni warben ganze Ladenzeilen mit extremen Rabattaktionen.“ Ein typisches Muster: Weil einer reduziert, befürchten die Inhaber der umliegenden Geschäfte, dass ihre Preise den Kunden zu hoch erscheinen, und sie müssen mitziehen.

So weit ist es in diesem Jahr noch nicht. Linnekogel prognostiziert der Branche wegen des Juli eine Verbesserung ihrer bisherigen Umsätze. Bisher sind in der Innenstadt auch nur in wenigen Läden ganze Sortimente im Preis reduziert, in vielen Fällen beziehen sich die Nachlässe auf Einzelteile, für die sich zum regulären Preis offenbar kein Abnehmer gefunden hat. Dabei handelt es sich häufig um Stücke in sogenannten Randgrößen oder um ausgefallene Muster oder Schnitte.

„Gerade in Hamburg ist der Einkauf eine große Kunst. Die Kunden hier sind im Vergleich zu anderen Städten sehr konservativ, wenn ein Einkäufer Experimente eingeht, besteht hier ein deutliches Risiko, dass die Teile nicht verkauft werden“, sagt Linnekogel.

Einzelhandelsverband rechnet nur noch mit Umsatzplus von 1,5 Prozent

Zu Beginn des Jahres hatte Linnekogel der Branche in Hamburg noch einen optimistischen Umsatzzuwachs von 1,8 Prozent zugerechnet. Seiner Schätzung nach hätte das Plus bundesweit bei 1,5 Prozent gelegen. „Das muss ich jetzt revidieren: Ich gehe inzwischen eher davon aus, dass Hamburg mit einem Umsatzzuwachs von 1,5 Prozent rechnen kann und der Bund mit 1,3 oder 1,4 Prozent.“

Grund für die Senkung der Schätzung ist vor allem das Wetter, das keinen rechten Bedarf an Sommerkleidung erkennen lassen wollte und unter dem daher gerade die Textilbranche gelitten hat. Regen und Kälte sind aber nicht die einzigen Erklärungen für Umsatzeinbrüche: Während es zuletzt immer wieder hieß, dass die Deutschen „krisenfest“ seien und wegen der niedrigen Zinsen lieber Geld ausgäben als es zur Bank zu bringen, hat sich diese Einschätzung zuletzt laut Linnenkogel gewandelt. „Die Dauerkrise Griechenland wirft für viele die Frage danach auf, was das für ihre eigenen Finanzen bedeuten könne und lässt sie zögerlicher werden.“ Das können man daran ablesen, dass die Kauflust nach dem Aufschwung der vergangenen Jahren derzeit eher stagniert oder teilweise sogar zurückgeht. Zuletzt hatten vor allem Hersteller von teureren Dingen wie Möbeln von der Kauflust der Kunden profitiert. Auch im Lebensmittelbereich geht der Trend seit geraumer Zeit zu höherpreisigen, qualitativ hochwertigen Waren. Linnekogel: „Auch Fahrräder kaufen derzeit auffällig viele Hamburger. Preise von 2000 Euro und mehr sind keine Seltenheit.“

Linnekogel hofft, dass beständiges Wetter in den kommenden Wochen den Hamburgern Gelegenheit für den Kauf von Sommerkleidung gibt und der Textilbranche einen Aufschwung verschafft. Für die Einzelhändler könnte das die Rettung ihres Umsatzes bedeuten und endlich Platz für die Herbstkollektionen. Kunden müssten sich in diesem Fall von der Hoffnung auf Sommerrabatte verabschieden.